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Zweibrücken/Kathmandu
Viel gelernt, viel erlebt

Nepal faszinierte Anne Hapke auch mit seinen Tempeln.
Nepal faszinierte Anne Hapke auch mit seinen Tempeln. FOTO: privat
Zweibrücken/Kathmandu. Die Zweibrücker Medizinstudentin Anne Hapke war sechs Wochen als Praktikantin in Nepal.

„Meine Reise ist ganz anders verlaufen, als ich sie geplant hatte“, berichtet Anne Hapke. Die 23-jährige Medizinstudentin aus Zweibrücken war Ende August zu einer gut sechswöchigen Famulatur, einem Praktikum, nach Nepal aufgebrochen. „Ich habe mir erst mal ein Hotel gebucht und möchte dann in ein Kloster in Kirtipur umziehen, um das buddhistische Leben dort zu studieren und mit den Nonnen zu meditieren“, hatte sie geplant.

Doch die Begegnung mit der Wirtsfamilie in ihrem kleinen, nach allen Seiten offenen Hotel am Rande der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu war wie ein Nachhause-Kommen in den Familienkreis. „Sie haben mich aufgenommen wie eine Tochter. Ich habe mich nie allein gefühlt oder Sorge wegen irgend etwas gehabt“, sagt die junge Frau strahlend. Bikesh, der 30-jährige Sohn, hatte zehn Jahre in Deutschland studiert, ein Jahr davon sogar in Saarbrücken. Er arbeitet jetzt bei der Deutschen Botschaft in Kathmandu und Anne Hapke fand dort gleich mehrere Freundinnen. „Er hat mir so viel gezeigt und mich in das Leben in Nepal eingeweiht“, berichtet die Medizinstudentin von Erlebnissen und Einblicken, die kein Tourist habe. Und von langen, philosophischen Gesprächen, auch über den Buddhismus. „Diese Sichtweise auf das Leben berührt mich sehr“, stellte sie fest. Die Nonnen im Kloster erlaubten ihr, mit zu meditieren.

Die Medizinstudentin im achten Semester erlebte eine intensive Aus- und Weiterbildung an der Klinik mit „Ärzte ohne Grenzen“ mit einheimischen und internationalen Medizinern in Katmandu. Sie hatte die Famulatur in Nepal gewählt, um sich dort in den Bereich „Hauttransplantation nach Verbrennungen“ einzuarbeiten. „Ich habe sehr viel erklärt bekommen, durfte überall dabei sein und konnte mir aussuchen, in welcher Abteilung ich mit auf Visite ging“, berichtet sie. Sie erlebte nicht nur Kaiserschnitte als Assistentin. „Ich durfte von Anfang an mit an den OP-Tisch, Wunden ver- und sogar im mikroskopischen Bereich Nerven zusammen nähen, nicht nur Hilfsdienste leisten“, berichtet sie.



Das intensivste Erlebnis hatte sie als erste und einzige Assistenz des operierenden Professors bei einer Fingeroperation und Hauttransplantation. „Bei uns würde man das Thema mit künstlichen Hilfsmitteln anders lösten“, hat sie zwischenzeitlich bei ihrem Professor in Göttingen erfahren, doch auch die Methode, mit der körpereigenen Haut zu heilen, findet in Deutschland ab und zu Anwendung.

Erste Begegnung machte Anna Hapke auch mit dem Tod. Sie erzählt: „Es sind auch Patienten gestorben, die ich mit behandelt habe, weil ihr Körper das Ausmaß der Hautverbrennungen nicht mehr heilen konnte.“ Dann erwischte die schlanke Deutsche selbst einen Parasiten über verunreinigtes Wasser. Bikesh brachte sie allerdings in das Krankenhaus der Deutschen Botschaft, in dem andere hygienische Bedingungen herrschten.

Nach einem Tag mit Infusionen konnte sich Anne Hapke sogar ihren Traum erfüllen: Ein Treck in den Himalaya, gemeinsam mit Bikesh und Christina, einer der Freundinnen aus der Botschaft. „Es war einfach überwältigend“, schwärmt die „Camp-Ärztin“, die die kleine Gruppe vor allem mit Magnesium versorgte. „Am ersten Tag sind wir allein 3200 Treppenstufen gestiegen“, beschreibt sie die viertägige Tour auf den Poon-Berg in 3500 Metern Höhe. Fernab der Zivilisation, in der bombastischen Bergwelt mit Wasserfällen, Regenbögen, vom Erdrutsch oder Wassermassen verschütteten Wegen, fand sie auch einen anderen Zugang zu sich selbst – mit ein Grund für ihre Reise nach Nepal.

Nach einem tränenreichen Abschied, besonders von der Wirtsfamilie, lebt sie sich mit dem neuen Semesterbeginn langsam in Deutschland wieder ein. Eine Rückkehr nach Nepal als Ärztin hält sie durchaus für möglich. Doch zunächst stehe jetzt die Doktorarbeit an. Außerdem überlegt die reiselustige Studentin, ob sie im Rahmen des Erasmus-Programms noch ein Auslandssemster absolviert. „Finnland reizt mich schon lange“, sagt sie träumerisch.

Medizinstudentin Anne Hapke durfte dem Professor assistieren.
Medizinstudentin Anne Hapke durfte dem Professor assistieren. FOTO: privat / privst