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Souliges Weihnachten
Souliges Weihnachten in der Festhalle

  Moderator Ron Williams (im roten Sakko) sah man seine 76 Jahre kein Stück an. Er sang sogar ein Duett mit Daria Biancardi – und betätigte sich als Kabarettist.
Moderator Ron Williams (im roten Sakko) sah man seine 76 Jahre kein Stück an. Er sang sogar ein Duett mit Daria Biancardi – und betätigte sich als Kabarettist. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Die „Sweet Soul X-mas Revue“ begeisterte mit einem Mix aus Weihnachtsflair, Soulmusik – und sogar politischem Kabarett. Von Sebastian Dingler

Es war nicht in allen Ankündigungen zu finden und sorgte somit für eine Überraschung: Die Moderation der „Sweet Soul X-mas Revue“ übernahm der in den Achtzigern und Neunzigern als Fernsehmoderator bekannte Ron Williams. Das mache er schon seit zehn Jahren, erzählte der sympathische US-Amerikaner nach der Veranstaltung gegenüber dem Merkur. In der gut besuchten Festhalle betätigte er sich zunächst als politischer Kabarettist: Als er nach Deutschland kam, erzählte er, habe er zum ersten Mal das Konzept von Knecht Ruprecht kennengelernt. Das habe er damals eigenartig gefunden, doch heute könne er der Figur mehr abgewinnen. Knecht Ruprecht möge doch bitte mal in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington vorbeischauen, da stünde ein weißes Haus, das er kaum verfehlen könne, darin wohne ein böses Kind, das bestraft werden müsse. Mit der Anspielung auf Donald Trump hatte er die Lacher natürlich auf seiner Seite. Unglaublich, dass Williams schon 1961 nach Deutschland kam – auch mit seinen 76 Jahren wirkte der Afro-Amerikaner noch sehr jugendlich.

Den ersten Song der Show übernahm er dann selbst mit dem alten Ray Charles-Titel „Help Us All“. Das Konzept der Show beinhaltete neben der hervorragenden Band (Leitung Robert Ahl) den variablen Einsatz der drei Hauptsängerinnen Silvia Dias, Laeh Jones und Daria Biancardi, der vier Sänger Jimmy James, Edward Wade, Derrick Alexander und Daniel Stoyanov sowie der Backgroundsängerinnen Caroline Mhlanga und Susanne Czech, die teilweise auch solo singen durften. Somit war der Weg frei für Duette oder „Boygroup“-Formationen, die es ja auch schon zu Zeiten des legendären Soul-Labels Motown gab. Den ersten Hit, Mariah Careys unvermeidliches „All I Want for Christmas“ sang Laeh Jones, die doch tatsächlich in Detroit geboren wurde – dort, wo eben auch Motown seinen Sitz hatte.

Ganz woanders, nämlich in Portugal, hat Silvia Dias ihre Wurzeln. Sie übernahm praktisch die Rolle von Whitney Houston: typischer R’n’B-Gesang mit vielen Ornamenten und Tongirlanden, dabei trotz unglaublicher Höhen sehr präzise. Daria Biancardi, die in Italien bei einer Castingshow bis ins Finale gekommen war, verlegte sich mehr auf die „Soul-Röhre“, also einen Klang in Richtung Aretha Franklin. Alle drei ernteten großen Applaus; bei den Männern verdienten sich Edward Wade als James Brown-Imitator und Derrick Alexander als Allrounder den meisten Beifall. Zwischendurch sorgte Moderator Williams immer wieder für spannende Infos: Etwa bei der rührenden Geschichte, wie Robert May, der Erfinder der Figur Rudolph the Red Nosed Reindeer seine Rechte daran früh verkaufte, am Erfolg somit kaum teilhatte – die Rechte aber in einem Happy End zurückgeschenkt bekam.



So ganz eng wurde das Motto Weihnachten nicht gesehen, das tat aber keinen Abbruch bei Songs wie „Bridge Over Troubled Water“ oder dem schnellen „Shout“, mit dem am Ende die Festhalle richtig auf Trab gebracht wurde. Sängerin Caroline Mhlanga befand am Ende, es sei eine tolle Stimmung gewesen, die Leute hätten super mitgemacht.