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Volkshochschule Zweibrücken
Große Probleme bei der Volkshochschule

 An einzelnen Tagen war die VHS-Geschäftsstelle (in der Berufsschule untergebracht, Bild) wegen des hohen Krankenstands überhaupt nicht mehr besetzt.
An einzelnen Tagen war die VHS-Geschäftsstelle (in der Berufsschule untergebracht, Bild) wegen des hohen Krankenstands überhaupt nicht mehr besetzt. FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Wegen vieler Krankmeldungen gibt es bei der VHS Zweibrücken einen Abrechnungsstau. Deshalb konnten zum Herbstsemester keine neuen Integrationskurse starten. Wegen VHS-interner Querelen gibt es ein Mediationsverfahren. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Die Volkshochschule Zweibrücken (VHS) hat erhebliche Personalprobleme – und kann infolgedessen derzeit keine neuen Integrationskurse anbieten. Die VHS hat sowohl mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand als auch internen Querelen zu kämpfen.

Dass es ein Problem mit den Integrationskursen gibt, erfuhr der Merkur am 27. August: Im Migrationsbeirat informierte die stellvertretende Vorsitzende Ruth Reimertshofer: „Es gibt Schwierigkeiten bei der Durchführung der Integrationskurse.“ Im öffentlichen Teil nannte Reimertshofer keine Details, betonte aber: „Diese Kurse sind die zentrale Säule der Integrationsarbeit in unserer Stadt, vor allem wegen der Sprachfähigkeit – wir müssen sehen, dass diese Säule funktionsfähig bleibt.“ Auf Merkur-Nachfrage ergänzte Reimertshofer: „Es gibt im zweiten Halbjahr an der VHS keine neuen Integrationskurse.“ Da es sich um VHS-interne Gründe handele, wolle sie hierzu keine weiteren Details nennen.

VHS-Leiterin Melani Nekic hat eine unmittelbar nach der Beiratssitzung gestellte Merkur-Anfrage bis jetzt nicht beantwortet. Diese Woche nun wurden unserer Zeitung Vorwürfe zugetragen, dass es bei der Volkshochschule tieferliegende Probleme gebe: Die VHS sei „seit Monaten lahmgelegt“, es gebe sehr viele Krankheitsfälle, an manchen Tagen sei „von fünf Kräften keine anwesend“, sodass die VHS dann telefonisch oder persönlich nicht mehr erreichbar sei, was auch generell Kurs-Anmeldungen erschwere. Bis Anfang September habe sich „ein Betrag von 200 000 Euro an nicht erfolgten Abrechnungen angehäuft“, laut Bamf (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) dürften deshalb dieses Jahr keine Integrationskurse mehr angeboten werden. „Ständige Querelen untereinander und mit Vorgesetzten“, sorgten für „Chaos“.



Weitere Merkur-Recherchen können zwar nicht jedes Detail dieser Behauptungen bestätigen oder widerlegen – die Stadtverwaltung macht auf Anfrage aber kein Geheimnis daraus, dass es derzeit tatsächlich Probleme bei der VHS gibt – an deren Behebung aber intensiv gearbeitet werde.

Die VHS ist ans städtische Kultur- und Verkehrsamt angegliedert. Amtsleiter Thilo Huble sagte, es gebe in der Tat „einen gewissen Stau von Abrechnungen“. Dieser beziehe sich allein auf die Integrationskurse – infolge des erhöhten Krankenstands sei die VHS noch dabei, Rechnungen für Kurse aus den Jahren 2018 und 2019 an das Bamf zu schreiben. Zwar gehe es „um Gelder, die uns vom Bamf zustehen“ – aber es gebe auch „Vorgaben, bis wann abgerechnet sein muss“. Deshalb habe die Stadt „im Sommer im Dialog mit dem Bamf“ gestanden und sich auf die Lösung geeinigt, dass die VHS erst einmal den Abrechnungsstau abarbeite, bevor sie wieder neue Integrationskurse anbietet.

