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Roland Paul
Vortrag über das Leiden jüdischer Kinder im Dritten Reich

Zweibrücken. Gut 60 interessierte Bürger waren in den Zweibrücker Herzogsaal gekommen, um zu hören, was Roland Paul, langjähriger Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, in seinem Vortrag über das Schicksal jüdischer Kinder und Jugendlicher in der Pfalz nach 1933 zu sagen weiß. Von Peter Fromann

Wie war das Miteinander mit gleichaltrigen christlichen Schülerinnen und Schülern in den Volksschulen und in den höheren Klassen? Wie erlebten sie die Pogrome im November 1938?

Der Referent, der seit den 1980er Jahren zahlreiche Gespräche mit Überlebenden, vor allem auch in den USA geführt hat, berichtet über Kinder, die 1938/39 von ihren Eltern mit Kindertransporten nach England und Frankreich geschickt wurden und solche, die mit ihren Familien in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert wurden, versteckt und gerettet werden konnten oder deren Leben in den Konzentrationslagern im Osten endete.

Wenigen gelang es, auf verschlungenen Wegen, mit Hilfe mutiger Familien oder Einzelpersonen ihr Leben zu retten, indem sie nach Amerika auswanderten, vor allem die, die bereits ausgewanderte Familienangehörige in Amerika besaßen. Eine deutsche Familie aus Kaiserslautern, die in Amerika durch die Erfindung des Puzzle zu Geld gekommen war, schaffte es, über 100 Verwandte und Freunde 1939 und später noch nach Amerika zu holen. Kinder wurden 1938 und 39 in Sonderzügen nach Belgien und Frankreich transportiert, dort im Lager Gurs interniert. Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden am frühen Morgen 6504 badische, pfälzische und saarländische Juden von den Nazis festgenommen, in Züge verfrachtet und in das Internierungslager Gurs, deportiert. Die Lebensumstände dort waren schrecklich. „Mit dieser verbrecherischen Aktion wurde das jüdische Leben in der Pfalz und im Saarland ausgelöscht“, berichtete Paul. So wurden bei seinem Vortrag die Schrecken des Krieges noch einmal laut – auch Zweibrücken war daran aktiv beteiligt.



Das Buch „Zweibrücken unter dem Hakenkreuz, Stationen jüdischen Leben“, listet Einzelschicksale auf. Oder: Roland Paul: „Geschichte der Juden in der Pfalz 1940-1945“.