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Diskussion im Kulturausschuss
Wie die NS-Zeit in der Stadt aufgearbeitet werden kann

Zweibrücken. „Es ist notwendig und macht Sinn“, kommentierte FDP-Fraktionschefin Ingrid Kaiser die Absicht des städtischen Kulturausschusses, die Zeit des Nationalsozialismus in Zweibrücken aufarbeiten zu wollen. Von Fritz Schäfer

Offen blieb, wie das Thema umgesetzt werden kann. Kaiser hatte bereits in einer früheren Ratssitzung die Frage aufgeworfen. Auslöser sei die „Causa Hans Woelbing“. Der frühere Leiter der Bibliotheca Bipontina hatte sich 1933 aktiv an der Bücherverbrennung in Dortmund beteiligt.

„Die Sache ist kein Einzelfall, dass frühere NS-Funktionäre nach dem Krieg Stellen in der Verwaltung inne hatten“, sagte Kaiser. Deshalb soll die Stadt die Geschichte der NS-Zeit und Folgen in der Nachkriegszeit aufarbeiten. Dazu läge bisher nur das vom damaligen VHS-Leiter Michael Staudt herausgebrachte Buch „Zweibrücken unterm Hakenkreuz“ vor. Derzeit arbeite eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Gertrud Schanne-Raab an der Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter in Zweibrücken.

Kaiser möchte das „komplexe Thema“ nicht allein einem Arbeitskreis überlassen. Einen kleinen Teil der Archivarbeit könnten Schüler übernehmen. Der Komplex könne Thema einer Doktor- oder Magisterarbeit sei. „Unterstützt von der Stadt.“



„Wir haben in der Verwaltung über die Möglichkeit eines entsprechend besetzten Arbeitskreises geredet“, sagte der Beigeordnete Henno Pirmann (SPD). Weiter habe man überlegt, in wie weit die Museumsleiterin Charlotte Glück eingebunden werden könne. Das würde aber nur zu Lasten der Tätigkeit als Museumsleiterin gehen, sagte Pirmann. Über diese Konsequenzen müsse sich der Ausschuss im Klaren sein.

Historikerin Glück sagte, dass sie bereit sei einen Arbeitskreis zu leiten. Mit den von Pirmann genannten Folgen. „Das muss die Verwaltung oder der Stadtrat entscheiden, ob das gewollt ist.“ Sie begrüße zwar die Einbindung von Schülern, wies aber gleichzeitig auf die Schwierigkeit der Archivarbeit hin. „Da können die Schüler nur sehr begrenzt helfen.“ Immerhin gelte es zigtausend Akten aus dem Landes- und Bundesarchiv in Speyer und Berlin zu sichten. In Speyer seien die nur teilweise verschlagwortet.

Ein Doktorand könnte die auf mehr als ein Jahr angelegte Arbeit angehen. „Aber in unserer Nähe gibt es keinen regionalgeschichtlichen Lehrstuhl.“ Da müsse Zweibrücken wie Neustadt mit einer Universität zusammenarbeiten und viel Geld in die Hand nehmen. Landau und Frankenthal hätten das Thema aufgearbeitet. „Aber die haben einen hauptamtlichen Archivar eingestellt, der sich zu 100 Prozent dem Thema gewidmet hat.“ Derzeit sind 25 Prozent von Glücks Arbeitszeit für das Archiv und 75 Prozent für das Museum veranschlagt.

Christina Rauch (CDU) schlug bei dem Thema eine Zusammenarbeit mit dem Bezirksverband Pfalz und mit dem Projekt Demokratie leben vor. Sowohl personell als auch finanziell. „Beim Bezirksverband ist es schwer, ein Thema zu platzieren. Deren Wissenschaftler arbeiten eher an ihren eigenen Themen.“