Die VHS habe neben Leiterin Nekic fünf Mitarbeiterinnen. „Es gab den einen oder anderen krankheitsbedingten Ausfall“, sagt Huble, mit einer halben zusätzlichen Stelle habe man gegengesteuert. Huble bestätigt auch, dass es Tage gab, an denen die VHS-Geschäftsstelle krankheits- und urlaubsbedingt komplett verwaist war, „das sind aber Einzelfälle“. Gab es Querelen, die womöglich zu dem erhöhten Krankenstand beitragen? „Die Personalsituation möchte ich nicht in der Zeitung diskutieren“, antwortet Huble, betont aber: „Insgesamt ist die Situation bei der VHS im Fokus der Amtsleitung, aller beteiligten Ämter und der Stadtspitze.“ Abgesehen von den Integrationskursen „sollte der normale VHS-Betrieb meines Wissens normal laufen“. Wegen der Krankheiten arbeite nun eine zusätzliche Halbtagskraft bei der VHS.

Weitere Detailfragen ließ Huble durch den Stadtsprecher beantworten. Heinz Braun sagt: „Bis zum 30. Oktober sollen die Abrechnungen mit dem Bamf gemacht sein“, danach seien wieder neue Integrationskurse geplant. Ob und eine wie lange Warteschlange es bei der VHS gebe, sei ihm nicht bekannt – er gehe aber davon aus, dass andere Integrationskurs-Anbieter in Zweibrücken die Lücke füllen. (Laut Bamf sind dies: Internationaler Bund IB, Christliches Jugenddorf CJD Homburg und Datey Eyrich GmbH aus Ramstein.) Stadt und VHS wollten aber, dass die VHS auf jeden Fall wieder eigene Integrationskurse anbietet, betont Braun. Im ersten Halbjahr 2019 habe es bei der VHS noch 17 Integrationskurse gebeten, so Braun – 15 davon seien nun beendet oder endeten im laufenden Halbjahr.

Die Frage, wie hoch der prozentuelle Krankenstand dieses Jahr bei der VHS und der Stadt insgesamt ist, beantwortet Braun „aus Datenschutzgründen“ nicht, „weil die VHS so wenige Mitarbeiter hat“. Der Stadtsprecher räumt aber ein: „Im Moment ist der Krankenstand bei der VHS relativ hoch.“ Braun bestätigt Merkur-Informationen, dass es bei der VHS eine Mediation gebe, um interne Probleme zu lösen.

Wie hoch der Abrechnungs-Rückstand mit dem Bamf genau ist und maximal war, kann Braun wegen der angespannten Personalsituation bei der VHS derzeit nicht sagen, „aber wir gehen von einer fünfstelligen Summe aus“.

Der städtische Personalratsvorsitzende Matthias Freyler bestätigt einen hohen Krankenstand bei der VHS. Er sei aber „guter Dinge“, dass die Abrechnungsprobleme mit dem Bamf bald gelöst sein werden. Generell sei es in Verwaltungen oft schwierig, längerfristige Krankheitsfälle durch Vertretungen auszugleichen, weil „Sachbearbeiter meist sehr spezielle Tätigkeiten haben, sodass man nicht 1:1 ersetzbar ist“, dies betreffe konkret auch die Bamf-Abrechnungen. Die Stadtverwaltung habe Maßnahmen ergriffen, die der Personalrat mitgetragen habe, verweist Freyler unter anderem auf die von Huble erwähnte personelle Verstärkung. „Stadtvorstand, Amtsleitung und VHS-Mitarbeiter haben sehr konstruktiv nach Lösungen gesucht.“ Es gebe viel Lob für die gute Arbeit der VHS und ihrer Mitarbeiterinnen.

Integrationsbeirats-Vizechefin Reimertshofer hebt die Bedeutung der VHS-Integrationskurse hervor: Sie erleichterten nicht nur Geflüchteten, sondern auch anderen Ausländern wesentlich die Integration in Zweibrücken. Die „hervorragende Arbeit der VHS“ befähige Menschen, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen; neben klassischen Integrations- habe die VHS sogar einen speziellen Berufsreife-Kurs und einen B2-Techniksprachkurs angeboten.