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Verein für Pferdefahrsport Westpfalz
Pferdefahrsport auf dem Land neu beleben

  Esther Dinger mit dem Pfalz-Ardenner-Goldfohlen Waterloo und Tochter Leonie auf ihrem Hof in Großsteinhausen.
Esther Dinger mit dem Pfalz-Ardenner-Goldfohlen Waterloo und Tochter Leonie auf ihrem Hof in Großsteinhausen. FOTO: Cordula von Waldow
Großsteinhausen. Der Verein für Pferdefahrsport Westpfalz und die Fuhrhalterei Dinger bieten ein interessantes Angebot rund ums Thema Pferd und Kutschenfahren. Von Cordula von Waldow

Cordula von Waldow

Der kleine Hengst wiehert laut. „Im März wird er ein Jahr alt. Er ist der letzte Pfalz-Ardenner-Hengst mit einem Rassenbrand“, erklärt Esther Dinger stolz. Gemeinsam mit Augustinus Mayer, dem Vorsitzenden des Vereins für Pferdefahrsport Westpfalz, hat die Chefin der Fuhrhalterei Dinger in Großsteinhausen das prämierte Gold-Fohlen über die baden-württembergische Züchterin Karin Kollmannsberger erworben, quasi als Re-Import. „Sein Vater Wango hat damals im Landgestüt zeine Zuchtleistungsprüfung bestanden“, erinnert Kutschenfahrer Ur-Gestein August Mayer.

Um einen Bezug zum Landgestüt zu schaffen, wurde der rot-weiß-gefleckte Rotschimmelhengst von Watson in Waterloo umgetauft. Napoleon hatte nicht nur das Zweibrücker Gestüt als „Haras Premier Cru“ erhalten, sondern sogar seinen Lieblingshengst, den Schimmel Fayoum, dort aufgestellt. Da der Name mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen muss, wie der des Vaters und nicht zuletzt durch den Sieg der schwedischen Popgruppe Abba beim Grand Prix „Waterloo“ ein Evergreen ist, fiel die Namenswahl darauf.



Neben dem dzeutschen Reitpony-Hengst von Michael Mayer stehen auf der Fuhrhalterei, die Esther Dinger 2011 auf einem alten Bauernhof im Herzen von Großsteinhausen eingerichtet hat, somit jetzt zwei Hengste, die demnächst die eigene Zucht begründen sollen. „Wir haben ihn bekommen, weil er bei uns das werden darf, wofür er geboren ist, ein Arbeitspferd und Zuchthengst“, freut sich seine Besitzerin.

Gemeinsam mit ihren Kindern Leonie (15) und Benjamin (20), dem Vereinsvorsitzenden Augustinus Mayer und dessen Sohn Michael, führt sie die Fuhrhalterei mit 13 Pferden, zwei Planwagen und einer Vielzahl verschiedener Kutschen als „Familienbetrieb“. Hier werden Kutschpferde und Kutschenfahrer ausgebildet und die verschiedensten Ausfahrten angeboten: Firmenausflüge, Jubliäen, Hochzeiten.

Für die Kulinarische Stadtführung in Zweibrücken werden der große Planwagen mit Platz für 18 Gäste und die beiden Pfalzardenner Cemus und Criesou, Söhne des berühmten rheinland-pfälzischen Zuchthengstes Crie, eingeladen und ins Landgestüt gebracht, um von dort aus Gäste durch das historische Zweibrücken zu fahren. „Dienstleistung, um das Pferd in der Stadt der Rosen und Rosse am Leben zu erhalten“, betont August Mayer, renommierter Fahrausbilder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, der mehr als 40 Jahre lang im Landgestüt Menschen und Pferde ausgebildet, Turniere bestritten und veranstaltet und Show-Programme inszeniert hat.

Dies findet in verkleinertem Rahmen jetzt in Großsteinhausen statt. Für das laufende Jahr ist ein umfangreiches Programm geplant. Erstmals wird Ende April im Mai auf dem großzügigen Fahrplatz von 3,5 Hektar ein breitensportliches WBO-Turnier veranstaltet.

„Samstags machen wir einen Schulungstag und sonntags können sich Einsteiger und Freizeitfahrer in einem geschützten, familiären Rahmen mit Gleichgesinnten unter turnierähnlichen Bedingungen in Dressur und Hindernisfahren erproben“, beschreibt Esther Dinger die Idee.

Damit soll auch der Pferdefahrsport auf dem Land neu belebt, dem Dorf und der Region eine interessante Veranstaltung geboten werden. Mit dem Wanderfahrabzeichen 1 und 2 der FN wird Anfang Mai ein Lehrgang für interessierte Freizeitfahrer angeboten, der nach diversen Tagesfahrten als Höhepunkt eine Ausfahrt mit Übernachtung vorsieht. Gleich Anfang Februar können Interessierte wie Einsteiger, Umsteiger aus dem Sattel oder Wiedereinsteiger an einem Schnuppertag erproben, ob das Kutschenfahren für sie das Richtige ist.

„Der Tag ist vollgepackt: Theorie in dem eigens eingerichteten Schulungsraum, Lernpraxis am Fahrlehrgerät, nach dem Mittagessen Pferdepflege, Aufschirren und Anspannen, eine kurze Fahrerprobung durchs Dorf, Abschirren, Pferde versorgen und Theorie rund ums Kutschenfahren nach Achenbach.

Mayers erste Frage an die Teilnehmer: „Warum willst Du das Lernen?“ Heute seien der Bezug zum Pferd und das Wissen, das früher jedes Kind hatte, nicht mehr vorauszusetzen.

Die Ausbildung zum Basispass, der Kutschenführerschein Klasse A für Privat (zugleich Kutschenfahrabzeichen Klasse Fünf), sowie der Kutschenführerschein Klasse B für Gewerbe sind feste Bestandteile im Jahresprogramm. Dieser erlaubt gewerbliches Fahren ebenso wie Brauchtumsfahrten etwa bei Umzügen oder zu Nikolaus.

Um tradierte Fähigkeiten zu bewahren, gibt es Mitte März einen Schnupperkurs im Holzrücken – also dem Bewegen von Holzlasten. „Das ist anspruchsvoller, als es aussieht und erfordert von Pferd und Pferdeführer besondere Fähigkeiten“, wissen die beiden Ausbilder. Das Interesse daran sei erfreulich groß. So trage der Verein zum Erhalt und zur Belebung des Kutschenfahrens bei.

Dank der Lehrgänge mit vorwiegend Teilnehmern aus der weiten Region freue sich der Verein immer wieder über neue Mitglieder. So könne auch das aufwändige Traditionsturnier mit den Landesmeisterschaften im Sommer auf der Rennwiese nach wie vor ausgerichtet werden.

Weiter Infos auf Facebook unter Fuhrhalterei Dinger und unter www.pferdefahrsport-westpfalz.de