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Geburtstagskonzert
Vom Dudelsack zum Jazz-Standard

Zum Abschluss des Jubiläumskonzerts spielte die Jazzcombo der Musikwerkstatt.
Zum Abschluss des Jubiläumskonzerts spielte die Jazzcombo der Musikwerkstatt. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Die Zweibrücker Musikwerkstatt hat ihren fünften Geburtstag mit einem Konzert gefeiert. Von Sebastian Dingler

Als sich vor fünf Jahren die Musikwerkstatt als Gesellschaft zusammenschloss, waren es zunächst sechs Lehrer und 100 Musikschüler, die in den Räumlichkeiten in Niederauerbach unterrichtet wurden. Jetzt freut sich die Musikschule über 14 Lehrer und 200 Schüler.

„Die räumlichen Kapazitäten reichen gerade noch so aus“, erzählte Geschäftsführer und Saxofonlehrer Thomas Girard am Rande des Jubiläumskonzert in der Himmelsbergkapelle. Unterrichtet werden gängige Instrumente wie Klavier, Geige, Schlagzeug, Akkordeon, Gitarre, Saxophon oder Klarinette. Aber auch Exotisches wie Dudelsack oder Ukulele kann dort erlernt werden.

Etwa 40 Schüler zeigten am Samstagnachmittag, was sie in der Musikwerkstatt gelernt haben. Das fing tatsächlich mit mittelalterlicher Dudelsack-Musik an und endete mit einer Jazzband. Zwischendurch zeigte Galina Schmidt mit drei ganz jungen Kindern von der musikalischen Früherziehung, dass das Musizieren auch in diesem Alter schon Spaß macht. Herzerquickend selbstbewusst sang die sechsjährige Sophia zwei Lieder von Rolf Zuckowski, das setzte dem unterhaltsamen Konzert ein erstes Highlight.



Virtuos wurde es vor allem, wenn die Lehrer der Musikwerkstatt selbst zum Instrument griffen, etwa als Geigerin Yu-Shan Lee ihr Können unter Beweis stellte. Begleitet von Klavierlehrer Helmut Hofmann spielte sie zwei anspruchsvolle Stücke des taiwanischen Komponisten Tyzen Hsiao. Nicht weniger virtuos, aber auch ziemlich experimentell gestaltete sich Gitarrenlehrer Daniel Clemens’ Version von Rihannas „Please Don’t Stop the Music“.

Auf unterschiedliche Weise überzeugten Girards Saxofonschüler Christoph Schneider und Nick Bücklein: Ersterer pflegte einen angerauten Ton, der sehr gut zum coolen Jazz-Stück „Minnie the Moocher“ passte, letzterer spielte sehr sauber die Ballade „Up Where We Belong“ und solierte ansprechend zu Stevie Wonders „Isn’t she Lovely“. Danach kam der Auftritt von Lisa-Marie Papa, die seit einem Jahr Gesangsunterricht bei Sebastian Weber nimmt. „Safe and Sound“ hieß der Taylor Swift-Song, den sie sehr gekonnt interpretierte.

„Sebastian Weber ist als Lehrer sehr gut, lustig und locker, er hat mir sehr viel gebracht. Ich muss aber noch an der Atmung arbeiten“, sagte die 24-Jährige, die digitales Mediendesign studiert. Weber begleitete den Song nicht nur, er moderierte auch sehr kurzweilig und mit viel Schwung das ganze Konzert.

Den Abschluss machte die Jazzband „Double Bass“, deren Name sich nicht etwa vom englischen Wort für Kontrabass herleitet, sondern damit zu tun hat, dass sich dort zwei Bassisten abwechseln. Der in unserer Region bekannte Jazzpianist Jürgen Schmidt leitet das Quartett und schreibt auch die Arrangements, wie etwa zu den Titeln „Autumn Leaves“ und „Stolen Moments“. Alle zwei Wochen probt die Band, die in dieser Besetzung seit drei Jahren existiert, aber offen ist für weitere Musiker. Pianist Manfred Brill erhält zusätzlichen Einzelunterricht von Schmidt und erzählte: „Ich habe als Kind Klavier gelernt, wollte aber schon immer Jazz spielen. Ich hatte zwischendurch aufgehört und dann ein Seminar Klavier für Wiedereinsteiger besucht. Der erste Wunsch von allen war: Ich möchte mal ohne Noten spielen! Da wollte ich dranbleiben.“ Jetzt beherrscht er die Jazz-Improvisation schon so gut, dass sein Lehrer meinte: „Was wir da machen, ist Maniküre. Er ist ja schon so weit, da geht es nur um Kleinigkeiten.“