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Oberbürgermeister-Wahl
Wosnitza soll frischen Wind bringen

Marold Wosnitza (2. von links) nach seiner Nominierung zum Oberbürgermeister-Kandidaten, beklatscht unter anderem von Innenminister Roger Lewentz (von hinten) und Wissenschaftsminister Konrad Wolf (rechts), die gestern Abend in Parteifunktionen bei dem Wahlparteitag waren.
Marold Wosnitza (2. von links) nach seiner Nominierung zum Oberbürgermeister-Kandidaten, beklatscht unter anderem von Innenminister Roger Lewentz (von hinten) und Wissenschaftsminister Konrad Wolf (rechts), die gestern Abend in Parteifunktionen bei dem Wahlparteitag waren. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Der mit 98 Prozent gewählte Oberbürgermeister-Kandidat der SPD möchte die Qualität der Wirtschaftsförderung deutlich verbessern, mehr in die Vororte investieren und das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern. Von Lutz Fröhlich

Marold Wosnitza hat gestern Abend die Wirtschaftsförderung zum „Dreh- und Angelpunkt“ seiner Politik erklärt, wenn er die Zweibrücker Oberbürgermeister-Wahl gewinne. Der SPD-Parteitag wählte den Erziehungswissenschafts-Professor nach seiner Rede mit 48 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme (bei einer Enthaltung) zum OB-Kandidaten.

Wosnitza betonte in seiner Rede, eine effiziente Wirtschaftsförderung sei wichtig, um Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen. „Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer – vom kleinen Blumenladen bis zum Industriebetrieb –, die sich in Zweibrücken engagieren wollen.“ Derzeit liege bei der Wirtschaftsförderung (Wifö) in Zweibrücken vieles im Argen, sei sein Eindruck nach vielen Gesprächen: „Wir wollen und dürfen es uns nicht mehr erlauben, Unternehmer und Investoren durch bürokratische und langwierige Verwaltungsprozesse zu bremsen!“ Wosnitza versprach: „Das muss sich ändern!“ Wirtschaftsförderung werde „aber nicht nur durch mehr Köpfe effektiver“: „Wir müssen umdenken, das beginnt am Kopf der Verwaltung.“ Es gelte, „die Philosophie und Qualität“ der Wifö zu verbessern. Ein „Projektsteuerer“ solle künftig Investoren von der ersten Kontaktaufnahme begleiten, damit Unternehmer nicht mehr von Amt zu Amt laufen müssten. „Und wir müssen sagen, was geht – nicht was nicht geht!“ Wifö sei für ihn „klar Chefsache“, er werde „regelmäßige Meinungsaustausche im Rahmen von Unternehmergesprächen ins Leben rufen“.

„Nach mehr als zehn Jahren Stillstand in Zweibrücken“ habe der (am 25. Juni verstorbene) Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) „die Ärmel hochgekrempelt und die Innenstadt vorangebracht“, sagte Wosnitza. „Jetzt müssen wir uns auch der Vororte annehmen.“ Denn auch dort gebe es „Herausforderungen, die angegangen werden müssen“. Als OB werde er auch die Vorort-Gremien besuchen.



Wosnitza lobte „das umfassende Bildungsangebot in Zweibrücken von der Kita bis zur Hochschule“, zudem gebe es im Umkreis von 40 Kilometern sechs weitere Hochschulstandorte. Aus diesem „Standortvorteil Bildung“ gelte es noch mehr zu machen durch eine „stärkere Vernetzung von Schulen, Hochschule und Wirtschaft“. An seiner Idee für einen Hochschul- „Campus 2“ im Ex-City-Outlet hält Wosnitza fest und kündigte „demnächst konkrete Vorschläge“ hierzu an, obwohl er im Mai 2017 damit nur auf wenig positives Echo gestoßen war (wir berichteten). Hochleistungs-Internet müsse für alle Bürger Zweibrückens verfügbar werden.

Wosnitza berichtete, Kollegen von ihm hätten sich oft lustig über ihn gemacht, weil sein Herz so an seiner Heimatstadt hänge. Nachdem er ihnen Zweibrücken gezeigt habe, seien sie aber ganz begeistert gewesen. Den „Wohlfühlcharakter“ Zweibrückens gelte es zu pflegen und auszubauen. Wosnitza versprach den Erhalt von Freibad und Tretbootverleih. Die Freisportanlage am Kleinen Exe solle saniert und mit dem neuen Wasserspielplatz zu einem „Mehrgenerationen-Wohlfühlpark“ werden.

