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Serie Angekommen in der Fremde
Vom Kerker zum Zweibrücker Elektroniker

Kiros Tesfay (28) macht jetzt eine Ausbildung in einer Elektromontagefirma.
Kiros Tesfay (28) macht jetzt eine Ausbildung in einer Elektromontagefirma. FOTO: Ruth Reimertshofer
Zweibrücken. Wie ein Flüchtling aus Eritrea in der Pfalz eine neue Heimat gefunden hat. Kiros Tesfay ist den Deutschen sehr dankbar. Von Ruth Reimertshofer

Pures Glück strahlt aus den Augen des 28-jährigen Kiros Tesfay. Nicht nur, weil er es nach schwieriger Flucht nach Deutschland geschafft hat: Seit September 2017 hat er einen Ausbildungsvertrag zum Elektroniker für Gebäudetechnik in einer Zweibrücker Elektromontagefirma. „Die Arbeit und die Schule machen mir viel Spaß und ich habe eine berufliche Perspektive und für mein Leben.“

1989 im Süden Eritreas an der Grenze zu Äthiopien in einer Familie von Bauern geboren, wächst Kiros Tesfay mit seinen drei Geschwistern auf dem Land auf. „Wir hatten Kühe, Esel, Schafe und Hunde, eine ganz normale Familie und konnten uns von unserer Arbeit auf den Feldern ernähren“. Der junge Kiros besuchte zwölf Jahre die Schule, wovon das letzte Jahr eine militärische Ausbildung beinhaltet. Es schlossen sich zwei Jahre auf einem Marine-College an. „Die politische Lage in Eritrea verschlechterte sich zunehmend, die Diktatur an der Macht unterdrückt die Menschen, der Geheimdienst ist überall, alle haben Angst.“ Sein Vater starb früh, und als Kiros Tesfay seiner Mutter in der Regenzeit half die Ernte einzubringen, wurde er verhaftet. „Ich wurde sofort ins Gefängnis gesteckt“. Bei einem späteren Fluchtversuch, wurde Kiros aufgegriffen und war insgesamt in fünf verschiedenen Gefängnissen eingekerkert. „Man muss dort barfuß sein, es wird brutal geschlagen und gefoltert, die Gefängnisse sind unter der Erde, ohne Heizung und Wasser und nachts wurden wir auf dem Boden aneinander gekettet, damit niemand fliehen konnte.“

2015 gelang Kiros zu Fuß die Flucht in den Sudan. Seine Familie, von der einige Verwandte in den USA leben, sammelte das nötige Geld für die gefährliche Fahrt auf einem Pickup sechs Tage ohne Wasser und Nahrung durch die Wüste nach Libyen und die Weiterfahrt nach Europa. In Libyen kam Kiros Tesfay wieder ins Gefängnis, eingepfercht in einer großen Halle mit etwa 1500 Menschen, später gegen Geld auf ein kleines Schlauchboot mit 200 Personen an Bord. Die libysche Grenzpolizei brachte das Boot zurück an Land und erst beim zweiten Versuch gelang die Überfahrt nach Süditalien, von wo er nach Verona gebracht wurde. Aus Mailand kam er im August 2015 nach München. Mit Hilfe von Bekannten und Freunden der Familie ging es weiter. Wenige Stunden später „ stand ich total begeistert im Frankfurter Bahnhof“. In Gießen meldete er sich bei der Flüchtlingsaufnahme und wurde nach Trier überstellt und dann der Gemeinde Donsieders zugewiesen, wo der engagierte Ortsbürgermeister Peter Spitzer sich für die Integration der zugewanderten Neubürger einsetzt. Kiros arbeitete einige Monate in einem Ein-Euro-Job für die Gemeinde, besuchte einen ehrenamtlich geleiteten Sprachkurs, erhielt zwischenzeitlich eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis und 2017 erfüllte sich der Traum seiner langen gefährlichen Flucht: eine Ausbildungsstelle, die ihm eine Zukunft ermöglicht. Mit glücklichem Lächeln im Gesicht, sagt Kiros Tesfay noch: „Ich bedanke mich bei allen Deutschen!“