| 22:10 Uhr

Landgericht Zweibrücken
Bowle-Abend unter drei Freunden endete blutig

 Was ein gemütlicher Bowle-Abend werden sollte, artete gewaltig aus. (Symbolbild)
Was ein gemütlicher Bowle-Abend werden sollte, artete gewaltig aus. (Symbolbild) FOTO: dpa-tmn / Franziska Gabbert
Zweibrücken. Beweisaufnahme im Prozess um versuchten Totschlag. Nachbarin der angeklagten 42-jährigen Zweibrückerin berichten: Keine Woche ohne Streitigkeiten.

„Wir wollten an dem Tag bei meiner Freundin eigentlich nur eine Bowle trinken und waren vorher einkaufen“, sagte gestern ein 66-Jähriger vorm Landgericht Zweibrücken aus. Am Ende des Tages soll die 42-jährige Freundin laut Anklage ihn und einen weiteren Mann verletzt haben, weswegen nun wegen versuchten Totschlags verhandelt wird.

Am zweiten Prozesstag, waren die Zuschauerränge im Gerichtssaal voll besetzt, wohl weil einige Prozessbeteiligte nicht ganz unbekannt in Zweibrücken sind.

„Der Bekannte wollte in Abwesenheit meiner Freundin die Getränke wieder mitnehmen, da hatte sie bei ihrer Rückkehr was dagegen.“ Dann sei irgendwann alles aus dem Ruder gelaufen schilderte der 66-Jährige, der wie die 42-Jährige unter Betreuung steht. Er konnte die Abfolge der Ereignisse nur schwierig und in einer etwas verworrenen, zusammenhanglosen, eher skurril wirkenden Schilderung, wiedergeben. Dabei kam es ihm vor allem darauf an, wiederholt zu betonen, wie gut seine Freundin Bowle zubereiten könne, wie sehr er sie jetzt bedauere, sie immer schützen wolle und sich auf künftige Unternehmungen mit ihr freue.



Letztlich kristallisierte sich bei der eingehenden Befragung durch die Kammer heraus, dass die Angeklagte sowohl ihn am Rücken leicht, als auch den 57-Jährigen Bekannten am Hals schwer verletzte. Der 66-Jährige zeigte jedoch Verständnis für ihre Wut an dem Tag, und er habe selbst Angst vor dem Bekannten gehabt.

Die 42-Jährige ehemalige Schauspielschülerin zeigte dazu auf der Anklagebank keine Emotionen, unterhielt sich ab und zu mit ihrem Verteidiger und machte sich Notizen. „Sie hat auch Angst vor ihm gehabt“, betonte ihr 66-jähriger Freund. „Sie könnte mich auch verletzt haben, wollte es aber nicht“, sei er überzeugt. Er bedauere ihre Tat und schilderte, wie sie mit einer Glasscherbe dem 57-jährigen in den Hals gestochen habe. Beide Mäner hätten dann über den Balkon fliehen können, ohne dass dort jemand, wie von der Verteidigung vermutet, in ein Glas gestürzt sei.

Der Freund verließ nach seiner Anhörung emotional aufgewühlt und weinend den Gerichtssaal, nicht ohne sich von der Angeklagten mit einem erwiderten Zuwinken und guten Wünschen zu verabschieden.

Der an dem Abend schwer verletzte 57-Jährige folgte seiner Ladung vors Landgericht nicht. Auch eine angeordnete polizeiliche Vorführung blieb gestern ohne Erfolg, da er an keiner Adresse oder bekannten Aufenthaltsorten anzutreffen war.

Der Betreuer der Angeklagten bescheinigt ihr ein ambivalentes Verhalten gegenüber dem 57-jährigen Opfer. Er habe von einer Beziehung abgeraten. Der Mann habe versucht, die Angeklagte, die recht vermögend ist und sowohl Immobilien als auch ein erhebliches Barvermögen besitzt, auszunutzen. Trotz ständiger Streitigkeiten, mit der Folge eines Hausverbotes durch den Vermieter, habe sie ihn immer wieder in ihre Wohnung gelassen. „Sie konnte nicht ohne ihn und mit ihm schon gar nicht“, so die Schlussfolgerung des Betreuers, der seiner Mandantin eine 70-prozentige Schwerbehinderung infolge einer psychischen Störung und einem Abhängigkeitsleiden bescheinigte. Die Betreuung selbst sei bisher besser gelaufen, als er es sich bei der Übernahme 2015 habe vorstellen können.

Als Zeugin wurde auch eine 82-jährige Mitbewohnerin des Hauses angehört, die dem Gericht schilderte, dass fast keine Woche im Haus ohne lauten Streit in der Wohnung der Angeklagten vergangen sei. Konkret habe sie am Tattag von ihrem daneben liegenden Balkon beobachten können, wie die Angeklagte auf ihrem Balkon dem 66-jährigen Freund zweimal mit einem glänzenden Gegenstand auf den Rücken geschlagen und gerufen habe: „Und du auch!“. Danach habe sich das Hemd des Mannes an zwei Stellen rot gefärbt. Auf dem Balkon selbst sei kein Glas gewesen. Beide Männer seien dann über den Balkon geflüchtet und hätten dort blutige Spuren hinterlassen.

Das bestätigte auch die Nichte der Zeugin, die während des Streites die Polizei verständigte.

Der Prozess wird nächsten Dienstag, 26. März, um 9 Uhr fortgesetzt.

Bericht vom ersten Prozesstag

(bav)