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300 Jahre alter Schrank und kostbare Schale
Zwei Schätze für Zweibrücken

 Museumsleiterin Charlotte Glück vor dem 300 Jahre alten Schrank. Heinrich Lehn hat das kostbare Stück der Stadt geschenkt.
Museumsleiterin Charlotte Glück vor dem 300 Jahre alten Schrank. Heinrich Lehn hat das kostbare Stück der Stadt geschenkt. FOTO: Mathias Schneck
Zweibrücken. Stadtmuseum bekommt wertvollen Schrank geschenkt – und als Dauerleihgabe eine Schale aus „Zweibrücker Porzellan“. Von Mathias Schneck

Bis Weihnachten sind es ja noch drei Wochen. Aber Charlotte Glück ist bereits beschert worden. Und zwar reichlich. Zum einen mit einem wertvollen Schrank, der dem Stadtmuseum als Schenkung zuteil wurde. Und zum anderen mit einem Stück des äußerst seltenen Zweibrücker Porzellans – eine Schale, die Museumsleiterin Glück als Dauerleihgabe ausstellen darf. Stolz präsentiert Glück die neuen Preziosen im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur.

Die Museumsleiterin zu den Hintergründen der Schrankspende: „Es handelt sich um einen repräsentativen Schrank aus Franken. Er dürfte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut worden sein. Er ist auch Eichenholz, mit Nussbaumfurnier, am Kranz befindet sich Ebenholz, im Wechsel mit Zwetschge.“

Das edle Möbelstück stand nachweislich ab 1776 im herzoglichen Jagdzimmer in der alten Weber’schen Mühle in Limbach bei Homburg. Heinrich Lehn gehört zu der Eigentümer-Familie dieser Mühle, in dessen Händen sich der Schrank befand. Lehn nahm bei einem Umzug nach Magdeburg das Prachtstück mit. „Nun wurde sein Haushalt aufgelöst“, sagt Glück weiter. Denn Lehn werde in ein Seniorenheim ziehen. Wohin mit dem Schrank habe er sich gefragt. Da das Stadtmuseum Zweibrücken das einzige in der Region sei, das sich eingehend mit der Geschichte des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken auseinandersetze, sei Lehn die Wahl leicht gefallen und er habe dem Museum den Schrank geschenkt (der Stadtrat nahm in seiner vorletzten Sitzung diese Spende, ebenso wie mehrere Spenden andere an).



Glück ist dankbar für dieses besondere Geschenk. Das massive Möbelstück könne auf einen fünfstelligen Wert taxiert werden. „Eine Schenkung in dieser Größenordnung bekommen wir vielleicht einmal im Jahr“, sagt die Museumschefin.

Sie dankt Roland Paul, ehemals Direktor des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde – dieser habe Lehn überzeugen können, den Schrank Zweibrücken zu schenken. Der aufwendige Transport sei der Stiftung Karlsberger Hof zu verdanken, diese habe die Kosten hierfür sowie für leichte Restaurierungsarbeiten übernommen.

Die zweite Kostbarkeit, über die sich Glück freuen darf, ist ein weiteres Stück aus der Reihe Zweibrücker Porzellan. Hier handelt es sich wie gesagt um eine Dauer-Leihgabe. „Die Schale erhielten wir von Christoph Kassian, einem Ur-Enkel aus der Fabrikanten-Familie Ludowici aus der Pfalz.“ Kassian erte die Schale, seine Gattin, die Kunsthistorikerin ist, registrierte die beiden Buchstaben „PZ“ (für Pfalz-Zweibrücken) – ein Hinweis darauf, dass die Schale aus der kurzen Zeitspanne stammt, in der in der Herzogstadt Porzellan gefertigt wurde (1767 bis 1775).

Die Expertin für Zweibrücker Porzellan, Elisabeth Kessler-Slotta, habe die Schale in die frühe Phase der Produktion dieses Porzellans, zirka 1768/1769, eingeordnet.

„Jetzt haben wir 86 Stücke aus Zweibrücker Porzellan im Stadtmuseum. Weltweit gibt es gerade einmal 280. Wir in Zweibrücken haben die größte Sammlung“, freut sich Glück.

Der Schrank, die Schale und alle weiteren Exponate können während der Öffnungszeiten des Stadtmuseums besichtigt werden: Dienstag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. An Feiertagen 14 bis 18 Uhr. Telefon: (0 63 32) 871-380.

  Die Schale aus Zweibrücker Porzellan.
Die Schale aus Zweibrücker Porzellan. FOTO: Mathias Schneck