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Erster Arbeitstag des neuen Zweibrücker Oberbürgermeisters
Wosnitza lässt Henno Pirmann das Baudezernat

 Auch die Presseschau gehörte am Freitag zum ersten offiziellen Arbeitstag des neuen Oberbürgermeisters Marold Wosnitza. Den von Kurt Pirmann übernommenen Schreibtisch möchte er vielleicht noch durch das Meisterstück seines Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgängers ersetzen.
Auch die Presseschau gehörte am Freitag zum ersten offiziellen Arbeitstag des neuen Oberbürgermeisters Marold Wosnitza. Den von Kurt Pirmann übernommenen Schreibtisch möchte er vielleicht noch durch das Meisterstück seines Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgängers ersetzen. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Neuer Oberbürgermeister: Ein Jahr vor Pensionierung des gut eingearbeiteten Beigeordneten wäre ein Wechsel unklug. Erster Arbeitstag endet sportlich. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Marold Wosnitza hat am Freitag auf Merkur-Anfrage die Schwerpunkte für seine ersten 100 Tage als neuer Zweibrücker Oberbürgermeister genannt. Bereits im Januar werde er „die erste Arbeitsgruppe zu den Zielen für die Überplanung der Innenstadt einberufen, wo wir klären, wo wollen wir hin“. Dazu sollen dann noch „eine ganze Reihe weiterer AGs und Bürgerforen“ kommen, einschließlich des Themas Tourismus. Mit Innenstadt meine er nicht nur den Bereich um die Fußgängerzone, „sondern alles vom Bahnhof bis zum Biergarten“.

Ebenfalls in den ersten 100 Tagen wolle er „Gespräche mit den Vororten führen“, sagt Wosnitza (SPD) an seinem ersten offiziellen Arbeitstag im Rathaus an. Auch die ersten Unternehmergespräche als OB stünden auf seiner Agenda. Überhaupt hätten „ganz viele Menschen Termine mit mir gemacht, der Kalender ist in den ersten Monaten schon ziemlich voll“.

Viel Zeit wird Wosnitza aber auch im Rathaus verbringen: „Trotz der sieben Wochen, die ich schon hier war, muss ich mich komplett in die Verwaltung einarbeiten und in die die Dezernate reinknien.“



Stichwort Dezernate: Bei deren Verteilung wolle er dem Stadtrat nicht viele Veränderungen vorschlagen, so Wosnitza. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) solle seine Geschäftsbereiche behalten (dazu gehört auch das wichtige Finanzdezernat mit der Zuständigkeit für den Haushalt). Vom Beigeordneten Henno Pirmann (SPD) übernimmt Wosnitza die Verantwortung für das Kultur- und Verkehrsamt und das Rechtsamt. Dafür behält Henno Pirmann die Zuständigkeit für das Bauamt, die ihm kommissarisch seit etwa einem Jahr übertragen war, nachdem der damalige Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) schwer erkrankte und Ende Juni verstarb.

Die Baudezernats-Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, weil das Bauamt als bedeutendstes Ressort für die Stadtentwicklung gilt, Kurt Pirmann (SPD) hatte deshalb in seinem OB-Wahlkampf 2011 versprochen, es zur „Chefsache“ zu machen. Warum hat sich sein Nachfolger dagegen entschieden? „Weil das Bauamt ein hochkomplexes Thema ist und es nicht ein kleines Dezernat ist, das man nebenher führen kann“, antwortet Wosnitza und verweist darauf, dass es aktuell in guten Händen sei: „Henno Pirmann hat sich dort eingearbeitet und ist nur noch ein Jahr bis zur Pension da – es wäre unklug, da jetzt etwas zu verändern.“ Nach Henno Pirmanns Abschied aus dem Stadtvorstand werde die Dezernatsverteilung dann neu besprochen.

