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Investor überrascht Bauausschuss mit neuem Plan
Wäldchen am Park-Areal droht Rodung

 Das Gelände der Park-Brauerei grenzt direkt an die Innenstadt. Im oberen Teil des Areals steht ein Wäldchen (auf dem Bild im Ansatz zu erkennen).
Das Gelände der Park-Brauerei grenzt direkt an die Innenstadt. Im oberen Teil des Areals steht ein Wäldchen (auf dem Bild im Ansatz zu erkennen). FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken. Investor stellte gestern Abend im Bauausschuss neuen Plan für Bebauung vor. Gremium sorgt sich um Baumbestand. Von Mathias Schneck

Das Wäldchen oberhalb des alten Park-Areals in Zweibrücken sorgte gestern Abend für viele kritische Fragen im Bauausschuss. Denn jetzt könnte es doch so kommen, dass die alten Bäume dort gerodet werden. Investor Manfred Schenk stellte dem Gremium überarbeitete Pläne für das Areal vor.

Dezernent Henno Pirmann leitete die Bauausschuss-Sitzung diesmal übrigens in einem Besprechungsraum des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken); Pirmann dankte dem UBZ dafür, dass dieser den Raum zur Verfügung gestellt habe. Grund sei, so der Dezernent, dass „nach dem Rathaussturm“ der Zweibrücker Narren der Ratssaal im Rathaus, in dem die städtischen Gremien üblicherweise tagen, derzeit noch nicht „verwendbar“ sei.

Manfred Schenk erläuterte dem Gremium, warum er das Park-Areal nun auf andere Weise planen möchte. An ihn sei „der Wunsch herangetragen worden“ auf dem rund zwei Hektar großen Gebiet zusätzlich 30 Wohnungen anzubieten, in denen Pflegepersonal beziehungsweise Angehörige von zu pflegenden Personen untergebracht werden könnten. Hintergrund: Auf dem Park-Gelände sollen künftig im unteren Bereich betreutes Wohnen, eine Pflegeeinrichtung, ein Hotel der Victor’s-Gruppe und weitere Dienstleistungen untergebracht werden, im oberen Bereich sollen Mehr- und Einfamilienhäuser entstehen (wir berichteten mehrfach); nun sollen im oberen Bereich noch besagte 30 Wohnungen entstehen.



Aufgrund dieses Wunsches habe er das Projekt „überarbeitet“. Der neue Abschnitt, in dem die 30 Wohnungen gebaut werden sollen, müsse, „um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein“, mit in den Bebauungsplan aufgenommen werden, er wolle das alles „bereits im ersten Bauabschnitt realisieren, um „spätere Verzögerungen“ zu verhindern, so Schenk. Hiervon berührt sei auch das „kleine Wäldchen“ oberhalb des Park-Geländes. Dieses werde mit einbezogen.

Gertrud Schiller (CDU) fragte, was das denn genau bedeute? Schenk antwortete, das Wäldchen solle gerodet und bebaut werden.

Norbert Pohlmann (Grüne) zeigte sich irritiert. Ursprünglich habe der Investor erklärt, das Park-Wäldchen mit großer Sensibilität zu behandeln. „Nun rutscht der Bebauungsplan nach oben“, sagte Pohlmann. Das Projekt des Pirmasenser Investors sei ja grundsätzlich gutzuheißen, aber dass nun „wertvolle alte Bäume“ fallen sollten, die möglicherweise „für geschützte Tiere Brutplätze“ bieten, das behage ihm nicht, so Pohlmann. Das Wäldchen sei zudem „ein Sauerstoff-Reservoir“ für die Stadt, es sei bezüglich seiner Bedeutung und der dort angesiedelten Tiere „noch gar nicht untersucht worden“. Pohlmann sagte, er sei „enttäuscht“ darüber, dass nun eine Rodung erfolgen soll.

Peter Schönborn (SPD) pflichtete bei und erinnerte Schenk an seine Worte bei der Vorstellung des Projekt 2018 im Stadtrat: „Sie haben letztes Jahr gesagt, dass Sie auf die Bäume Rücksicht nehmen!“

Auch Kurt Dettweiler (FWG), der, wie das gesamte Gremium, die Pläne Schenks grundsätzlich begrüßt, meinte, das sei doch ein „sehr sensibles Thema“.

Schenk sagte, ein Gutachten, das den Baumbestand und dort lebende Tiere in dem Wäldchen untersuche, sei in Arbeit. Dieses Gutachten müsse vorgelegt werden, Transparenz sei folglich gewährleistet. Der Pirmasenser: „Es gibt eine Offenlegung, jeder kann dann seine Bedenken äußern.“ Schenk widersprach Auffassungen, das Wäldchen weise einen alten Baumbestand auf. Dass Bäume aus der Gründerzeit der Parkbrauerei dort stünden, sei eine irrige Annahme, die Bäume seien „nicht älter als 60 Jahre“, das habe ihm der zuständige Revierförster Theodor Ringeisen bereits bestätigt.

Aber natürlich werde es auf keinen Fall „voreilig“ oder „überhastet“ eine Rodung geben. Ohnehin sei die Stadt am Ruder. „Sie werden das als Verwaltung abwägen, nicht ich“, merkte Schenk an, dass das Rathaus hier das letzte Wort habe.

Evelyne Cleemann (CDU) räumte ein, sie habe das Wäldchen oberhalb des Park-Areals noch nie persönlich in Augenschein genommen, sicher gehe es auch anderen im Bauausschuss so; sie regte einen gemeinsamen Ortstermin mit dem Investor an. Schenk sagte zu, mit den Lokalpolitikern einmal das Wäldchen aufzusuchen.

Da der Bauausschuss den Planungen Schenks, das Park-Gelände aus dem Dornröschenschlaf zu küssen, grundsätzlich positiv gegenüber steht, wurden schließlich entsprechende Beschlüsse gefasst: Die bisherigen Aufstellungsbeschlüsse werden geändert, ferner wird es eine frühzeitige Beteiligung der Bürger an dem Verfahren geben. Die Beschlüsse fasste der Bauausschuss einstimmig.

Im Anschluss stimmte das Gremium Zielabweichungsverfahren für die Erweiterungspläne von Globus (Baumarkt) und Möbel Martin zu; die Stadt, heißt es in den ebenfalls einstimmig befassten Beschlüssen, die der Genehmigungsbehörde SGD zugehen werden, begrüße die Pläne mit Blick auf die Versorgung der Bürger und den Erhalt von Arbeitsplätzen. ⇥> Bericht folgt