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Wünschebäume aufgestellt
Kleine Geschenke mit großer Wirkung

Sabine Grunder hat die Wünschebaum-Aktion im Zweibrücker Johann-Hinrich-Wichern-Haus vor vier Jahren ins Leben gerufen.
Sabine Grunder hat die Wünschebaum-Aktion im Zweibrücker Johann-Hinrich-Wichern-Haus vor vier Jahren ins Leben gerufen. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Im Wichernhaus und im Awo-Seniorenheim sollen den Bewohnern wieder Weihnachtswünsche erfüllt werden. Von Martin Wittenmeier

Für viele Menschen müssen es zu Weihnachten keine Berge von Geschenken sein – aber wenn an Heilig Abend so gar kein Päckchen unter dem Baum liegt, ist die Enttäuschung schon groß. Wer aber beschenkt Senioren, die keine Angehörigen mehr haben oder sich selber kaum etwas leisten können?

Ein unscheinbarer Weihnachtsbaum im Eingangsbereich sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder die kleinen Wünsche der Bewohner des Johann-Hinrich-Wichern-Hauses erfüllt werden. Daran hängen neben Kugeln und Lichtern auch viele Zettel, und jeder von ihnen enthält einen kleinen Wunsch. Von den zu Beginn 140 Kärtchen – eines für jeden Bewohner – sind inzwischen nur noch etwa 40 übrig. „Unser Wünschebaum ist seit Jahren ein gigantischer Erfolg. Die Karten werden uns förmlich aus den Händen gerissen“, freut sich Leiter Raphaël Baumann.

Die Idee für den ganz speziellen Weihnachtsbaum läuft bereits im vierten Jahr. „Ich habe die Aktion damals im Awo-Seniorenheim gesehen und fand sie so toll, dass ich sie einfach übernommen habe“, erzählt Sabine Grunder, die im Wichernhaus in der Verwaltung arbeitet. Seitdem wird den Senioren zu Weihnachten eine ganz besondere Freude gemacht. „Angehörige und Pfleger nehmen sich einfach einen der Zettel, die am Wunschbaum hängen, und besorgen dann das kleine Geschenk“, erklärt Grunder. Aber auch viele Außenstehende, die gar keine Verwandten oder Bekannten im Seniorenheim haben, melden sich, wollen sich beteiligen. „Wir hatten die Aktion kaum öffentlich gemacht, da sind schon die ersten vorbeigekommen und haben gefragt, wo die Kärtchen hängen“, freut sich Grunder über die riesige Resonanz. „Eine Frau hatte sich selbst ein Budget von 150 Euro gesetzt und wollte direkt zehn Geschenke übernehmen.“



Dabei haben die Senioren oft nur ganz bescheidene Wünsche. Ein bestimmtes Parfüm, Pralinen, eine Halskette oder eine Flasche Rotwein. Besonders beliebt seien Kuschelsocken, die in der kalten Jahreszeit schön warm halten, erzählt Grunder. Für die Bewohner stehe der materielle Wert der Geschenke nicht im Vordergrund. „Der Gedanke, an Weihnachten nicht alleine zu sein und jemanden zu haben, der an einen denkt, zählt viel mehr.“ Um alle gleich zu behandeln, sind die Karten aber nicht mit den Namen, sondern Nummern versehen, die den Heimbewohnern zugeordnet sind.

An Heiligabend feiern die Senioren des Wichernhauses gemeinsam mit den Pflegern auf den verschiedenen Stationen das Weihnachtsfest. Auch an die Bettlägerigen, die ihr Zimmer nicht verlassen können, wird gedacht. Schließlich ist Weihnachten eine ganz sensible Zeit, an der niemand alleine bleiben möchte. „Es ist toll zu sehen, wie die Augen glänzen, wenn Bescherung ist“, betont Raphaël Baumann. „Schon dafür lohnt sich die ganze Aktion.“

Im Awo-Seniorenheim am Rosengarten wird der Wünschebaum am 1. Advent aufgestellt. Die Vorfreude ist nicht nur Andrea Schantz und ihren Kollegen anzumerken. „Uns haben schon im Oktober E-Mails erreicht, wann es denn endlich losgeht“, erklärt die Heimleiterin. Um möglichst vielen Menschen, die Gelegenheit zu geben, einem Bewohner eine Freude zu machen, werden die Kärtchen „wohl dosiert“ aufgehängt. „Wer also Interesse hat, kann bei uns einfach reinspazieren. Aber wenn der Baum leer ist, ist er leer“, lacht Schantz.

In diesem Jahr haben sich die Heimbewohner zusätzlich eine besondere Aktion ausgedacht. Neben den 147 Wunschzetteln für die Senioren werden am Baum 147 weitere Karten angebracht. „Für jeden Bewohner kommt diesmal noch ein Wunsch für den Kinderschutzbund dazu. Die Idee dazu hatten unsere Senioren selbst“, erklärt Schantz stolz. Man wolle damit Familien und Kindern, denen es nicht so gut gehe, in der besinnlichen Zeit etwas Gutes tun.

Die Heimleiterin ist immer wieder verblüfft, wie bescheiden die Senioren in den meisten Fällen sind. „Eine Dame hatte sich einmal nur Tempos gewünscht. Die Spenderin wusste gar nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. Sie hat dann aus den Taschentüchern eine Kirche gebastelt und schön verpackt.“

Vielen älteren Menschen sei es dafür umso wichtiger zu zeigen, dass man noch „mitten im Leben steht“, erklärt Schantz. Deshalb hat man für den 20. Dezember eine Weihnachtsfeier für organisiert, die „Jung und Alt verbinden“ soll. Dann bekommen nicht nur die Senioren ihre Geschenke, sondern auch die Jungen und Mädchen vom Kinderschutzbund. „Unsere Bewohner strahlen und blühen auf, wenn so viele junge Menschen um sie rum sind. Und die Kinder lernen an so einem Tag, dass auch die Senioren Menschen wie du und ich sind.“