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Serie Einer von uns
Vom Klavier auf die Kanzel

 Der Hornbacher Pfarrer Daniel Seel hat über Umwege zum Glauben und ins Pfarrhaus gefunden.
Der Hornbacher Pfarrer Daniel Seel hat über Umwege zum Glauben und ins Pfarrhaus gefunden. FOTO: cvw
Hornbach. Daniel Seel ist Pfarrer in Hornbach und studierter Pianist. Von Cordula von Waldow

„Seit ich Pfarrer bin, habe ich auch wieder viel mehr Lust auf Musik. Jetzt bin ich richtig angekommen“, sagt Daniel Seel. Der Hornbacher Geistliche ist eine spannende Persönlichkeit: Der gebürtige Saarländer hat Musik studiert, unter anderem in Korea, dort seine Ehefrau, die Muskerin Yeon-Joo Lee, kennen- und lieben gelernt, am dortigen „Havard der Musik“, der Seoul National University, Klavier und Komposition gelehrt, Theologie studiert und ist jetzt glücklich als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Hornbach-Brenschelbach. Doch der Reihe nach.

1970 in Saarbrücken geboren und im Saarland aufgewachsen, entdeckte Daniel Seel sein Talent für die Musik bereits früh. Mit fünf Jahren eingeschult, wanderte er in kurzen Abständen zu immer besseren Klavierlehrern, bis er mit 15 Jahren als Schüler des Karlsruher Professors Günter Reinholt  endgültig beschloss: Ich werde Berufspianist.

Als Vor-Student während des Abiturs und im Studium, widmete sich der zielstrebige junge Mann sowohl der Klassik als auch der zeitgenössischen, Neuen Musik, gefördert von Walter Zimmermann. Durch den Meister der Neuzeit in der französischen Musik, den er in Paris kennen lernte, bewegen sich seine eigenen, vielfältigen Kompositionen in diesem Bereich. Koreanische Kommilitonen brachten ihn mit der traditionellen Musik des asiatischen Staates in Berührung. Bald beschloss er, sein Auslandsjahr, das der hoch begabte Musiker als Stipendiat der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ absolvieren sollte, in Korea zu verbringen, wo er bereits Kontakte mit bedeutenden Komponisten und Musikern pflegte.



„Als Ausländer bin ich am musikalischen Harvard in Korea angenommen worden“, sagt der 48-Jährige mit spürbarem Stolz. In diesem Jahr lernte er auch seine Ehefrau  kennen und kehrte 1998 mit ihr gemeinsam nach Deutschland zurück, um seine Studien zu vollenden.

Anschließend machte sich Daniel Seel als frei schaffender Musiker und Komponist selbstständig. 1999 wurde Sohn Jacob geboren und mit ihm begann die große Auseinandersetzung mit theologischen Fragen. „Ich bin katholisch aufgewachsen und mit 18 Jahren aus der katholischen  Kirche ausgetreten. Doch zehn Jahre später haben mich Glaubensfragen tief bewegt“, erinnert sich Daniel Seel.

Unzufrieden mit der „Prostitution“ als Berufsmusiker und ständig auf der Suche nach der Erfüllung, entschied er sich für ein Theologiestudium mit dem Ziel, Seelsorger zu werden. Gemäß seinem Lebensmotto „Was ich mache, mache ich ganz“ studierte er  in möglichst kurzer Zeit Vollzeit an der Universität in Mainz, arbeitete parallel als Musiker, um Geld für die Familie mit mittlerweile zwei Kindern zu verdienen. „Ohne deren Unterstützung, inklusive meiner Eltern und Schwiegereltern, hätte ich das nie geschafft.“

Seine persönlichen Erfahrungen mit Gott und Jesus Christus an andere Menschen weiter geben ist das Anliegen des evangelischen Pfarrers, der seit zwei Jahren als Gemeindepfarrer in Hornbach-Brenschelbach arbeitet. „Bei uns trifft sich eine Vielzahl von Glaubensrichtungen und-Ausrichtungen“, weiß er. Sein Anliegen: „Auch Zweiflern die Tür offen zu halten, ihnen mit Verständnis begegnen und Impulse für ein Vertrauensverhältnis zu setzen“ – zum Pfarrer und zu Gott.

Die Musik ist für Daniel Seel, der privat jetzt wieder viel mehr Freude am Musizieren und Komponieren hat, denn als Berufsmusiker, eine Art „Schmiermittel“: Menschen über die Musik für die Kirche interessieren und Gläubige für Musik begeistern. „Ich setze gerne alle meine Fähigkeiten ein“, sagt er und lächelt glücklich. Gemeindearbeit hat mit Gemeinschaft zu tun. Ein Musiker und Komponist verbringe viel Zeit allein mit seinem Instrument und seinen Noten, ein Gemeindepfarrer gemeinsam mit seinen Gläubigen, Zweiflern, Suchenden. „Das genieße ich. Ich habe schon alle Phasen durchlaufen in meinem Leben.“