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Pferde-Experte
VOX-Pferdeprofi Alex Madl heilt Problempferde im Landgestüt

Alex Madl half im Landgestüt auch bei schweren Fällen.
Alex Madl half im Landgestüt auch bei schweren Fällen. FOTO: cvw
Zweibrücken. Von Cordula von Waldow

Albassin, der spanische PRE-Hengst, stand an der Hand von Joanna Weber in der Reithalle des Zweibrücker Landgestüt und wirkte seltsam teilnahmslos. „Er hat nach einer OP vier Monate in der Klinik gestanden und zeigt auch jetzt auf der Koppel gar keine Lebensfreude. Er steht und starrt in den Wald“, erklärt die 18-jährige Besitzerin unglücklich. Von Pferdeflüsterer Alex Madl, bekannt aus der VOX-Serie „Pferdeprofis“ erhofft sie sich, den zwölfjährigen Spanier wieder zu aktivieren.

Am Knotenhalfter an der Hand ließ Madl ihn über Bodenstangen traben. Hektisch entzog sich der Wallach, galoppierte oder rannte. In kleinen Kreisen beruhigte ihn der Profi, ließ ihn erst im Schritt und dann im Trab die Stangen überqueren. Als Madl ihn weiter korrigierte, verweigerte er sich plötzlich, stand wie festgewurzelt vor der Stange und hob keinen Huf. „Das hat nichts mit der Stange zu tun. So ist es auch oft beim Verladen in den Hänger – es ist eine Dominanzanfrage“, erklärte der Fachmann den fast 60 Zuschauern, die trotz Eiseskälte von ihm lernen wollten. Mit zehn unterschiedlichen Probanden erhielten sie einen umfassenden Überblick über Probleme und deren Lösung.

Mit Geduld und Konsequenz brachte Madl Albassin dazu, langsam und überlegend, Huf für Huf über die Stangen zu treten. Wie abwesend, schien das Pferd Mühe zu haben, seine Beine zu kontrollieren. „So ist mir das viel lieber. Jetzt denkt er einmal darüber nach, was er eigentlich tut“, kommentierte der Trainer. Und richtig, dem Wallach schien der Kopf zu rauchen. Dann hatte er es verstanden und ließ sich auch von Joanna leicht und flüssig über die Stangen leiten. Bei der anschließenden Freiarbeit erklärte und demonstrierte ihr Madl, wie sie ihr Pferd an sich binden und zur Kooperation einladen kann. Dessen veränderte Präsenz war für die Zuschauer deutlich zu erkennen. „Der braucht jetzt Bewegung und eine Aufgabe. Dann habt Ihr noch zehn Jahre Spaß mit ihm“, schätzt der Pferdeprofi und löste damit bei Joanna Freudentränen aus.



Ganz begeistert waren auch Christine und Thorsten Eisinger aus der Nähe von Stuttgart. Mit ihrem polnischen Warmblut Irek hatten sie einen „Menschenhasser“ vor dem Abdecker gerettet. Der große Wallach hatte gelernt, an der Longe gegen seinen Menschen zu kämpfen und schlug mehrfach aus. Alex Madl ließ ihn frei und trotz einiger Keiler beruhigte sich der Wallach. Am zweiten Tag folgte er bereits seinem Besitzer und zeigte sich freundlich und kooperationswillig.

Der Pferdeprofi demonstrierte an jedem Pferd, wie eine gekonnte Stimulation des unteren Halsmuskels das Pferd dazu einlädt, entspannt den Hals fallen zu lassen. „Das holt ihn aus dem Stress. Der braucht neben Dir nicht wachsam zu sein, sondern darf dir vertrauen, dass alles gut ist“, erklärte er der Besitzerin Tanja Becker. Mit dem Raschelstock zeigte er ihr, wie sie ihren vierjährigen Wallach Tex aktivieren kann. „Erst schnalzen, dann laut rascheln und Stock sofort senken, sobald er läuft“, kommandierte Alex Madl. Wichtig sei, das Pferd über die Stockverstärkung an die Reaktion rein auf das Schnalzen zu programmieren, ohne es durch permanenten Druck abzustumpfen. So vorbereitet, ließ sich das junge Pferd auch leichter reiten, stellte die Westernreiterin am Sonntag bei der Arbeit unter dem Sattel fest. „Er ist viel lockerer vorwärts gelaufen“, strahlte sie. Was sie am meisten beeindruckte, waren die deutlichen Fortschritte, die sich bei jedem der zehn Pferde zeigten. Besonders toll fand sie Ireks Entwicklung. „Der war samstags ja noch ein wirkliches Problempferd, der sich sonntags bereits in der Freiarbeit so zum Menschen orientiert hat und mit sich super hat arbeiten lassen“, staunte die Reifenbergerin. Ihr Fazit: „Also es lohnt sich wirklich und ich würde beim nächsten Mal sehr gerne wieder dabei sein“, sagte sie in Richtung der Organisatorin, Pamela Stretz-Weber aus Thaleischweiler.