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Sie glaubt an ihre Schüler
Wie man Klassenhelden macht

 Lisa Reinheimer will Schülern und Eltern Mut machen.      Foto: Nadine Lang
Lisa Reinheimer will Schülern und Eltern Mut machen.     Foto: Nadine Lang FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Die Zweibrückerin Lisa Reinheimer will Kinder mit weniger Druck und mehr Unterstützung der Eltern zu besseren Schülern machen. Mit ihrem Vortrag zu diesem Thema hat sie einen Wettbewerb in Wiesbaden gewonnen. Von Nadine Lang

Lisa Reinheimer ist Lehrerin aus Passion. Bis sie an der Montessori-Schule in Landau, an der sie in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet, eine Anstellung bekam, gab es ein paar andere schulische Stationen für die gebürtige Zweibrückerin. Schon immer war für sie klar, dass Bildung als Schlüssel dafür zu sehen ist, dass Kinder im weiteren Leben eine Perspektive haben. Doch nicht alle Klassen bestehen aus strebsamen Kindern, die ihren Weg zum Abitur in einem Zug gehen.

Eines Tages hatte Lisa Reinheimer eine Berufsfachschul-Klasse, mit Jugendlichen, die durch Noten und ihre bisherige Laufbahn nicht gerade die besten Perspektiven entwickelten. Bei einer Klassenarbeit passierte dann etwas, was Lisa Reinheimer noch heute beschäftigt. Alle verweigerten die Klassenarbeit. Die junge Lehrerin war erst ratlos, doch dann tat sie intuitiv etwas, was bis heute auch ihr eigenes Leben veränderte: sie schrieb den folgenden Spruch an die Tafel: „Es ist nur eine Klausur. Dein Ergebnis – egal ob gut oder schlecht – ändert nichts daran, dass du eine großartige Persönlichkeit bist. Gib dein Bestes. Ich glaub an dich.“

Lisa Reinheimer bekommt beim Erzählen heute noch Gänsehaut, wenn sie daran denkt, was dann passierte. „Und auf einmal haben alle angefangen zu schreiben“, erinnert sie sich. Dieses Schlüsselerlebnis hat ihr gezeigt, dass hinter schulischen Noten so viel mehr steht und Kinder und Jugendliche ihr Potenzial ganz individuell entwickeln können. „Wenn es in der Schule nicht läuft, ist das für Eltern ganz schlimm“, erzählt sie weiter. Besonders Eltern sind es dann, die aus der eigenen Angst, dass ihre Kinder durch die ein oder andere schlechte Note auch in Zukunft „versagen“ könnten, noch mehr Druck aufbauen und Persönlichkeiten und Talente an Noten knüpfen. Dadurch entstehen Glaubenssätze, die Kinder auch ins Erwachsenenalter mitnehmen, etwa „nicht gut genug sein“.



Für Lisa Reinheimer ist es wichtig, dass auch Eltern ihre Einstellung zu diesem System überdenken und stattdessen dort fördern, wo es sinnvoll ist. „Es braucht immer einen Erwachsenen, der an es glaubt, damit aus einem Kind eine Erfolgsgeschichte wird“, ist Lisa Reinheimer überzeugt. Für sie wurde das Thema zur Mission, bei der es ihr um die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern (und Eltern) geht und insbesondere Eltern damit aufzeigen möchte, wie aus jedem Kind ein Klassenheld werden kann.

Aus diesem Ansporn heraus, hat sie „eher ein bisschen spontan“ beim internationalen Speaker-Slam in Wiesbaden teilgenommen und genau dieses Thema angesprochen. In einer Nacht- und Nebelaktion hat sie ihre Rede „Vom Schulversager zum Klassenhelden“ geschrieben, nachdem sie kurz zuvor an einer Fortbildung zu diesem Thema teilgenommen hatte und dadurch auf den Wettbewerb aufmerksam wurde. Das von Hermann Scherer ins Leben gerufene Event will Themen abdecken, die so bunt und abwechslungsreich sind wie das Leben selbst. Eine professionelle Jury wählt unter allen Teilnehmern einen Gewinner aus. In der Jury saßen unter anderem Heinrich Kürzeder, Inhaber der 5-Sterne-Redneragentur, Jörg Rositzke von Hamburg 1 und Sven Gábor Jánsky, Redner und Zukunftsforscher.

Fünf Minuten hatte jeder Teilnehmer zum Vortragen und Mitreißen Zeit, dann wurde das Mikrofon abgedreht. 69 Teilnehmer stellten sich dem Wettbewerb und stellten damit sogar gemeinsam eine Rekord auf, dauerte der Wettbewerb dadurch fast sieben Stunden.

Für Lisa Reinheimer hieß das: Nerven bewahren. Aber ihr war das Thema so wichtig, dass es einfach raus musste. „Ich bin auf die Bühne, weil ich denke, dass das Thema für viele Erwachsene interessant ist“, erklärt sie weiter. Viel erhofft hat sie sich dennoch nicht. Beim Gedanken an die Konkurrenz sah sie ihr Thema eher weiter hinten. Doch Lisa Reinheimer irrte sich gewaltig. Sie gewann den Speaker-Slam. Das hat sie nicht nur mächtig gefreut, sondern treibt sie auch dazu an, mit dem Bloggen weiterzumachen, bei dem sie seit einigen Monaten über diese Themen erzählt und Eltern wertvolle Denkanstöße gibt. Ab Januar soll es dann auch Podcasts zum Thema geben, außerdem denkt sie über Online-Workshops nach.

Zu finden ist das ganze bei Instagram unter @klassenheld oder unter klassenheld.com