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Jetzt machen auch die Eisdielen dicht
Pünktlich zum Frühlingsbeginn friert das Leben ein

 Tische und Stühle sind aneinandergekettet: Das war’s vorerst mit Ausgehen.
Tische und Stühle sind aneinandergekettet: Das war’s vorerst mit Ausgehen. FOTO: dpa / Fabian Strauch
Zweibrücken. Die Eisdielen in der Fußgängerzone machen dicht. Tiziana Rosi vom Cantonati und Mirko Foltran vom La Perla begrüßen das Verbot. Von Mathias Schneck

Es mutet fast makaber an. Am Freitag war kalendarischer Frühlingsanfang. Jedes Jahr der Startschuss in die neue Saison für die Eisdielen-Inhaber. Doch ausgerechnet an diesem offiziell so verheißungsvollen Tag wurde die Eiszeit beendet, noch ehe sie richtig begann. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat am Freitag die Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus nochmals verschärft.

Unter anderem bedeutet dies das Aus für die Eisdielen. Im Gegenzug kommt eine neue Eiszeit: Denn das öffentliche Leben im Land, ja in der gesamten Republik wird mehr oder weniger eingefroren. Zum Beginn der nächsten Woche droht gar eine Ausgangssperre.

Die drei Eisdielen in der Fußgängerzone, das Cantonati, das La Perla und die Lavazza-Café-Bar, haben am Freitag ihre Läden geschlossen – wie bereits etliche andere Läden in der Fußgängerzone zuvor.



Tiziana Rosi begrüßt das jetzige Aus. „Diese Regelung mit ,von sechs Uhr morgens mit 18 Uhr abends auf, zwei Meter Abstand zwischen den Tischen’ – das war im Grunde genommen nichts halbes und nichts ganzes“, sagt sie.

Rosi, die gebürtig aus der Region am Gardasee stammt, blickt voller Sorge auf die Entwicklung in Italien, wo es mittlerweile über 40 000 Erkrankte und 4000 Tote zu beklagen gibt. „Es gibt Krankenhäuser, da spielen sich dramatische Szenen ab. Manche Sterbenskranke dürfen sich wegen der Infektionsgefahr noch nicht einmal mehr von ihren Angehörigen verabschieden – schrecklich“, schaudert es Rosi.

Sie hofft, dass in Deutschland die Verhältnisse nicht so ernst werden. Es müsse alles im Kampf gegen das Corona-Virus getan werden, betont die Eisdielen-Chefin. „Auch, wenn das Verbot uns einiges Geld kostet – die Gesundheit ist wichtiger als alles andere“, sagt sie.

Mirko Foltran, Inhaber des Eiscafés La Perla, sieht das genauso. „Das Aus ist eine saubere Lösung. Ein klarer Schnitt. Von sechs Uhr morgens bis 18 Uhr abends – das war keine gute Lösung.“ Am liebsten hätte Foltran schon vor einigen Tagen geschlossen. Aber jetzt, wo die behördliche Anordnung da sei, sei klar, dass er Kurzarbeiter-Geld für seine fünf Angestellten beantragen wird. „Ich habe mich bereits danach erkundigt“, sagte er am Freitag. Auch er blickt voller Sorge auf die Entwicklung in Italien und Deutschland.

Zuletzt habe es gar keine richtige Freude mehr gemacht, das La Perla zu öffnen, manche Passanten hätten ihn dafür kritisiert, dass überhaupt noch geöffnet sei, sagt Foltran. Aber ihm sei die behördliche Anordnung, der klare Schnitt, wichtig gewesen.

Auch in der Lavazza-Café-Bar hatte die dortige Chefin Ada Cutaia in den vergangenen Tagen im Gespräch mit dem Merkur geklagt, dass die bisherige Lösung unbefriedigend sei, es sei nichts halbes und nichts ganzes.