Das Thema Sicherheit sei ihm sehr wichtig, betonte Wosnitza – warnte aber vor Panikmache. Man fühle sich „nach Süd-Chicago versetzt“, wenn man Aussagen des (von Wosnitza nicht genannten CDU-Politikers Christoph Gensch) über Drogen, Kriminalität und ausländische Gefährder glaube. Wosnitza sagte, er nehme Ängste und Sorgen der Menschen ernst: „Wenn Menschen sich unsicher fühlen, muss Politik handeln.“ Das erreiche man aber nicht durch das Verbreiten von Panik, sondern „am besten durch Präsenz und Ansprechbarkeit derjenigen, deren Aufgabe die Ordnung und Sicherheit ist“. Deshalb will er in der City eine Anlaufstelle des Ordnungsamts einrichten, „eine Art Stadt-Wache“. Zusammen mit „absenkbaren Pollern“ werde dies „das Sicherheitsgefühl deutlich verstärken“.

Wosnitza will „einen Wahlkampf des Zuhörens“ führen. Diesen Donnerstag starte er die „Aktion 1000 Türen“, an denen er klopfe, „um mehr darüber zu erfahren, was die Leute in Zweibrücken bewegt“ und wo es Probleme gebe. Wosnitza sagte, er habe persönlich erfahren, „dass es nicht egal ist, wer politisch Verantwortung trägt“: Ohne die Bildungs-Offensive der SPD in den 60er/70er-Jahren wäre er als Sohn einer Friseurin und eines Schneiders heute wohl nicht Professor.

Der SPD-Landesvorsitzende Roger Lewentz sagte, als Sportminister habe er von Wosnitza als Zweibrücker Sport-Stadtverbandsvorsitzender einen „sehr positiven“ Eindruck gewonnen. Er sei ein OB-Kandidat, „mit dem kann man reden, der wirft nicht mit Worthülsen um sich, der ist kompetent“.

Der vorletzte SPD-OB Hans Otto Streuber hielt eine flammende Kurzansprache für Wosnitza. Der stehe, anders als ein früherer OB-Professor, „mit beiden Füßen auf dem Boden“ und sei trotz Volksnähe „ein strategischer Denker – wir brauchen auch mal wieder eine Persönlichkeit, die das Große und Ganze im Blick hat, aber dennoch nah am Menschen ist“. Wosnitza sei, anders „als einige andere OB-Kandidaten“ auch „kein Apparatschik – wir können einen Querdenker und frischen Wind erwarten, der sollte mal wieder durch die Stadt ziehen“. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) sei „ein schwieriger Gegner“, so Streuber weiter. Aber auch „Platzhirsche“ müssten „mal ihren Platz räumen – ich bin mir sicher: Qualität wird sich durchsetzen.“

SPD-Partei- und Fraktionschef Stéphane Moulin (links vom Rednerpult) überreichte dem frisch gewählten OB-Kandidaten „zwei rote Turnschuhe“, um bei seinem Wahlkampf, bei dem Marold Wosnitza an mindestens 1000 Haustüren klopfen will, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, gut voranzukommen. Moulin: „Wir nehmen sie nur dann zurück, wenn die Sohlen durchgelaufen sind.“
SPD-Partei- und Fraktionschef Stéphane Moulin (links vom Rednerpult) überreichte dem frisch gewählten OB-Kandidaten „zwei rote Turnschuhe“, um bei seinem Wahlkampf, bei dem Marold Wosnitza an mindestens 1000 Haustüren klopfen will, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, gut voranzukommen. Moulin: „Wir nehmen sie nur dann zurück, wenn die Sohlen durchgelaufen sind.“ FOTO: Lutz Fröhlich
„Mutmacher und Inspirationsquelle für mich“: Dieses Foto von Kurt Pirmann hängt Wosnitza heute in seinem Wahlkampfbüro auf.
„Mutmacher und Inspirationsquelle für mich“: Dieses Foto von Kurt Pirmann hängt Wosnitza heute in seinem Wahlkampfbüro auf. FOTO: Lutz Fröhlich