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Neues Einzelhandelskonzept
Michel begrüßt strengeren Schutz

 An verkaufsoffenen Sonntagen oder am „Saarländertag“ Mariä Himmelfahrt (hier 2017) ist in der Fußgängerzone viel los. Doch sonst ist die Besucherzahl oft überschaubar. Auf der Grünen Wiese herrscht fast immer ordentlich Betrieb. Vor einer übermächtigen Konkurrenz dort soll das Einzelhandelskonzept, das überarbeitet wird, bewahren.
An verkaufsoffenen Sonntagen oder am „Saarländertag“ Mariä Himmelfahrt (hier 2017) ist in der Fußgängerzone viel los. Doch sonst ist die Besucherzahl oft überschaubar. Auf der Grünen Wiese herrscht fast immer ordentlich Betrieb. Vor einer übermächtigen Konkurrenz dort soll das Einzelhandelskonzept, das überarbeitet wird, bewahren. FOTO: David Betz
Zweibrücken. Gemeinsamhandel lobt neues Einzelhandelskonzept. Aber Schutz alleine helfe nicht. Michel: An Outlet Beispiel nehmen. Von Mathias Schneck

Die Vereinigung der Einzelhändler in Zweibrücken, Gemeinsamhandel, begrüßt das neue Einzelhandelskonzept. Das erklärte Gemeinsamhandel-Chef Andreas Michel am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung. „Ich bin nicht enttäuscht“, sagte er. Aber das könne er auch gar nicht sein, schließlich habe er in der Arbeitsgruppe, die für die Erstellung des neuen Konzeptes gegründet worden war, mitgewirkt.

„Wir haben uns zirka alle zwei Monate getroffen, es waren drei oder vier Treffen“, sagte Michel. Neben ihm seien alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen, der Zweibrücker Unternehmer Dieter Ernst (Edeka Ernst), die IHK Pfalz, der Einzelhandels-Verband aus Kaiserslautern und das Planerbüro Junker und Kruse aus Dortmund Teilnehmer gewesen.

„Wir haben rege diskutiert“, schildert Michel, „es wurde bei diesen Treffen nicht nur abgenickt, die Veranstaltungen gingen jeweils zwei bis drei Stunden“. Dass das mit der Erstellung des neuen Konzeptes beauftragte Planerbüro Junker und Kruse als Kernaussage einen stärkeren Schutz des Innenstadt-Handels befürwortet (der Begriff Innenstadt soll nicht ausgeweitet werden, ferner wird die sogenannte Zweibrücker Liste um mehrere Positionen erweitert, wir berichteten am Mittwoch ausführlich), ist für Michel sinnvoll und notwendig.



„Ich habe bei den Treffen der Arbeitsgruppe gelernt, dass es solcher planerischer Instrumente bedarf“, betont der Zweibrücker Händler. „Ich sehe das als zwingend an.“ Das sei nicht etwa auf dem Mist einzelner Interessenvertreter gewachsen, sondern eine klare politische Leitlinie; die Stadt Zweibrücken könne gar nicht einfach alles freigeben, jeden auf die Grüne Wiese ziehen lasse, da würde die Aufsichtsbehörde ADD sonst dazwischengrätschen, merkt Michel an.

Der Gemeinsamhandel-Chef sagt, er sei „enttäuscht“ darüber, dass bei der Vorstellung des neuen Einzelhandelskonzeptes am Dienstag im Ratssaal des Rathauses „kein einziger Einzelhändler da war“ – obwohl es für diese hier doch um wesentliche Dinge gehe. „Es war auch kein Möbel Martin da, kein Globus, obwohl diese mit ihren Erweiterungplänen doch direkt betroffen sind“, wundert sich Michel.

Auch wenn es geboten sei, den Handel in der Innenstadt vor der mächtigen Konkurrenz auf der Grünen Wiese zu schützen – Schutz alleine sei kein Allheilmittel.

Der Einzelhandel in der Innenstadt müsse seine Hausaufgaben machen, mahnt Michel. Und könne hier durchaus von einem hartnäckigen Konkurrenten, der ihm zusetzt, lernen: nämlich dem Fashion Outlet.

„Die investieren dort oben 15 Millionen Euro, damit alles schöner wird. Das Outlet will die Aufenthaltsqualität steigern. Denn: Wer länger bleibt, der gibt auch mehr Geld aus. Die machen das genau richtig“, lobt der Gemeinsamhandel-Chef. Das Fashion Outlet tue das aber nicht, weil es zu viel Geld habe, so Michel. „Ich bin mir sicher, die haben genauso Probleme mit dem Online-Handel wie wir hier unten in der Innenstadt. Aber sie tun etwas, sie investieren, schaffen neue Attraktionen.“ So müsse man vorgehen. In der Innenstadt vermisst der Händler-Chef diese Zielstrebigkeit, diesen Willen, einmal ein größeres Rad zu drehen.

Noch ist das neue Einzelhandelskonzept nicht beschlossen. Die städtischen Gremien müssen es erst noch beschließen, zuerst ist der Bauausschuss gefragt, dann der Stadtrat. Die Stadtverwaltung erklärte am Dienstag, sie gehe davon aus, dass es erst im zweiten Quartal 2020 zur Abstimmung kommen werde. Michel:  „Ich rechne mit einer kontroversen Diskussion.“

Das neue Einzelhandelskonzept ist jetzt im Internet einsehbar: https://www.zweibruecken.de/de/politik-verwaltung/aemter/stadtbauamt/stadtplanung/einzelhandels-und-zentrenkonzept.

 Andreas Michel, Vorsitzender von Gemeinsamhandel Zweibrücken.
Andreas Michel, Vorsitzender von Gemeinsamhandel Zweibrücken. FOTO: Lutz Fröhlich