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Föderung beantragt
Weiter Warten auf Biosphärenprojekt

Die Talaue im Hornbachtal ist idyllisch und bietet unter anderem Wasserbüffeln eine Heimat. Die Tiere locken so manchen Besucher an.
Die Talaue im Hornbachtal ist idyllisch und bietet unter anderem Wasserbüffeln eine Heimat. Die Tiere locken so manchen Besucher an. FOTO: leh / pm
Zweibrücken/Mauschbach. Regionale Bürgermeister und der Nabu haben dem Innenministerium ein Konzept zur „Biosphärenbrücke Naturpark Südwestpfälzer Hügelland“ vorgelegt. Sie möchten gerne anpacken. Doch aus Mainz gibt’s noch keine klare Ansage. Von Eric Kolling

Die Biosphären Bliesgau, Pfälzerwald und Nordvogesen durch unsere Region Südwestpfalz und den Landkreis Pirmasens gezielt verbinden: Mit dieser Idee zur Förderung des sanften Tourismus hatte der Naturschutzbund Nabu im August 2016 im Rahmen des Stadt-Umland-Konzepts für Aufsehen gesorgt. Auch die Mainzer Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner hatte sich für die Idee erwärmt und sich im Rahmen ihrer letztjährigen Sommertour das Monbijou-Gebiet unterhalb des Zweibrücker Flugplatzes und die Talaue im Hornbachtal bei Mauschbach angeschaut. Dort leben Biber, Eisvögel, Wasserbüffel, Hochlandrinder, Wechselkröten und bis zu 24 Libellenarten. Der Hornbach mäandert im ganzen Gebiet völlig frei. Während die Biosphäre Nordvogesen direkt an Bliesgau und Pfälzerwald grenzt, können letztgenannte beide idealerweise durch das Südwestpfälzer Hügelland mit dem Hornbach-, Felsalb- und Schwarzbachtal verbunden werden. Verbindende Rad-, Wander- und Reitwege inbegriffen.

Um das Thema wurde es nach Rößners Besuch in der Region wieder sehr ruhig. Hinter den Kulissen wurde in den Landkreisen Südwestpfalz und Pirmasenser Land fleißig geplant, erklärt der Zweibrücker Nabu-Vorsitzende Gerhard Herz. Ihm zufolge hätten diesen März in Mainz Weichen gestellt werden sollen – so die Ankündigung des Dortmunder Unternehmens ExperConsult letztes Jahr. ExperConsult hatte die Ideensammlung im Rahmen der Stadt-Umland-Strategie moderiert. Um sich zu rüsten, hätten sich in einem ersten praktischen Schritt zehn betroffene Bürgermeister in einer Arbeitsgruppe unter Leitung der Kleinsteinhauser Amtsinhaberin Martina Wagner und des Nabu zusammengetan. Sie erarbeiteten eine Stellungnahme, die die Vorzüge der geplanten, grenzüberschreitenden und damit europaweit bedeutsamen „Biosphärenbrücke Naturpark Südwestpfälzer Hügelland“ nebst den umliegenden Orten herausarbeitet. Herz selbst sei zu diesem Zweck viele Wanderwege in besagtem Gebiet, von Kirkel bis Waldfischbach und von Blieskastel bis Eppenbrunn abgelaufen.

Am 11. Juli habe man das Konzept ans zuständige Mainzer Innenministerium geschickt. Eine Antwort stehe noch aus. Umso erstaunlicher sei das, da man von anderer Seite erfahren habe, dass im Haus von Roger Lewentz (SPD) im Juli über eine Mittelvergabe für förderfähige Projekte entschieden werden sollte.



Joachim Winkler, der Sprecher besagten Ministeriums, sagt auf Merkur-Anfrage, dass der Vorschlag einer Biosphärenbrücke als Teil des Stadt-Umland-Papiers Zweibrücken vorliege, aber noch weitere Gespräche mit den kommunal Verantwortlichen vor Ort nötig seien. „Daher kann derzeit noch keine Bewertung von Seiten des MdL abgegeben werden, zumal bei einzelnen Vorschlägen wie beispielsweise der sogenannten Biosphärenbrücke die Zuständigkeit anderer Ressorts betroffen sind.“ Denn mögliche Fördermittel dafür könnten vielleicht aus dem Umwelt- anstatt aus dem Innenministerium kommen.

Unterstützung aus Berlin wird indes noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Auf Nachfrage erklärt Tabea Rößner, die auch nach der Bundestagswahl wieder Mitglied des Bundestags ist, sich in der neuen Legislaturperiode des Themas annehmen zu wollen. „Momentan ist nicht klar, wie eine neue Bundesregierung aussieht und wie sie sich aufstellt. Unabhängig davon werde ich mich für die Biosphärenbrücke einsetzen und schauen, welche Bundesmittel für das Projekt zur Verfügung stehen“, erklärt die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete. Mit Fortschritten rechnen kann man also wohl erst ab Beginn 2018. Indes sei Rößner auch im Gespräch mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken. Sie lobt das Engagement der Nabu-Gruppe. „Der Einsatz für die Biosphärenbrücke zeigt, dass die Menschen wissen, was sie an diesem einzigartigen Stück Natur haben“, ergänzt die Bundestagsabgeordnete.

Naturschützer Gerhard Herz.
Naturschützer Gerhard Herz. FOTO: pm
Hier geht’s lang: Das Naturschutzgebiet Monbijou  besticht durch seine Pflanzenvielfalt. Hier wachsen auch Orchideen.
Hier geht’s lang: Das Naturschutzgebiet Monbijou  besticht durch seine Pflanzenvielfalt. Hier wachsen auch Orchideen. FOTO: voj/pma / voj