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Gesellschaft für Sicherheitspolitik
Über die Infiltration der bürgerlichen Gesellschaft

Zweibrücken. Der Publizist Christoph Giesa hat in einem Vortrag über die Ziele und Methoden der Neuen Rechten gesprochen. Von Kai Hunsicker

Die Neue Rechte als aus Sicht vieler Demokraten momentan bedenklichsten gesellschaftlichen Strömungen stand im Mittelpunkt des Vortrags des Publizisten und Drehbuchautors Christoph Giesa. Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Sektion Zweibrücken besuchten über 40 Interessierte am Donnerstagabend den politischen Vortrag in der Versöhnungskirche.

Giesa gilt aus ausgewiesener Experte zum Phänomen der Neuen Rechten und als liberal geprägte Stimme im Kanon publizistischer Aktivitäten. 2010 erlangte er Bekanntheit durch seine Kampagne für die Kandidatur Joachim Gaucks als Bundespräsident. Er ist ein gefragter Diskussions- und Interviewpartner zu neuen Formen bürgerlichen Protestes und demokratischer Teilhabe.

Im Mittelpunkt seines Vortrags sprach Giesa über die Zielsetzungen der Neuen Rechten und ihrer Akteure. Dabei ging er auf Leitmotive und Narrative ein, die Umdeutung von bestehenden Symboliken und davon ausgehend über die infiltrativen kommunikativen Strategien. Diese verfolgten eindeutig den Zweck, antidemokratischen Ideen in das Herz unserer Gesellschaft zu tragen.



Eindringlich und kenntnisreich wanderte Giesa in über 80 Minuten durch die Geschichte der Rechten seit der Weimarer Republik. Er ging auf aktuelle Begebenheiten ein und sprach profund über die AfD, die Identitären, Pegida und weitere Gruppierungen im stark rechts gerichteten Spektrum gesellschaftlicher Strömungen. Giesas Hauptthese lautete: „Die rechte Szene will die Abschaffung des bestehenden demokratischen Systems und unseres Rechtsstaates.“ Der Publizist zeichnete und erklärte ein innenpolitisches Szenario, in dem sich diskriminierende, ausgrenzende und in Grundzügen sogar totalitäre Züge erkennen ließen. Die AfD-Anhänger seien keine Nazis, verfolgten aber eindeutig rechtsradikales Gedankengut. Dazu gehöre, dass sich die AfD und ihre Anhänger aus dem demokratischem Grundkonsens verabschieden und verdeckt auf eine bedenklich uniforme wie Minderheiten ausgrenzende Gesellschaft hinarbeiten würden. Giesa plädierte deswegen nachdrücklich dafür, die verschiedenen Akteure und Auswüchse einer rechtsidentitären Bewegung ernst zu nehmen. Dazu gehöre, Diskurse nicht zu scheuen und manipulativer Rhetorik entgegenzutreten. „Wir dürfen Ihnen nicht die Debattenhoheit einräumen und das Feld nicht rechter Rhetorik überlassen“, votierte Giesa. „Wir haben in Deutschland zehn Millionen Menschen, die unsere Demokratie ablehnen. Das halten wir gut aus, wenn wir denen nicht in die Falle gehen.“