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Zweibrücken reagiert auf Kritik von Globus
„Wir sind an Recht und Gesetz gebunden“

FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Stadt ist irritiert über Globus – der Baumarktriese erklärte, Investitionen würden seit Jahren verhindert. Von Mirko Reuther

Es waren acht Worte, die im Zweibrücker Rathaus für Irritationen sorgten. „Seit zehn Jahren werden unsere geplanten Investitionen verhindert“, schrieb Diana Doriguzzi, die Sprecherin des Baumarktriesen Globus, am Montag in einer Pressemitteilung (wir berichteten). Der Baumarkt, der plant, seine Verkaufsfläche in Zweibrücken von 17 700 auf 19 500 Quadratmeter zu erweitern, sieht sich nicht nur der Kritik der Zweibrücker Einzelhändler ausgesetzt. Sondern auch den Forderungen der SGD Süd (Struktur- und Genehmigungsdirektion). Zwar ist der Bebauungsplan „Wilkstraße“ vom Zweibrücker Stadtrat bereits auf den Weg gebracht worden. Weil Globus aber neben der Fläche auch sein Randsortiment im Markt erweitern will, verlangt die SGD neben einem Raumordnungs- auch ein Zielabweichungsverfahren. Da sich dessen Durchführung noch Monate hinziehen könnte, platzte den Verantwortlichen bei Globus nun offenbar der Kragen. Im Zweibrücker Rathaus stieß das auf Unverständnis. Denn insbesondere die Behauptung, Globus-Investitionen würden „seit zehn Jahren verhindert“, konnte durchaus als Vorwurf Richtung Stadt interpretiert werden. „Die SGD Süd ist in ihrem Handeln dem Landesentwicklungsprogramm verpflichtet. Wenn dort entschieden wird, dass ein Zielabweichungsverfahren notwendig ist, hat die Stadt Zweibrücken darauf keinen Einfluss“, sagt Stadtsprecher Heinz Braun. Er ergänzt: „Wir haben den Bebauungsplan auf den Weg gebracht und dachten, einen für beide Seiten tragbaren Weg eingeschlagen zu haben. Ich bin mir nicht sicher, was Globus zu diesen Aussagen bewegt.“ Auch die Feststellung Doriguzzis, Globus habe in Zweibrücken 200 Arbeitsplätze geschaffen, sorgte für Stirnrunzeln. „Natürlich sehen wir, was für ein Wirtschaftsfaktor Globus für Zweibrücken und die Region ist. Aber mit dem Verweis auf Arbeitsplätze kann Globus keine landesweiten Vorgaben außer Kraft setzen. Wir sind an Recht und Gesetz gebunden“, sagt Braun. Dass Zweibrücker Einzelhändler den geplanten Ausbau argwöhnisch betrachteten und der Stadtrat im Vorfeld über die Ausbaupläne diskutiert habe, liege in der Natur der Sache. „Dass Kritik aufkommt, ist normal, wenn sich große Händler ansiedeln oder ausbauen wollen. Das war beim Fashion-Outlet so, das ist nun bei Globus so und das wird bei Möbel Martin genauso sein“, sagt Braun. Er warnt aber auch davor, die Expansionspläne des Baumarktriesen zu verteufeln: „In Sachen Fashion-Outlet sind die schlimmen Prognosen der Kritiker in Sachen Innenstadt nicht wahr geworden.“ Eine größere Herausforderung für die City sei ohnehin der Online-Handel. „Dem müssen sich sowohl Globus als auch der Einzelhandel stellen“, sagt Braun. Er meint, dass die Zweibrücker Innenstadt „immer noch funktioniert“, auch wenn es in diesem Jahr eine „Kumulation an Geschäftsschließungen“ gegeben habe. Dies sei auch ein Problem der hohen Mieten. Braun: „Die meisten Gebäude in der Innenstadt liegen in Privathand. Die Stadt kann hier beratende Funktion einnehmen. Vorschriften machen kann sie nicht.“