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Serie Kitas in Zweibrücken
„Wir lernen täglich voneinander“

Auf der „Zauberwiese“ entdecken die Kinder ihre Welt in verschiedenen Rollenspielen.
Auf der „Zauberwiese“ entdecken die Kinder ihre Welt in verschiedenen Rollenspielen. FOTO: cvw
Zweibrücken. In den Zweibrücker Kindertageseinrichtungen werden die Weichen für den Nachwuchs mitgestellt. Und das überall mit anderen Schwerpunkten und Besonderheiten. In einer Serie stellt der Merkur die rund 20 Einrichtungen in der Rosenstadt vor. Heute: die Kita Abenteuerland. Von Cordula von Waldow

Die Kinder in der städtischen Kita Abenteuerland spielen verteilt in verschiedenen Räumen. In der „Zauberwiese“, dem Raum für Rollenspiele, spielen zwei Jungen gerade Einkaufen. Im Waschraum der „Eishöhle“, in der gebaut und konstruiert wird, hat die Erzieherin eine Wasserstraße aufgebaut, an der die Kinder bei der Sommerhitze vergnügt plantschen. Im unteren Flur vergnügen sich die Mädchen auf dem stehenden Pferd, während die Jungen lieber fahren, radeln, rutschen. Im angrenzenden Bistro stärken sich die Kinder mit kleinen Snacks.

In dem offenen Konzept sind die einzelnen Räume nicht mehr unterschiedlichen Gruppen zugeordnet, sondern als insgesamt zehn „Funktionsräume“ für unterschiedliche Tätigkeiten und Bereiche eingerichtet. „Damit haben viele Kinder gleichzeitig die Möglichkeit sich in einem bestimmten Themenbereich zu beschäftigen, denn unsere Kinder können während des Tages selbst entscheiden, was und wo sie spielen, wie lange sie spielen und mit wem“, erklärt Kita-Leiterin Isabell Ferchel-Probst. Das gilt für die Kleinsten ebenso wie für die Schulstarter-Kinder.

Wie in der Familie helfen die Großen den Kleinen. Die Kleinen schauen sich Fertigkeiten von den Großen ab und lernen von ihnen. Jedes Kind hat dabei einen festen Bezugs-Erzieher, lernt in anderen Räumen jedoch auch die übrigen Erzieher kennen – und diese das Kind. „Das gibt eine facettenreichere Sichtweise auf jedes Kind“, zählt Isabell Ferchel-Probst weitere Vorteile der offenen Arbeit auf. Die großen Flure der im August 2014 eröffneten, größten Kindertagesstätte der Stadt Zweibrücken sind ebenso Spiel- und Lernraum, wie die große Treppe, die ständig unter Aufsicht steht.



Freie Entscheidung haben die Kinder auch in ihren Essenszeiten und der Auswahl. Eine Liste gibt Auskunft, welches Kind bereits gegessen hat und welches unter Umständen auch zum Essen gerufen werden muss, weil es über dem Spiel die Mahlzeit vergisst. Einzig die Unter-Dreijährigen essen vor den übrigen Kindern und gemeinsam

Ein weiteres Merkmal der offenen Arbeit: Die Erzieher wechseln im Monatsrhythmus die Räume, die sie betreuen und bleiben so auch vielseitig. Sie können mit  den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten den Raum jeweils individuell „bespielbar“ machen. Wird bei schönem Wetter auf dem großen, vielfältigen Außengelände gespielt, wählen die Kinder demokratisch über eine Abstimmung mit Legosteinen, welchen Innenraum sie weiterhin geöffnet haben möchten. „Die Lieblingsräume wechseln wöchentlich“, weiß Isabell Ferchel-Probst aus Erfahrung.

Jedes Zimmer hat seinen eigenen Waschraum und es gibt Ruhebereiche. Ein eigener Musikraum, ein Werkraum mit Geräten wie Bohrmaschine, ein Atelier zum Malen und Basteln, eine voll funktionsfähige Kinderküche, ein Bauraum für Kreativität mit unterschiedlichen Materialien bieten Inspiration und Möglichkeiten für jedes Alter. „Unsere Kinder lernen früh, sich auf unterschiedliche Menschen, andere Kinder und Erzieher, einzustellen“, beschreibt die Kita-Leiterin. Wichtig sei, dass sie „Kind sein dürfen“.

In der Kommunikation stellen Kinder fest: „Wo sind meine Stärken und wo muss ich noch üben?“ Aufgabe der Erzieher ist es, die Kinder auch zu „ungeliebten“ Aufgaben zu motivieren. „Wir lernen täglich voneinander“, wissen Isabell Ferchel-Probst und ihr 18-köpfiges Team. Für Vorschulkinder gibt es ein Programm zum Thema Medien und Papier, das einmal wöchentlich auf die Schule vorbereitet. Wichtig ist dem Erzieherteam eine gute Zusammenarbeit mit den Familien. Hierbei werden die Eltern und der Förderverein in den pädagogischen Alltag mit einbezogen, unter anderem bei der Gestaltung der Feste.

Am Sonntag, 16. September, feiert die Kindertagesstätte Abenteuerland ihr fünfjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür von elf bis 14 Uhr.