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Übergriffe auf Ärzte
Wenn der Patient ungemütlich wird

Das Nardini-Klinikum in Zweibrücken.
Das Nardini-Klinikum in Zweibrücken. FOTO: Eric Kolling / pm
Zweibrücken. Auch in Zweibrücken gibt es Übergriffe auf Ärzte. Nardini hat Deeskalationsbeauftragten. Kinderarzt: Aggressiver Ton nimmt zu.

In den Arztpraxen macht sich zunehmend Gewalt breit. Patienten werden häufig ausfällig oder gar handgreiflich. Das beklagte dieser Tage der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. 91 Prozent aller Hausärzte seien schon Opfer von aggressivem Verhalten geworden, auch in den Notaufnahmen der Kliniken werde immer öfter gepöbelt oder gar geprügelt. Die Politik müsse mit härteren Strafen reagieren, so Montgomery (wir berichteten).

Auch in Zweibrücken ist diese Entwicklung zu beobachten, wie eine Umfrage zeigt. Thomas Frank, Sprecher des Nardini-Klinikums, berichtet: „Es gibt eine höhere Anzahl von Patienten, die ungehalten oder gar aggressiv reagiert. Unsere Mitarbeiter werden leider immer häufiger beschimpft und sehen sich Anfeindungen ausgesetzt.“ In erster Linie sei die Notaufnahme betroffen, weniger die Stationen. Es gebe Patienten, die die Notaufnahme aufsuchten und sofort zu einem behandelnden Arzt vorgelassen werden wollten. Aber es gehe nicht darum, was jemand fordere, sondern, was medizinisch geboten sei, betont Frank. Das Nardini-Klinikum wende das „Manchester-Triage-System“ ein, ein standardisiertes Verfahren, das die Behandlungsfälle in einem Raster nach Dringlichkeit ordnet. Vielen Patienten gehe aber das Verständnis dafür ab, wenn es zu Wartezeiten komme, würden einige sofort ungemütlich.

„Es kommt dann zu Diskussionen“, weiß der Klinik-Sprecher. Natürlich bemühe sich das Krankenhaus darum, das Raster, das angelegt wird, „den Patienten zu kommunizieren“. Aber das gelingt eben nur teilweise. Gerade dann, wenn der Betroffene vorher zu tief ins Glas geschaut hat. Betrunkene Patienten seien besonders problematisch, es habe sogar schon Randale in der Notaufnahme gegeben.

„Körperliche Gewalt kommt aber zum Glück nur vereinzelt vor“, merkt Frank an, dass es meist bei Pöbeleien bleibt. Das Zweibrücker Krankenhaus hat mittlerweile einen eigenen „Deeskalationsbeauftragten“, sagt Frank, es handele sich um einen speziell ausgebildeten Mitarbeiter, der bei Problemen zu Rate gezogen werde und auch präventiv helfe.

Auch Kinderarzt Christian Neumann bedauert: „Wir erleben zunehmend einen aggressiven Ton, wenn bestimmte Terminwünsche nicht erfüllt werden.“ Auch, wenn Therapiewünsche nicht erfüllt werden könnten, würden manche Eltern renitent. Neumann würde sich mehr Verständnis wünschen: „Wir sind im Gesundheitswesen dermaßen reguliert, dass wir nicht alle Wünsche erfüllen können.“ Manche Eltern läsen im Internet von Behandlungsmethoden, die sie dann für ihr Kind einforderten – „auch wenn diese Humbug sind“, so Neumann. Würden diese verweigert, reagierten einige ausfallend, bedauert Neumann, der als Pressesprecher des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte verantwortlich zeichnet.



Weniger problematisch sieht Internist Ulrich Gensch das Thema. „Es gibt immer mal wieder Patienten, die ungeduldig werden oder sich gar im Ton vergreifen, wenn etwa das Rezept nicht schnell genug geschrieben wird“ – aber dies seien nur Einzelfälle. Gensch, seit 34 Jahren als Arzt tätig – „vermutlich bin ich der älteste niedergelassene Arzt in Zweibrücken“ – hat beobachtet, dass zumeist seine Mitarbeiterinnen „eine auf den Deckel kriegen“. Vermutlich liege das daran, dass der Respekt vor dem Arzt noch so groß sei, dass manche ihr Mütchen eben an den Arzthelferinnen kühlen wollten. Ulrich Gensch geht hier konsequent vor: „Ich sage den Patienten klar und deutlich: ,Entweder Sie entschuldigen sich sofort – oder Sie können sich einen anderen Arzt suchen!‘“. Zumeist fruchte dies.

Thomas Frank.
Thomas Frank. FOTO: Nardini
Christian Neumann.
Christian Neumann. FOTO: EVKH
Ulrich Gensch.
Ulrich Gensch. FOTO: pm