Mit der Übernahme des Kultur- und Verkehrsdezernats verfolgt Wosnitza zwei Ziele. Zum einen wolle er Henno Pirmann (der als weiteren „großen“ Bereich neben dem Bau- auch fürs Ordnungsamt zuständig ist) entlasten. Zum anderen bleibt die Zuständigkeit für die (im OB-Wahlkampf im Mittelpunkt gestandene) Wirtschaftsförderung beim Oberbürgermeister. „Tourismus gehört für mich auch zur Wirtschaftsförderung“, betont Wosnitza – deshalb sei es sinnvoll, das zuständige Amt zu seinen Dezernatsbereichen zu hören. („Verkehrsamt“ steht nicht für Straßenverkehr, sondern Fremdenverkehr).

Wosnitzas erster offizieller Arbeitstag am Freitag im Rathaus war für ihn „kein neues Gefühl“, denn er war dort schon sieben Wochen täglich als „Praktikant“, wie er es am Donnerstagabend in seiner Antrittsrede augenzwinkernd formuliert hatte (wir berichteten). Auch das OB-Amtszimmer war deshalb nicht neu für Wosnitza, er saß dort schon in den Einarbeitungswochen.

Neu ist im Amtszimmer auch sonst nichts „außer einer Kaffeemaschine, die ich mitgebracht habe“ – anders als seine Vorgänger hat der 53-Jährige an der Einrichtung nichts verändert. „Ich denke aber darüber nach, den Schreibtisch von Ignaz Roth zu benutzen, den er selbst gebaut hat, das war sein Meisterstück. Er steht derzeit im Rathaus im Keller, müsste aber wohl etwas restauriert werden.“ Roth war der erste Oberbürgermeister Zweibrückens nach dem Zweiten Weltkrieg, Wosnitza ist der neunte.

Und was trinkt Wosnitza am liebsten aus seinem Kaffeehalbautomaten? „Cappuccino und Espresso.“ Mit oder ohne Zucker? „In nächster Zeit ohne, denn meine im Haustür-Wahlkampf verlorenen Kilos sind wieder da.“ Da hilft ihm wohl auch nicht der bevorstehende Stadtrats-Wahlkampf, bei dem er in seiner Funktion als OB nicht für seine Partei werben darf? „An dem Tag ist ja auch noch die Europa-Wahl, die mir sehr am Herzen liegt, da werde ich mich wahrscheinlich einbringen“, gibt Wosnitza die Hoffnung nicht auf, mal wieder als Wahlkampf-Nebenwirkung Pfunde zu verlieren.

Den Stadtverwaltungs-Mitarbeitern musste sich Wosnitza an seinem ersten offiziellen Arbeitstag auch nicht mehr vorstellen – das habe er schon bei der Personalversammlung im November getan. Erst recht nicht vorstellen musste er sich einer Mitarbeiterin: Heike Heb. Die ist nämlich seine Ehefrau. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, ist sie als freigestellte Personalratsvorsitzende zurückgetreten (wir berichteten). Und wo arbeitet sie jetzt? Wosnitza: „Zufällig ist gerade genau die Stelle freigeworden, auf der meine Frau vorher gearbeitet hat, nämlich die Jugendhilfeplanung.“

Nach einer kurzen Nacht – Wosnitza war bis zum Ende des Bürgerempfangs um viertel vor zehn im Ratssaal – war der neue OB gegen viertel vor acht wieder im Rathaus. Da stand dann wenig spektakuläre Verwaltungsroutine auf dem Programm: Gespräche mit Hauptamt und Bürgermeister darüber, wer zwischen den Feiertagen was im Rathaus macht, zwei Besuche bei den Stadtwerken für Unterschriften als neuer Aufsichtsratsvorsitzender sowie später zur Weihnachtsfeier, ein Dutzend Unterschriften-Mappen im Rathaus bearbeiten, seine ersten Senioren-Geburtstagsbesuche vorbereiten und am Abend ein Besuch des VTZ-Handballspiels. Ist er privat oder dienstlich in der Westpfalzhalle? Das ist die einzige Frage des Tages, auf die Wosnitza keine klare Antwort hat: „Ich habe mal gehört, ein OB ist immer im Dienst.“