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Kinofilm der Woche
Und jetzt ein dreifach kräftiges „America First!“

Schauspieler Topher Grace spielt in BlacKkKlansman den perfiden KKK-Anführer David Duke.
Schauspieler Topher Grace spielt in BlacKkKlansman den perfiden KKK-Anführer David Duke. FOTO: AP / David Lee
Zweibrücken. „BlacKkKlansman“ von Spike Lee spiegelt auch das gegenwärtige Lebensgefühl der Ära Trump.

Im Jahr 1979 ist Ron Stallworth (John David Washington) der erste schwarze Cop im Polizeirevier von Colorado Springs. Eines Bürotages stößt er in der Lokalzeitung auf eine Anzeige des örtlichen Ku-Klux-Clan, der auf der Suche nach neuen Mitgliedern ist. Ron greift zum Telefon und weiß mit genau jenen rassistischen Ansichten, mit denen er tagtäglich konfrontiert ist, die rechtsradikalen Rekrutierer zu überzeugen. Natürlich kann er nicht selbst zum hochgeheimen Treffen der Organisation gehen.

Sein Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) ist gerade noch weiß genug, um als verkabelter Strohmann die Außendiensttätigkeit zu übernehmen. Während der jüdische Kollege sich in der Zelle vor Ort mit seinen extremen Ansichten zum Holocaust beliebt macht, gelingt es Ron, am Telefon das Vertrauen des Leiters der Organisation David Duke (Topher Grace) zu gewinnen.

Die Telefongespräche zwischen dem rassistischen Vordenker, der sein rechtes Gedankengut in den politischen Mainstream einleiten will, und dem afroamerikanischen Cop, der ihn immer mehr aufs Glatteis führt, sind das komödiantische Herz von Spike Lees auf wahren Begebenheiten beruhenden Film „BlacKkKlansman“. Aber auch wenn Lee den rechten Propagandisten genauso als Karikatur anlegt wie die örtlichen minderbemittelten Clan-Mitglieder, lässt er keinen Zweifel an der Gefahr, die von den rechtsradikalen Wutbürgern ausgeht.



In der Zeichnung des politischen Führers Duke – im echten Leben bis heute einer der führenden Nazis in den USA – sind die Analogien zur politischen Gegenwart offensichtlich. Zu einem dreifach kräftigen „America First!“ stoßen die Kapuzenmänner im Jahre 1979 an, deren rassistische Überlegenheitsideologie heute knapp 40 Jahre später eine ebenso traurige wie gefährliche Aktualität besitzt. Mit eingestreuten Filmzitaten aus dem Propaganda-Film „Birth of a Nation“ (1915) bis hin zu den erschreckenden Dokumentaraufnahmen rechter Gewaltaufmärsche in Charlottesville im letzten Jahr verweist Lee auf die Kontinuität des organisierten Rassismus in den USA. Fernab vom plakativen Agit-Prop führt er das Publikum mit „BlacKkKlansman“ in ein komödiantisches Wechselbad: Einerseits gibt er dem befreienden Gelächter über hirnverbrannte rechte Ideologien den notwendigen Raum, andererseits sorgt er mit bitteren Realitätsbezügen immer wieder dafür, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Damit spiegelt der Film das sehr gegenwärtige Lebensgefühl der Ära Trump, in der die Lächerlichkeit eines politischen Führers immer dramatischere Ausmaße annimmt.

USA 2018, 134 Min., Camera Zwo (Sb); Regie: Spike Lee; Buch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee; Kamera: Chayse Irvin; Musik: Terence Blanchard; Darsteller: John David Washington, Adam Driver, Topher Grace, Corey Hawkins.