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Kultur in der Himmelsbergkapelle
Sylt liegt auf dem Himmelsberg

 Sarina Wolf und Bärbel Grub-Hapke versetzten am vergangenen Freitag die Himmelsbergkapelle nach Sylt.
Sarina Wolf und Bärbel Grub-Hapke versetzten am vergangenen Freitag die Himmelsbergkapelle nach Sylt. FOTO: Cordula von Waldow
Zweibrücken. Mit ihrem Kunstprogramm „Nordseegeschichten in Wort, Bild und Me(e)hr“ begeisterten die Zweibrücker Autorin Sarina Wolf und die Künstlerin Bärbel Grub-Hapke in der Himmelsbergkapelle. Von Cordula von Waldow

Applaus brandete auf. Verwirrt öffnete sie die Augen und schaute sich um. Nein, sie saß nicht in Sylt am Strand, sondern in der Himmelsbergkapelle in Zweibrücken. So, wie der Schmitshauserin Waltraut Hunsicker, ging es sicher noch mehreren der mehr als 100 Kunstfreunde am Freitagabend in der Himmelsbergkapelle. Sie ließen sich von Sarina Wolf alias Keller auf deren Lieblingsinsel Sylt entführen. Die ungeschminkte Authentizität und Emotionalität, mit der die Zweibrücker Autorin aus ihren „Sylter Strandkorbgeschichten“ und eine Szene aus ihrem zweiten Buch „Weihnachtswind und Nordseestürme“, der umfassenden Story von Jule, las, machte ihre Geschichten noch lebendiger.

Das perfekte Nordseewetter mit Stürmen und peitschendem Regen, die anheimelnde Atmosphäre in der völlig neu gestalteten Himmelsbergkapelle und die energetischen Meer-Bilder von Bärbel Grub-Hapke schufen eine einmalige Atmosphäre: Nordseefeeling mitten in Zweibrücken. Abgewendet vom Altarraum, wirkte die schiffsähnliche Raumstruktur der Himmelsbergkapelle mit ihrer Plankendecke genau passend zu der maritimen Kultur. Fensternischen dienten als Bücherregale für Sarina Wolfs Werke. Neben dem Tisch mit Sand und Muscheln waren die Bücher aufgestapelt, quer durch die Kapelle verteilten sich größere und kleinere, maritim inspirierte Bilder von Bärbel Grub–Hapke. „Kunst im Raum“ hatte die Innenarchitektin versprochen und umgesetzt.

Dass nach der zweiten Kurzgeschichte das Licht ausfiel und auf dezenten Notstrom umstellte, trug zu der heimeligen und durch die Wort-Gebilde und Spielereien dennoch typische Meerstimmung bei. Mehr denn je erlebten die Gäste in der Himmelsbergkapelle einen Abend für alle Sinne, untermalt durch die anschließende, lebhafte Beachparty bei einem Glas Wein.



In ihren Kurzgeschichten spielt Sarina Wolf mit den Perspektiven. Wer hat schon mal den Sylturlaub aus dem Blick seines Hundes erlebt? Ellenlange Fahrt und Wellenspiele mit der Pudeldame mit der Goldschleife? Auch die Geschichte von drei Freundinnen im Sylter Café bewegt oder die „etwas andere“ Geschichte „Von einem der auszog, Sylt zu sammeln“ als Widmung für die autistischen Kinder, mit denen die Lehrerin an der Herzog-Wolfgang-Realschule Plus bereits zusammenarbeiten durfte. „Ich fühle mich wohl in meinem Strandkorb, dort und auch hier“, bekannte die Autorin und dankte Wolfgang Ohler, dem zweiten Vorsitzenden des Fördervereins Kultur in der Himmelsbergkapelle, für das stilechte Ambiente.

Sarina Wolfs Kurzgeschichten sind wirklich kurz. Das Schöne daran: Jede enthält ein inspirierendes Fazit, das einen noch lange nachsinnen lässt: Kurzgeschichten mit langer Wirksamkeit. „Wiederholungen prägen Körper, Geist und Seele. Entscheide dich also für die positiven.“

Mit ihrer einfühlsamen Stimme und authentischen Betonung, ließ Sarina Wolf ihre Zuhörer tief in ihre Gedanken und Gefühle blicken, aus denen heraus ihre Bücher entstanden sind. Ja, sie ermöglichte, diese mit zu erleben. Das machte Lust auf Mee(h)r – ihre Bücher fanden reißend Absatz. Die Autorin war überwältigt von dem enormen Zuspruch ihrer Werke in ihrer Heimatstadt. „Ich konnte es mir nicht vorstellen“, sagte sie bewegt und signierte noch ein weiteres Exemplar.

Die Zweibrückerin Bärbel Dörner besitzt selbst ein Haus am Meer und war tief bewegt von dem gesamten Arrangement. „Die Kapelle ist ein ganz besonderer Schauplatz für eine solche Präsentation“, fand sie. Auch Otto und Elke Neumüller aus Gersheim sind Stammgäste der kulturellen Veranstaltungen in der Himmelsbergkapelle. „Es war sehr inspirativ und hat zum Denken angeregt. Eine bedenkenswerte Alternative zum Alltag“, lobte er. In seiner Frau wecken die Geschichten viele Erinnerungen an Sylt. „Es war auch sehr schön gelesen“, schwärmte die Saarländerin.

Nächster Termin in der Himmelsbergkapelle: Dienstag, 9. April, 19 Uhr, Lesung mit Autorin Sigrid Georgine Stemler, biografischer Roman „Nahe der Grenze“ über zwei Weltkriege und die Rückkehr – mit Filmausschnitten.