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Landgestüt Zweibrücken
Weltspitze-Hengst im Dauereinsatz

Züchter Ralf Jünger und Gestütsleiter Alexander Kölsch (von links) mit dem Spitzenhengst Camargo im Landgestüt Zweibrücken.
Züchter Ralf Jünger und Gestütsleiter Alexander Kölsch (von links) mit dem Spitzenhengst Camargo im Landgestüt Zweibrücken. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Camargo, mit Abstand erfolgreichster Landbeschäler und einer der besten Springhengste der Welt, spendet noch bis 24. Oktober im Zweibrücker Landgestüt täglich Sperma. Von Cordula von Waldow

Pferdefreunde, die das derzeit erfolgreichste Springpferd aus Rheinland-Pfalz-Saar einmal persönlich erleben möchten, brauchen in den nächsten drei Wochen lediglich im Landgestüt Zweibrücken vorbeizugehen: Mit ein wenig Glück können sie den zehnjährigen Springhengst Camargo auf dem Paddock oder unter dem Sattel von Andreas Rubly bewundern.

Der vierbeinige Star aus dem Zuchtgebiet ist noch bis Ende Oktober im Landgestüt, damit die dortige EU-Besamungsstation ihre Vorräte an Tiefgefrier-Sperma auffüllen kann. Anfang September gewann der Prämienhengst aus der Zucht und im Besitz der Familie Jünger in Mayen mit dem internationalen Fünf-Sterne-Springen in Spruce Meadows im kanadischen Calgary eines der schwersten Springen der Welt. Die Hindernisse messen über 1,60 Meter Höhe. Damit hat der athletische braune Hannoveraner, der unter dem Sattel seiner ständigen Reiterin, Luciana Diniz, beim CHIO 2018 in Aachen im Fünf-Sterne-Hauptspringen bereits Bronze gewann, endgültig die Weltspitze erobert.

Sein Züchter und Ausbilder, Ralf Jünger, brachte den Hengst am Dienstag aus dem Stall der für Portugal startenden, gebürtigen Portugiesin in Bonn-Wachtberg nach Zweibrücken. Hier wurde er beim Goldenen Herbst 2011 gekört und mit der Staatsprämie ausgezeichnet.



Als Drei- und Vierjähriger sowie als Sechsjähriger war der vierbeinige Spitzensportler bereits im Landgestüt aufgestellt. Als Fünfjährigen ritt ihn Ralf Jünger persönlich im kleinen Finale des Bundeschampionats in Warendorf auf einen Schleifenrang. „Ich habe immer an ihn geglaubt“, sagte sein Züchter strahlend, glücklich über diesen Sensationssieg in Calgary. „Luciana hat ihn ganz auf ihrer Seite. Er tut alles für sie und kämpft mit Löwenmut“, lobt der Züchter den charakterstarken Vererber. Camargos Mutter Fit For Fun komplettierte das kanadische Erfolgswochenende, indem sie am Sonntag in dem mit einer Million Kanadische Dollar dotierten Großen Preis Vierte wurde – ebenfalls unter Luciana Diniz. „Das ist einmalig, dass Mutter und Sohn auf einem der anspruchsvollsten Weltturniere gemeinsam solche Spitzenplätze belegen und das unter derselben Reiterin“, frohlockte Ralf Jünger.

Das aktuell erfolgreichste Springpferd der Welt, die 14-jährige Staatsprämienstute Fit For Fun, kaufte die Familie, die in der Eifel eine Geflügelzucht betreibt, als Fohlen. Camargo war das erste Fohlen der damals vierjährigen Hannoveraner Stute. „Mit hat Canturo gut gefallen. Er war zu der Zeit einer der angesagtesten Springvererber“, begründet der erfolgreiche Hobbyzüchter die Anpaarung „aus dem Bauchgefühl heraus“. Auf der Suche nach der besten Besamungs-Tierärztin kam er zu Dr. Therese Willmen.

Erst nach dem zweiten Fohlen kam die Stute in den Sport und entpuppte sich als Supertalent. „Bei Luciana dürfen die Pferde Pferde sein. Sie werden mit Bedacht und ganz gezielt eingesetzt, erhalten ausreichende Pausen und kommen zwischendurch auf die Koppel“, erklärt der Züchter die Wahl für die Reiterin, die Mitbesitzerin der Stute ist. Außerdem kehre diese am Ende ihrer Karriere in die Jüngersche Zucht zurück.

Aufgrund ihres hervorragenden Managements kann die Weltreiterin ihre Pferde bis rund 20 Jahren im großen Sport erfolgreich präsentieren, begründet er auch deren Verzicht auf die Weltreiterspiele 2018. „Die beiden Pferde sind unverkäuflich“, lehnt Ralf Jünger Anfragen ganz gleich welcher Summe kategorisch ab. Das Management des elterlichen Betriebs sowie die 20 Pferde im Zuchtstall erlaubten ihm nicht, selbst in den ganz großen Sport einzusteigen. „Damit ist kein Geld zu verdienen“, weiß er und beziffert allein die Kosten für Transport und Unterbringung der Pferde in Calgary auf umgerechnet über 60 000 Euro.

Dank seiner internationalen Erfolge wird Camargo auch in der Zucht zunehmend begehrt. „Er hat sehr gutes TG-Sperma“ (Tiefgefrier-Sperma), bestätigt Therese Willmen, die Leiterin der EU-Besamungsstation im Landgestüt, das den Hengst exklusiv vermarktet.

„In diesem Jahr kommen wir mit den internationalen, hochkarätigen Stuten aus Frankreich, Benelux, der Schweiz, Österreich und Großbritannien auf rund 100 Besamungen“, skizziert Gestütsleiter Alexander Kölsch das europaweite Interesse an Camargo-Nachkommen. Die Decktaxe, die in diesem Jahr noch bei 900 Euro lag, wird nächstes Jahr wohl steigen.

Der Hengst wird jetzt täglich auf dem Phantom abgesamt. Am 24. Oktober fährt Ralf Jünger ihn zurück nach Bonn und wenige Tage später begleitet er Luciana Diniz mit beiden Pferden zum Finale der Global Champion Tour mit den 15 anspruchsvollsten Springen der Welt auf Fünf-Sterne-Niveau nach Doha in Katar.

Bereits 2015 siegte Luciana Diniz hier mit Fit For Fun und gewann 2017 Silber, ebenso wie im Großen Preis von Aachen und Calgary. „Wir gehen gemeinsam den Parcours ab und ich kann ihr beim Einreiten noch wertvolle Tipps geben, weil ich die anderen Ritte gesehen habe“, beschreibt er. Ihre Ritte verfolge er zunehmend gelassen. „Bis auf Bruce Meadows. Da war ich schon noch mal sehr nervös“, erinnert er sich. Um so größer waren die Freude und der Jubel, als sie mit dem noch relativ jungen Zuchthengst als Schnellste fehlerfrei die Ziellinie überquerte. Damit ist Camargo der mit Abstand erfolgreichste Landbeschäler und einer der erfolgreichsten Springhengste der Welt.