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Nawi Zweibrücken klärt auf
War Neil Armstrong nie im Weltall?

 Zum Jubiläum des Naturwissenschaftlichen Vereins ist im Audimax eine Ausstellung zu sehen, die an den 50. Geburtstag der Mondlandung erinnert. Referent Thomas Eversberg (rechts, mit weißem Hemd) diskutierte vor dem Vortrag mit den Besuchern.
Zum Jubiläum des Naturwissenschaftlichen Vereins ist im Audimax eine Ausstellung zu sehen, die an den 50. Geburtstag der Mondlandung erinnert. Referent Thomas Eversberg (rechts, mit weißem Hemd) diskutierte vor dem Vortrag mit den Besuchern. FOTO: Susanne Lilischkis
Zweibrücken. Astrophysiker Thomas Eversberg untersuchte auf Einladung des  Naturwissenschaftlichen Vereins zu Zweibrücken bei seinem Vortrag im Audimax der Hochschule die zahlreichen Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung. Von Susanne Lilischkis

Die Mondlandung jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. Der Naturwissenschaftliche Verein zu Zweibrücken (Nawi) kann auf 20 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Aus diesem Anlass zeigt der Nawi noch bis zum 20. Juni im Audimax der Hochschule eine Ausstellung, die an das Apollo-Programm der Amerikaner erinnert. Neben Schautafeln und 3-D-Modellen ist auch der Original-Funkverkehr der Apollo 11 Mission zu hören.

Die Ausstellung wurde ursprünglich von Prof. Peter Pokrowski zusammengestellt und nun neu von Rainer Lilischkis aufbereitet – auch in Erinnerung an den langjährigen und inzwischen verstorbenen Vorsitzenden des Nawi. Die Bilder der Apollo Missionen stimmten die Besucher auf den Vortrag von Thomas Eversberg, Astrophysiker am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt, ein. Er fragte: „Waren wir wirklich auf dem Mond?“ Denn trotz zahlreicher Bilder, Filme und Tondokumente gibt es immer noch Menschen, die glauben, dass die Mondlandung eine große Inszenierung der Amerikaner gewesen sei. Thomas Eversberg trat an, das zu entkräften. Und so prüfte er genau die Argumente der Verschwörungstheoretiker.

Argument eins lautet: Auf den Fotos der Mondlandung sind keine Sterne zu sehen. Das liege an den Belichtungszeiten der analogen Kameras, informierte Eversberg. Die Fotografie in relativer Dunkelheit sei damals sehr schwer gewesen, anders als heute, wo man mit jedem Smartphone gute Bilder im Finsteren machen kann.



Auch Unstimmigkeiten bei den Schatten, die manche Personen ausgemacht haben wollen, sind laut Eversberg schnell erklärt – verschieden lange Schatten können etwas mit der Unebenheit des Bodens zu tun haben.

Andere Verschwörungstheoretiker beziehen sich auf Fadenkreuze, die bei manchen Mondaufnahmen auf mysteriöse Weise verschwinden oder scheinbar vom fotografierten Objekt überdeckt werden. „Das liegt an der Überbelichtung“, informierte der Referent, „sehr feine Fadenkreuze werden von hellen Objekten überstrahlt. Astronomen haben einen Namen dafür: Kontrastproblem. Das ist übrigens ein Riesenproblem bei der Suche nach Exoplaneten“, also eines Planeten außerhalb des Einflusses der Sonne, aber innerhalb des gravitativen Einflusses eines anderen Sterns.

Manche Bilder der Mondlandung, die im Internet zu sehen sind, seien im Format JPG abgespeichert, das die Bilder komprimiert und nicht verlustfrei arbeitet. Wer Originalaufnahmen in hoher Auflösung sehen wolle, sollte zur Webseite der Nasa gehen. Dort wären für jedermann zahlreiche Fotos frei einsehbar.

Die schwebenden Bewegungen der Astronauten auf dem Mond sind nicht der geringen Schwerkraft geschuldet, sondern wurden in Zeitlupe gedreht, lautet eine weitere wilde Theorie. Thomas Eversberg bewies, dass man auf der Erde aus dem Stand nicht so hoch springen könne, wie die im Film gezeigten Astronauten. Und er zeigte den angeblich verlangsamten Film dann in der angenommenen Originalgeschwindigkeit, was die Zuschauer stark an die alten „Väter der Klamotte“-Filme erinnerte.

Manche Verschwörungstheoretiker verlassen sich nicht auf die Auswertung des Original-Materials, sie fälschen gleich selbst – so geschehen bei einer Filmsequenz, in der Astronaut Dave Scott Galileis Experiment mit der Fallgeschwindigkeit eines Hammers und einer Feder auf dem Mond nachstellte. „Auf dem gefälschten Film im Internet fallen Hammer und Feder viel zu schnell. Das ist böser Wille, jede Wissenschaft wird damit diskreditiert“, sagte Eversberg, „Behauptungen kann man leicht aufstellen, der Gegenbeweis ist mühsam.“

Auch dass die Wissenschaft noch heute Experimente mit den auf dem Mond installierten Messeinrichtungen macht, wollen manche Leute nicht glauben. Thomas Eversberg verwies in diesem Zusammenhang auf das Lunar Laser Ranging Experiment, das eine millimetergenaue Abstandsmessung von Mond und Erde ermöglicht: „Da hat man festgestellt, der Mond entfernt sich von der Erde jedes Jahr um ein paar Zentimeter.“

Angesichts der Fülle von Verschwörungstheorien, nicht nur im Bezug auf die Mondlandung, zitierte der Referent am Ende seines Vortrages Immanuel Kant: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“