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ACH-Eventhalle
Wer ist Dorothy Parker? – Bervingas liest, Wolf spielt

Silvia Bervingas und Matthias Wolf bei „Geschichten aus New York“.
Silvia Bervingas und Matthias Wolf bei „Geschichten aus New York“. FOTO: Margarete Lehmann
Zweibrücken. (fro) Es ist im Café in der ACH-Eventhalle am Freitag so ein vergnüglicher behaglicher bis unbehaglicher Abend im Gange, wie wir ihn von Silvia Bervingas kennen: Sie liest aus Werken bekannter Schriftsteller, und Matthias Wolf spielt entrückt, lyrisch bis dramatisch, auf seinem Kontrabass Jazz vom Allerschönsten. Von Peter Fromann

Rund 30 Gäste haben sich eingefunden, schlürfen unhörbar ihre Sundowner und lauschen dem eindringlichen Vortrag und den feinen musikalischen Arrangements.

„New Yorker Geschichten“ von Dorothy Parker hat sich Bervingas, Schauspielerin, Regisseurin und Vorleserin, an diesem Abend vorgenommen. In der Einladung zitiert sie, was der britische Autor Sommerset Maugham über Parkers Werk geschrieben hat. „ihr Stil ist leicht, aber nicht nachlässig, kultiviert, aber niemals affektiert. Er ist ein vielseitiges Werkzeug, um ihren vielseitigen Humor zur Geltung zu bringen, ihre Ironie, ihren Sarkasmus, ihre Zärtlichkeit und ihr Pathos“. Viel mehr muss man da nicht sagen. Bervingas selbst findet in Parkers Texten: „Kaum jemand hat wie sie die tiefsten menschlichen Abgründe mit derart leichter Hand zu Papier gebracht“.

In ihren Geschichten und kurzen Texten, meistens bissige Monologe, deren Bissigkeit sie an ganz „kleinen Katastrophen“ aufhängt, findet der Hörer große Wahrheit. Gern ist es ein Fingernagel, dessen Unversehrtheit größte Aufmerksamkeit gehört, bricht er, bricht sogleich auch die Unversehrtheit der Gesellschaft, ja der Welt. Die Trägerin gerät außer Rand und Band, reflektiert von Null bis Tausend, die High Society gerät ins Wanken, ihr Bild gerät zur Persiflage, unerbittlich bis ins Details aufgeschrieben. Ihr Frust und Leid wandeln sich bei den Zuhörern in größtes, auch unbehagliches Amüsement. Parker trifft hier den Nagel auf den Kopf. An anderer Stellt gerät eine Ehefrau durch den Seitensprung des Ehemannes lediglich in reflexlose größte Müdigkeit, während die Geliebte sarkastisch die Freundin des Hauses spielt, kälter geht Zynismus nicht, ein grausames mitleidloses Spiel.



Alles verdichtet die Vorleserin durch ihren Vortrag, trifft immer den richtigen Ton und Ausdruck und findet strikte Aufmerksamkeit. Während Matthias Wolf den Moment abwartet, wo er eingreifen darf und neue Harmonien sucht und findet, ganz lässig und angespannt zugleich, Standards oder nicht, cool oder free, Improvisationen, so stark wie Geschichten. Da bleibt nur starker Beifall.