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Streit um städtische Bombardierungs-Gedenkveranstaltung am 14. März
Bündnis Buntes Zweibrücken empört über Vorwürfe der CDU

 Wir sehen uns momentan als Spielball politischer Parteien. Es geht nicht mehr um die Sache für Toleranz, Vielfalt und Demokratie, gegen Rassismus, sondern um Profilierung einzelner Personen und um Diffamierung engagierter Zweibrücker Bürger.“, kritisiert das Bündnis Buntes Zweibrücken.
Wir sehen uns momentan als Spielball politischer Parteien. Es geht nicht mehr um die Sache für Toleranz, Vielfalt und Demokratie, gegen Rassismus, sondern um Profilierung einzelner Personen und um Diffamierung engagierter Zweibrücker Bürger.“, kritisiert das Bündnis Buntes Zweibrücken. FOTO: Gerrit Dauelsberg
Zweibrücken. Initiative aus der Mitte der Gesellschaft beklagt in Diskussion um Gedenkveranstaltung am 14. März „Diffamierung engagierter Zweibrücker Bürger“.

Seit mehreren Jahren organisiert das „Bündnis Buntes Zweibrücken“ Versammlungen in Zweibrücken (oder beteiligt sich daran), um der Instrumentalisierung des Gedenkens an die Bombardierung Zweibrückens am 14. März 1945 durch Rechtsextremisten zu verhindern. Nun hat die CDU den Stadtrat-Beschluss abgelehnt, dass die Stadt dieses Jahr mit dem Bündnis eine zentrale Gedenkveranstaltung organisieren soll – weil das Bündnis „nicht fähig“ sei, „eine dem Anlass würdige Veranstaltung zu organisieren“, das Bündnis diffamierende Reden geduldet habe und sich unzureichend gegen Linksradikale abgrenze, behauptete die CDU (wir berichteten).

Bündnis-Sprecherin Ingrid Satory weist diese Vorwürfe auf Merkur-Anfrage entsetzt zurück. Sie schreibt: „Das Bündnis Buntes Zweibrücken ist ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern aus Zweibrücken und der Region, bestehend aus Mitgliedern verschiedener Parteien, Religionsgemeinschaften, Schulen, Gewerkschaften und anderen Organisationen, sowie einzelnen engagierten Bürgerinnen und Bürger, die sich für Toleranz, Vielfalt und Frieden in Zweibrücken einsetzen. Zu unseren Aktionen gehören unter anderem Info-Veranstaltungen, Kindermalaktionen zum Thema Demokratie und Vielfalt, Autorenlesungen, Filmvorführungen, Ausflüge wie die Fahrt zu Konzentrationslagern, Zusammenarbeit mit Schulen, Recherchen zur Situation der Zwangsarbeiter in Zweibrücken. Wir erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialmus, wir bekämpfen friedlich und gewaltlos aktuelle rechtsextremistische und faschistische Strömungen.“

„Seit 2008 führt das Bündnis Aktionstage jährlich am 14. März durch, um ein demokratisches Zeichen gegen die rechtsextremen Aufmärsche in Zweibrücken zu setzen. Seit dieser Zeit marschieren am 14. März Neonazis mit Fackeln durch die Stadt.“



Bei der Veranstaltung am 14. März handelte es sich um eine von der Partei Die Linke angemeldete Kundgebung, die vom Ordnungsamt vorzeitig aufgelöst wurde, erinnert Satory: „Hierbei war das Bündnis lediglich Teilnehmer und nicht wie von der CDU angegeben Organisator.“

2019 wurde dann wieder die Veranstaltung vom Bündnis mitorganisiert. Sie wurde unterstützt von der IG Metall, dem Beirat für Migration und Integration, der SPD, den Grünen, der Linken, der „Partei“ und Antirassismus-AG’s der Schulen und Kirchen, so Satory: „Alle Aufgezählten haben es in der Vergangenheit immer geschafft, einen Weg zu finden, um an den Sitzungen teilzunehmen und dort Ideen einzubringen, aber auch Bedenken zu äußern. So entstehen Veranstaltungen wie diese am 14. März, die vom Bürger selbst ausgehen, um so Demokratie lebendig werden zu lassen.“ Satory betont: „Auch CDU und FDP hatten immer die Möglichkeit teilzunehmen und waren letztes Jahr auch zum Sternmarsch eingeladen, gekommen war niemand, kritisiert wird demgegenüber umso mehr.“

Für 2020 seien die Vorbereitungen gemeinsam mit der Stadt noch in Planung. Dabei gelte das Prinzip: „Beim Bündnis sind alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich konstruktiv für Demokratie, Vielfalt, und Toleranz einzusetzen.“

Das Bündnis macht aus seiner Verärgerung kein Hehl: „Wir verwahren uns dagegen, dass Parteienvertreter über uns reden und schreiben, ohne dass sie an unseren Veranstaltungen teilgenommen haben. Wir sehen uns momentan als Spielball politischer Parteien. Es geht nicht mehr um die Sache für Toleranz, Vielfalt und Demokratie, gegen Rassismus, sondern um Profilierung einzelner Personen und um Diffamierung engagierter Zweibrücker Bürger.“

Zurzeit erhielten viele Kommunal- und Landes-Politiker, sowie der Ratspräsident der Evangelischen Kirche zahlreiche Morddrohungen. „Deshalb finden wir es sehr verwunderlich, dass über die Aufmärsche der Neonazis in unserer Stadt kein Wort verloren wird. Gesicht zeigen – genau hinsehen und aufzustehen“ – das sollte das Motto für unser Handeln sein.“

(lf)