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Kunst-Aktion
Schüler schneidern des Kanzlers neue Kleider

 Die Helmholtz-Künstler mit dem neu gestylten Bismarck. Das sei nicht als Verunglimpfung gedacht.
Die Helmholtz-Künstler mit dem neu gestylten Bismarck. Das sei nicht als Verunglimpfung gedacht. FOTO: Nadine Lang
Zweibrücken. Nanu? Was ist denn da mit Bismarck los? Seit zwei Tagen sieht die Statue des alten Reichskanzlers auf dem Herzogplatz stark verändert aus. Der Grund: plötzlich trägt er andere Kleidung. Hinter dieser Verkleidung stecken Schüler der Jahrgangsstufe 12 am Helmholtz-Gymnasium in Zweibrücken. Von Nadine Lang

Die Teilnehmer des Grundkurses Kunst nehmen damit mit Unterstützung ihrer Kunstlehrerin Andrea Stuppi am Wettbewerb „verhüllt…? Transparent…?“ der Initiative Handarbeit unter der Schirmherrschaft des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums teil.

Eine Woche lang läuft dieses Kunstprojekt, das nicht zwangsläufig im öffentlichen Raum stattfinden muss. Die Schüler haben sich dennoch dazu entschlossen und werden durch die Schulleitung und das städtische Kulturamt unterstützt. Täglich wechselt Bismarck dazu die Kleidung, zusätzlich wird zeitweise auch die Statue des Schweinehirten auf dem Hallplatz verhüllt.

Jedes „Kostüm“ wurde von den Schülern selbst hergestellt, dazu wurde genäht, gehäkelt, geflochten und was sonst noch zur Herstellung von Kleidung dazugehört. So trifft Handarbeit auf Kunst und jede Menge Arbeit.



Noch vor den Herbstferien war die erste Ortsbegehung, nun im Februar endlich alles fertig. Dafür arbeiteten die Schüler in drei Schulstunden pro Woche an ihrem Projekt, das sie in Kleingruppen von bis zu vier Schülern gemeinsam entwarfen und anfertigten. Manche packte sogar derart die Leidenschaft, dass sie in Freistunden weiter daran arbeiteten.

Ausgerechnet die Bismarck-Statue zu verhüllen fanden sie reizvoll, schließlich könne das auch dabei helfen, solche eine wichtige Person aus der Vergangenheit wieder in den Fokus der Wahrnehmung zu rücken, wie Andrea Stuppi erklärte, denn die meisten Menschen nähmen das Denkmal längst nicht mehr wahr. „Es ist aber keinesfalls als Verunglimpfung gedacht, sondern rein dazu, einen anderen Blick zu entwickeln“, erklärt die Kunstlehrerin auch zum Motto „Halb und halb“, welches Bismarck am Mittwochvormittag verpasst wurde, handelt es sich doch zur Hälfte um ein Ski-Outfit, zur anderen Hälfte um einen Bikini. Auch hier kein Spott von jungen Erwachsenen, sondern „weil wir dachten, dass das ein Kontrast ist zu seiner Figur, weil er das ja eben genau nicht ist“, erklärt die 17-jährige Theresa Hauß, die an diesem Outfit beteiligt war.

Am Dienstag startete das Projekt bereits mit der Verhüllung zur Putzfrau, gefertigt aus Flickenstücken. „Wir haben damit assoziiert, dass Deutschland damals ein Flickenteppich war und Bismarck aufgeräumt hat“, erklärt Tabea Leitl. Diese Verkleidung wurde noch in der ersten Nacht gestohlen, obwohl die Statue durch ein Baugerüst und Bauzaun abgesichert ist.

Bis Mittwoch zeigt die Schülergruppe noch wechselnde Verhüllungen. Welche, soll eine Überrachung bleiben. Aber eines sei verraten: Bismarck hätte sie sich selbst wohl niemals ausgesucht.