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Warnungen vor Katastrophen
Vorerst heulen keine Sirenen auf

„Katwarn“ heißt eine App, die vor nahenden Unwettern und Katastrophen warnen soll. Sie überzeugt das Zweibrücker Ordnungsamt aber nicht.
„Katwarn“ heißt eine App, die vor nahenden Unwettern und Katastrophen warnen soll. Sie überzeugt das Zweibrücker Ordnungsamt aber nicht. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Zweibrücken. Beratungsbüro prüft im Auftrag der Stadt, wo Warnmelder installiert werden sollten. Gesamtkosten dürften maximal rund 100 000 Euro betragen. Das Ordnungsamt ist nicht von der Alternative, der App „Katwarn“, überzeugt. Von Mathias Schneck

Dieser Sommer ist ein Sommer der Extreme. Wochenlange brütende Hitze wird immer wieder durchbrochen von kurzen, aber gewaltigen Unwettern. Jüngst am Sonntag, als in Zweibrücken und der Region urplötzlich gewaltige Wassermassen und Hagel niedergingen. Wie kann eine Kommune ihre Bürger vor solchen Unwettern warnen? Eine Möglichkeit bietet die Handy-App „Katwarn“. Wie der Name abgekürzt schon sagt, soll dieses System die Nutzer von Smartphones vor Katastrophen warnen. Doch sind das Ordnungsamt der Stadt Zweibrücken und die Feuerwehr der Rosenstadt nicht überzeugt von der Effektivität von „Katwarn“. Das machten Klaus Stefaniak, Leiter des Ordnungsamtes und Frank Theisinger, Chef der Feuerwehr in Zweibrücken, im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.

„Katwarn“ hinke in Sachen Schnelligkeit hinter dem Warnsystem des Bundes, das den Namen „Nina“ trägt, hinterher, sagte Stefaniak. Dazu komme, dass „Katwarn“ eine recht kostspielige Angelegenheit sei. So werde für die teilnehmende Kommune einmalig eine Gebühr in Höhe von 10 000 bis 15 000 Euro fällig, wobei das Land davon rund 6000 Euro übernehme. Es liefen ferner jährliche Kosten von 3500 Euro auf, dazu werde für den Versand von SMS, mit denen die Bürger gewarnt würden, zusätzlich Geld verlangt – und zwar zwölf Cent pro SMS, die die Kommune zu zahlen habe.

Feuerwehr-Chef Theisinger sagte, „Nina“, das Warnsystem des Bundes, sei deshalb schneller, weil es auf einer anderen Prioritäten-Stufe basiere. Theisinger nannte ein Beispiel: „Wenn in Cattenom ein Störfall passiert, wird die Warnmeldung von ,Nina’ sofort von allen Fernsehsendern ausgestrahlt – egal, ob das private oder öffentlich-rechtliche Fernsehsender sind, ,Katwarn’ leistet das nicht.“



Einen Aspekt gelte es aber sowohl für „Nina“ wie auch für „Katwarn“ zu bedenken: Zwar sind – laut der Landesregierung in Mainz – mehrere hunderttausend Bürger bei der Warn-App „Katwarn“ registriert, zahlreiche Bürger würden zudem zusätzlich „Nina“ nutzen – allerdings ist die Zahl der Bürger im Land (insgesamt gut vier Millionen), die weder die eine App, noch die andere nutzen, deutlich größer. Das heiße, selbst mit beiden Apps erreiche man einen Großteil der Bevölkerung nicht, geben Stefaniak und Theisinger zu bedenken.

Beide sind deshalb der Auffassung, dass es sinnvoll sei, auf „klassische“ Technik zurückzugreifen – nämlich Sirenen, die im Fall der Fälle aufheulen und damit die Bürger vor Hochwasser, Großbränden, Chemieunfällen oder sogar Anschlägen warnen.

Allerdings ist die Sache mit den Sirenen auch nicht so einfach. Ordnungsamts-Chef Stefaniak weist daraufhin, dass die Sirenen, die in früheren Jahren in der Rosenstadt für den Ernstfall bereit standen, hoffnungslos veraltet sind. Tatsächlich hatte der Hauptausschuss bereits im vergangenen September in einer Sitzung dazu diskutiert. In der Stadt Zweibrücken selbst funktioniert keine einzige der alten Sirenen mehr, die letzte Sirene hier habe auf dem Dach der Alten Feuerwache gestanden. Nach dem Abriss dieses Gebäudes sei diese Sirene zwar aufbewahrt worden, aber da sie mittlerweile rund 50 Jahre alt sei, müsse ein Fachmann prüfen, ob sie überhaupt noch imstande sei, ordentlich aufzuheulen.

„Die alten Sirenen basieren auf analoger Technik, das ist inzwischen veraltet, heutzutage läuft alles digital“, verdeutliche Stadtfeuerwehr-Inspekteur Frank Theisinger.

Und wie lange dauert es, bis in der Rosenstadt wieder Sirenen zum Einsatz kommen können? Stefaniak sagte, derzeit prüfe ein Planungsbüro, wo überall Sirenen in Zweibrücken aufgestellt werden müssen, damit die Bürger flächendeckend gewarnt werden können. Der Ordnungsamts-Chef rechnet damit, dass dafür (inklusive der Vororte) acht bis zehn Sirenen erforderlich sein werden. Eine Sirene müsse voraussichtlich mit bis zu 10 000 Euro veranschlagt werden, so dass maximal rund 100 000 Euro investiert werden müssen. Wie lange das Planungsbüro für seine Untersuchungen braucht, konnte Stefaniak nicht sagen.

In der Sitzung des Hauptausschusses im vergangenen September hatte Stefaniak aber bereits Entwarnung bezüglich der (noch) nicht vorhandenen Sirenen gegeben. Im Ernstfall könnten die Bürger bereits heute sehr zügig gewarnt werden: nämlich durch Fahrzeuge mit einer Lautsprecher-Anlage sowie über das Radio.

Klaus Stefaniak, Leiter des 
Zweibrücker 
Ordungsamtes.
Klaus Stefaniak, Leiter des Zweibrücker Ordungsamtes. FOTO: voj / Jörg Jacobi
Frank Theisinger, Chef der Zweibrücker Feuerwehr.
Frank Theisinger, Chef der Zweibrücker Feuerwehr. FOTO: nos / Norbert Schwarz, Bildjournalist,