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Demenzparcours
Wenn die Wahrnehmung schwindet

Anja Lang (links) führt Karin Rana durch den Parcours, zu dem auch ein Koffer mit Erinnerungsstücken gehört.
Anja Lang (links) führt Karin Rana durch den Parcours, zu dem auch ein Koffer mit Erinnerungsstücken gehört. FOTO: Nadine Bröcker
Zweibrücken. Der Demenzparcours im Johann-Hinrich-Wichern-Haus stieß auf großes Interesse und vermittelte viele Einblicke. Von Nadine Bröcker

Haben Sie schon einmal einen Stift in die Hand genommen und versucht, nur durch die Sicht über einen Spiegel eine Sonne zu zeichnen? Oder auf gleiche Art mit Messer und Gabel zu essen? Was sich nach einem Spiel für den Kindergeburtstag anhört, ist für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, bitterer Ernst – und wer eben diese Dinge ausprobiert, wird seine eigene Hilflosigkeit feststellen, wenn die Koordination von Hand und Auge nicht mehr funktioniert.

Genau diesen Selbstversuch durften alle interessierten Besucher in der vergangenen Woche im Johann-Hinrich-Wichern-Haus machen. Wie lebt es sich mit Demenz? Wie bewältigen altersverwirrte Menschen ihren Alltag, obwohl die kognitiven Fähigkeiten zusehends schwinden? Diese Fragen konnten sich Angehörige, Mitarbeiter, aber auch alle anderen Besucher in einem Demenzparcours der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG) beantworten.

Durch diesen führte Anja Lang, examinierte Altenpflegerin und Validationsbeauftragte im Johann-Hinrich-Wichern-Haus. „Es geht darum, Verständnis für Menschen mit Demenz zu schaffen und zu zeigen, wie sich die Wahrnehmung für die Betroffenen verändert und welche Probleme sie tagtäglich haben“, erklärte Anja Lang.



Um dieses Verständnis zu wecken, wurde in dem im Foyer des Altenhilfezentrums aufgebauten Parcours ein typischer Alltag nachempfunden, den die Besucher in mehreren Stationen selbst ausprobieren durften – vom Anziehen am Morgen, zu Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie zum Zubettgehen.

Demenz, fasste Anja Lang zusammen, nehme immer mehr zu und mache vor niemandem halt. „Diese Menschen brauchen Rückhalt“, erklärte sie weiter. Wie sich die Erkrankung äußere, sei in jedem Fall verschieden und nicht alle Erfahrungen, die die Besucher an den Stationen machen durften, müssten eintreten. Aber insgesamt ging es eben auch um das Gefühl, das dann eintritt, wenn der Betroffene feststellen muss, dass die kognitiven Fähigkeiten nicht mehr dem Kopf gehorchen, sei es durch gelesene Buchstaben, die nicht mehr umgesetzt werden können, die Koordination oder das Erinnerungsvermögen. Da ist es wichtig, dass sowohl Betroffene als auch Angehörige eine Anlaufstelle haben.

„Unsere Einrichtung ist auf die Versorgung von Menschen mit Demenz dank einer ganzen Reihe spezialisierter Angebote wie Validationsgruppen und einem Sinnesgarten besonders eingestellt“, sagt Anja Lang, die im Johann-Hinrich-Wichernhaus auch eine Demenz-Sprechstunde für Angehörige anbietet.

Der Demenzparcours stieß auf großes Interesse, und Anja Lang ist sich auch deshalb sicher, dass solch ein Angebot wiederholt wird. Wer sich aber zuvor informieren möchte: Die Demenz-Sprechstunde findet jeden Mittwoch in der Zeit von 12 bis 13 Uhr oder nach Vereinbarung in der Villa Froelich, Jakob-Leyser-Straße 9, statt. Die Angebote sind kostenlos, es wird jedoch um Voranmeldung unter der E-Mailadresse Zweibruecken@lvim-pfalz.de

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