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Am Ende des Überfliegers heißt es bald: „Stopp!“
Nun kommt doch das dicke Ende

 Der UBZ wird aus Sicherheitsgründen in den nächsten Tagen am Ende des Überfliegers eine Haltelinie einzeichnen und Stopp-Schilder aufstellen. Ob eine Einfädelspur angebracht werden kann, ist noch völlig offen. Die Autobahn ist an der betroffenen Stelle zu schmal, zwei größere Lkw nebeneinander hätten kaum vernünftig Platz.
Der UBZ wird aus Sicherheitsgründen in den nächsten Tagen am Ende des Überfliegers eine Haltelinie einzeichnen und Stopp-Schilder aufstellen. Ob eine Einfädelspur angebracht werden kann, ist noch völlig offen. Die Autobahn ist an der betroffenen Stelle zu schmal, zwei größere Lkw nebeneinander hätten kaum vernünftig Platz. FOTO: Jan Althoff
Zweibrücken. UBZ stellt jetzt Stopp-Schilder am Überflieger auf. Autobahnamt moniert: Autobahn aktuell zu schmal für Einfädelspur.

Die geplante Einfädelspur für den Überflieger in Zweibrücken wird alles andere als ein Selbstläufer. Das macht das Autobahnamt in Montabaur deutlich. Ulrich Neuroth, Leiter der Behörde, erklärt auf Anfrage, „dass die Fahrbahnbreiten nicht so sind, wie sie sein sollten“.

Die geplante Einfädelspur sollte das Problem entschärfen, dass der Verkehr, der auf dem Überflieger auf die Autobahn möchte, die Vorfahrt des vom Kreisel-Astes aus ebenfalls auf die Autobahn fahrenden Verkehrs beachten muss; hierbei können gefährliche Situationen entstehen (wir berichteten mehrfach).

Autobahnamts-Chef Neuroth sagt, der LBM (Landesbetrieb Mobilität) in Kaiserslautern habe vor Jahren bei der Planung die Einfädelspur als Lösung angeregt, diese sei dann auch so in die Planung eingegangen. Jedoch sehe das Autobahnamt hier noch einige offenen Fragen, da dieser Bereich nicht – wie in der Planung vorgesehen – bearbeitet wurde. Vor allem die fehlende Fahrbahnbreite an der engsten Stelle sei problematisch (dort, wo die Autobahn einen Linksbogen macht), die Rampe habe dort nur eine Breite von sechs Metern. Erforderlich seien für zwei Fahrstreifen in der Rampe jedoch gut sieben Meter.



„Stellen Sie sich vor, da fahren zwei dicke Lkw im Bogen nebeneinander – das wird richtig eng“, gibt Neuroth zu bedenken.

Sechs Meter – das seien Verhältnisse wie bei einer Baustelle auf der Autobahn mit zwei verengten Spuren. „Eine Autobahn-Baustelle ist ein Provisorium, das gilt nur für eine gewisse Zeit. Hier wäre es eine Dauerlösung. Das kann nicht sein“, erklärt Neuroth.

Das Autobahnamt in Montabaur stehe im Gespräch mit der Stadt, Neuroth sieht derweil keine adäquate Lösung in Sicht. Gut sei diese Entwicklung nicht. „Man kann nicht einfach etwas hinbauen und dann stellt man fest, dass es nicht passt.“

In den ursprünglichen Planungen für den Überflieger (die bereits aus dem Jahr 1998 stammen) sei eine Einfädelspur vorgesehen gewesen aus welchen Gründen auch immer sei diese in der späteren Durchführung nicht mehr berücksichtigt worden. Ein klarer Fehler. Der jetzt „geheilt“ werden müsse, macht Neuroth klar.

Der besagte Linksbogen, den die Autobahn unmittelbar nach dem Übergang des Überfliegers auf die Schnellstraße nimmt, weise „wechselnde Gefälleverhältnisse“ auf, so, wie die Stadt das geplant habe, „passt es geometrisch nicht“, stellt der Behördenleiter fest.

Eine spontane Lösung hat Neuroth auch nicht parat. Das Autobahnamt habe nun, als fachlich verantwortliche Stelle für die Autobahnen, den Fall vorliegen. Er sei schon ein wenig verwundert darüber gewesen, dass die Verwaltung der Stadt Zweibrücken geglaubt habe, die Ummarkierungen ließen sich so einfach gestalten, es werde die Einfädelspur eingezeichnet und alles sei gut (wir berichteten).

„So einfach ist es nicht, die Breiten müssen stimmen“, merkt Neuroth an. Und wie soll der Platz für eine breitere Autobahn gewonnen werden? „Es kann sein, dass wir baulich eingreifen und unsere Ingenieure losschicken, dass wir also baulich etwas machen müssen“, deutet der Behördenchef die mögliche Dimension an. Klar sei: „Die Stadt muss an den Tisch!“

Vielleicht geht es ja aber doch etwas einfacher: Der UBZ (Umweltbetrieb Zweibrücken) wird in den nächsten Tagen am Ende des Überfliegers Stopp-Schilder aufstellen, zudem wird eine Haltelinie gezogen, die deutlich macht: Hier muss der Verkehr stoppen. Erst würden die Arbeiter die Linie ziehen, danach würden die Schilder folgen.

Das erklärte UBZ-Chef Werner Boßlet auf Anfrage unserer Zeitung.

„Wir machen das, bevor irgendwas passiert“, betont Boßlet. Sicher ist sicher. Boßlet ist natürlich auch klar, dass diese Lösung einer traurigen Komik nicht entbehrt. „Ich habe das in ganz Deutschland noch nicht gesehen – ein ,Überflieger’ mit Stopp-Schildern am Ende . . .“

Aber wie konnte das alles so schiefgehen? Boßlet meint, „es bringt jetzt nichts, die Frage zu stellen, wer dafür verantwortlich ist, eine Schuldzuweisung ist wenig zielführend“. Er erklärt, ebenso wie Autobahnamts-Chef Neuroth, „dass in den ursprünglichen Planungen vor über 20 Jahren eine Einfädelspur vorgesehen war und dass diese in der späteren Planung nicht mehr berücksichtigt wurde“.

Die damals verantwortlichen Politiker und Behörden-Mitarbeiter seien längst in Rente, es sei mühsam, jetzt zu suchen, wer möglicherweise alles einen Fehler gemacht habe. Das bringe aber nichts, weil es die Gefahr am Überflieger nicht beseitige.

Die Stopp-Schilder samt Haltelinie seien ein erster wichtiger Schritt. Boßlet: „Das hat das Ordnungsamt angeordnet, wir führen das jetzt durch.“ Das Autobahnamt in Montabaur habe ebenfalls erklärt, dass diese Stopp-Schilder wichtig seien.

Dessen Leiter Neuroth stimmt Boßlet zu: „Das war unser erster Vorschlag, um die Gefahr dort zu beseitigen.“ Allerdings könnten die Stopp-Schilder eine neue Gefahrenquelle darstellen – es könnte dort zu Auffahrunfällen kommen.

Könnten die Stopp-Schilder, auch wenn sie keine perfekte Lösung sind, möglicherweise das Problem der für eine Einfädelspur zu engen Fahrbahn beseitigen? Schlicht, weil dann keine Einfädelspur mehr nötig wäre?

Behördenleiter Neuroth will das so vom Schreibtisch aus nicht einschätzen. Man müsse sehen, wie sich die Situation nach dem Aufstellen der Stopp-Schilder darstelle.