| 23:11 Uhr

Letzte Veranstaltung unter Regie von Bipontina-Leiterin Sigrid Hubert-Reichling
Helmut Reichling erzählt „Erschröckliches über den Weltenlauf“

Helmut Reichling verriet auch, dass er seine Frau in der Bibliotheca Bipontina kennengelernt habe.
Helmut Reichling verriet auch, dass er seine Frau in der Bibliotheca Bipontina kennengelernt habe. FOTO: Margarethe Lehmann / Margarete Lehmann
Zweibrücken. Helmut Reichling sprach in rappelvoller Bibliotheca Bipontina über Fabelwesen und die Ängste vor Kometen. Von Peter Fromann

Die Bibliotheca Bipontina war am Donnerstagabend restlos überbesucht: Professor Helmut Reichling sprach über Kometen und Fabelwesen und über die Ängste, die sie gemeinhin auslösen oder auslösten. Gleich zu Beginn konstatierte der Ex-Oberbürgermeister: „Zu allen Zeiten war die Reaktion der Menschen auf derart außergewöhnliche Dinge und Erscheinungen gleich: Das lehrt die Verhaltensforschung“, die ja unter anderem sein Lehrfach ist.

Dann ging‘s auch gleich medias in res. Die „erschröckliche Himmelserscheinung eines Kometen“, so Reichling, löste früher existentielle Ängste aus und wurde immer mit einem geschichtsträchtigen Ereignis in Zusammenhang gebracht: Cäsars Ermordung begleitend oder Oktavians Vergöttlichung Cäsars, wie Oktavian den Kometen deutete, und so gab er gleich mal eine Münze heraus mit der Inschrift Divus Julius, göttlicher Julius. Aufmerksam zu hörten auch eine stattliche Anzahl Studenten Reichlings, die sich ihre Anwesenheit gleich testieren ließen. Reichling verriet am Ende des Vortrags, dass er seine Frau Sigrid in der Bipontina kennengelernt habe und überreicht einen Blumenstrauß. Für Sigrid Hubert-Reichling war es die letzte Veranstaltung, sie ist ab Dezember im Ruhestand (wir berichteten). Einen überdimensionierten Weihnachtskaktus überreichte ihr Werner Euskirchen als Dank für hilfreichen Beistand in Vereins- und Forschungsfragen. Ein turbulenter Schluss also, zu dem ein Schlückchen Sekt gehörte. Doch vor diesen eigentlich Marginalien gab es noch viel mehr Kometen, und immer wieder fanden die Menschen große, meistens schreckliche Ereignisse, die der Komet angeblich mit seinem Erscheinen vorhersagte. Schon mehrmals sollte die Welt untergehen. Schöne eindringliche Bücher und Bilder aus dem Bestand der Bipontina untermalten des Kometen Erscheinen. Reichling ist ein Meister der Rede, so ganz nebenbei streute er Wunderlichkeiten unter die Rede, leicht Satirisches und seine Zweifel an der obwaltenden Jungfräulichkeit, die schon auf der roten Liste stünde. Dann ging‘s noch den Drachen und Schlangen und Kraken an den Kragen. Er entkleidete sie jeglicher Ungeheuerlichkeit, als Jägerlatein; auch jede Angst gebiert Giganten. Dem Einhorn widmete er eine Hommage, es sei ein Bild voller Reinheit und Keuschheit, es gibt kein Einhorn oder, es gibt es doch, auf jeden Fall hat es keine Gelenke und schläft an einen Baum gelehnt, sägt man den Baum ab, fällt das Einhorn um und verliert seine Reinheit. Er habe aber ein Einhorn letztens gesehen, sagte jemand, allerdings habe er an dem Abend vier Gläser Wein getrunken.