| 21:53 Uhr

Jahrestag
„Nicht alle haben aus der Geschichte gelernt“

 Der Regen machte den Demonstranten schwer zu schaffen.
Der Regen machte den Demonstranten schwer zu schaffen. FOTO: Norbert Schwarz
Zweibrücken. Wegen des Regenwetters kamen zum Sternmarsch anlässlich der Bombardierung Zweibrückens weniger Teilnehmer als erwartet. Von Norbert Schwarz

Mehr als 100 Demonstranten folgten am Donnerstag dem Aufruf des Bündnisses „Buntes Zweibrücken“ und legten trotz stürmischer Witterung und Dauerregen auf dem Alexanderplatz ein klares Bekenntnis dafür ab, dass Nationalismus, Faschismus und braunes Gedankengut in Zweibrücken keinen Platz haben. Sternförmig waren die fünf Gruppen von den verschiedenen Sammelpunkten aus friedlich mit Plakaten, Bannern, Trillerpfeifen und mitunter auch Sprechparolen zum Versammlungsort vor der Alexanderskirche gekommen.

Noch ganz unter dem Eindruck der Schülerdemonstration am Vormittag wiederholte Oberbürgermeister Marold Wosnitza seine Forderung für ein aktives Eintreten zum Erhalt der Demokratie. „Die Schüler haben heute  Vormittag Zeichen gesetzt, Meinung vertreten und Statements abgegeben. Wir stehen heute Abend hier, weil Deutschland über Europa und große Teile der Welt Leid gebracht hat. Wir stehen hier, weil sich die Welt nicht anders zu helfen wusste, Deutschland zu stoppen. Dabei haben viele, zu viele Bürger unserer Stadt ihr Leben verloren. Wir stehen hier, um der Opfer dieses Krieges zu gedenken, aber nicht eines Krieges der über uns gekommen, sondern von Deutschland ausgegangen ist“, stellte der Zweibrücker Oberbürgermeister fest. Ja, diese Zusammenkunft sei auch ein Zeichen gegen nationalsozialistisches Gedankengut und Rechtsextremismus. Wosnitza wörtlich: „Nicht alle haben aus der Geschichte gelernt“, um zum Schluss festzustellen: „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“.

Eine der größeren Sterngruppen hatten sich von ihrem Sammelplatz beim Bahnhof aus zusammen mit Ingrid Satory vorbei am ehemaligen Standort der Zweibrücker Synagoge zum Alexanderplatz begeben. An der Ecke Ritter-/Wallstraße wurde kurz der Zerstörung des jüdischen Gotteshauses gedacht.



Als erster Redner auf dem Versammlungsplatz begrüßte Walter Rimbrecht  die  verschiedenen Gruppen und Gruppierungen sowie einzelne Bürger, welche dem Aufruf des Bündnisses „Bunte Stadt Zweibrücken“ nachgekommen waren und ein nicht weniger eindrucksvolles Zeugnis gegen Nationalismus und Intoleranz ablegten. Rimbrecht ging dabei sehr detailliert auf die geschichtlichen Vorgänge ein und wetterte gegen die Brandstifter von damals. Nur unweit des Alexanderplatzes, sagte Rimbrecht, versammelten sich inzwischen wieder Menschen, um Fackeln anzuzünden – gemeint war die rechte Kundgebung auf dem Schlossplatz.

Drei Schüler der Herzog-Wolfgang-Realschule plus kamen zu Wort und verteilten anschließend mit ihrer Lehrerin unter den Demonstranten Herzkekse. „Wir haben die Herzkeks selbst gebacken um zu zeigen, das Liebe besser ist als Krieg“, stelle ein junger Schüler unter Beifall fest. Groß auch am Abend die Schülergruppe des Helmholtz-Gymnasiums, die  mit ihrem Lesebeitrag  noch einmal vor Augen führte, wie unschuldige Stadtbewohner die Bombennacht Zweibrückens erlebt haben. Die Reihe der restlichen Redner führte Ingo Ketzer von der IG-Metall Saarpfalz an, der sich wie seine Vorredner gegen Intoleranz und gegen den Faschismus aussprach.

Auf dem Schlossplatz hatten sich derweil 24 überwiegend schwarz gekleidete Neo-Nazis versammelt, die gegen die Gegenseite wetterten. Die zahlreichen Ordnungskräfte sorgten dafür, dass es zu keinerlei Zwischenfällen kam.

 Unter den Demonstranten waren viele junge Menschen.
Unter den Demonstranten waren viele junge Menschen. FOTO: Norbert Schwarz
 Die Polizei sorgte dafür, dass die beiden Kundgebungen in der Stadt von einander getrennt blieben.
Die Polizei sorgte dafür, dass die beiden Kundgebungen in der Stadt von einander getrennt blieben. FOTO: Norbert Schwarz