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Konzert
Meisterhafte Streicher begeistern bei Lions-Benefizkonzert

Die fünf jungen Musiker der Villa Musica faszinierten mit ihrem bravourösen Auftritt beim Benefizkonzert des Lionsclubs
Die fünf jungen Musiker der Villa Musica faszinierten mit ihrem bravourösen Auftritt beim Benefizkonzert des Lionsclubs FOTO: cvw
Zweibrücken. (cvw) Das jährliche Benefiz-Konzert des Lions-Clubs Zweibrücken und der Villa Musica Rheinland-Pfalz im Wintergarten der Zweibrücker Festhalle hat Tradition. Immer wieder mussten am Freitagabend die vier jungen, bereits vielfach preisgekrönten Musiker Sarah Kim (Violoncello), Sài Soulez Larivière (Viola), Elisabeth Gebhardt und Severin van Schmid (Violine) sowie ihr Dozent und Mentor, der Ukrainische Pianist Antonil Baryshevskyi, auf die Bühne und sich unter dem anhaltenden Applaus verneigen. Von Cordula von Waldow

Gut 100 Zuhörer genossen dieses ebenso anspruchsvolle wie virtuos und mitreißend dargebotene Konzert, mit dem die junge, höchst talentierte Truppe ihre Tournee durch Rheinland-Pfalz startete.

Mit dem Wiener Musiker Johannes Brahms (1833-1897) und dem belgischen Organisten und Komponisten César (Père) Franck (1822-1890) standen kammermusikalische Musikstücke zweier Romantiker auf dem Programm. Ganz unterschiedlich im Charakter ihrer Werke, vereint die beiden Komponisten der gewaltige Spannungsbogen innerhalb ihrer Stücke wie auch zwischen den verschiedenen Instrumenten. Der beständige Wechsel zwischen zarten, harmonischen, melodiös-fließenden bis hin zu gesanglichen oder tänzerischen Partien und dramatischen, kraftvollen, ja, fast martialischen Teilen zog sich wie ein rotes Band durch die gut 90 Minuten hochkarätige Kammermusik.

Seine Violinsonate Opus 78 schrieb Johannes Brahms in einer seiner „schönsten Sommerfrischen“ am Wörthersee, wo er nach der Rückkehr seiner ersten Italienreise im Mai 1878 Station machte. Das Werk in drei Sätzen – einem heiteren, frühlingshaft melodisch schwingenden „Vivace ma non troppo“, dem melancholischen, gleichsam poetischen „Adiago“ und einem „Allegro molto moderato“ in Erinnerung an Brahms Regenlieder – ist geprägt durch einen Wechsel aus der Freude über den herrlichen Aufenthalt und der Trauer um die unheilbare Krankheit seines Patenkindes Felix Schumann, Sohn von Clara und Robert Schumann. Im Finalsatz greift die Violine, ausdrucksstark paraphrasiert von dem 23-jährigen Luxemburger Severin van Schmid, das punktierte Thema des Sonatenbeginns wieder auf. Es wird in einer Art Tropfenmotiv vom Piano untermalt, so dass eine herbstliche Stimmung entsteht.



Punktiert hüpfend, fast wie eine Explosion, begann Brahms’ Klaviertrio Nr. 3 c-moll, Opus 101. In den Sätzen Allegro energico, Presto non assai erzeugten die Geigerin Elisabeth Gebhardt (25) und die Australierin Sarah Kim am Violoncello gemeinsam mit ihrem Dozenten temperamentvoll und leidenschaftlich eine dramatische Spannung mit kurzen, abgehackten Phrasierungen, rasanten Pizzicati und murmelnden Einwürfen. Immer wieder rieben sich Klavier und Streicher, spielten gewollt und gekonnt gegeneinander. Luftig und kantabil lockerte das Andante grazioso die Stimmung auf und kontrastierte wunderbar zu dem großartigen Finale. Prägnant und scharf interpretierte das Trio noch einmal die sich zuspitzende Dramatik.

Deutlich fließendere Spannungsbögen baut César Franck in seinem opulenten Quintett für Klavier und Streicher in f-Moll auf. Die ständig changierenden, eher an Orgelmusik erinnernden Klangfarben in diesem außergewöhnlichen und hoch anspruchsvollen Werk ließen die vier jungen Streicher ihre großartige Virtuosität ausspielen. Mit vollem Körpereinsatz interpretierten sie die drei Sätze Molto moderato quasi lento – Allegro, das sehr gefühlvolle Lento con molto sentimo und das furiose, leidenschaftliche Allegro non troppo ma con fuoco.

Dem 20-jährigen Luca Mack hat das Konzert „sehr, sehr gut gefallen“: Ich bin tief beeindruckt von dem vielfältigen Klangausdruck, der mit der Geige möglich ist“, staunte er. „Mannigfaltig und abwechslungsreich, spannend in dem Wechsel zwischen Miteinander und Spannungsbögen bis hin zum kämpferischen Gegeneinander der einzelnen Stimmen“, lobte Alexander Blanz die Aufführung. Er habe auch die im Begleitheft beschriebene, ungarische Folklore klanglich gut nachvollziehen können. Hanne Stauch war begeistert von der ausdrucksstarken Interpretation der fünf jungen Künstler. „Die sind alle musikalisch bis in die Haarspitzen und voller Leidenschaft“, schwärmte sie.