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Abfallkonzept in Zweibrücken
„Das Trennverhalten hat sich verbessert“

Biomüll gehört in die Biotonne. Klingt logisch – war aber bis zu Beginn dieses Jahres in Zweibrücken nicht verpflichtend. Rund die Hälfte der Abfälle in der Restmülltonne hatte dort nichts zu suchen.
Biomüll gehört in die Biotonne. Klingt logisch – war aber bis zu Beginn dieses Jahres in Zweibrücken nicht verpflichtend. Rund die Hälfte der Abfälle in der Restmülltonne hatte dort nichts zu suchen. FOTO: dpa / Peter Steffen
Zweibrücken. Seit fast zehn Monaten ist das neue Zweibrücker Abfallkonzept in Kraft. Die ersten Erfahrungen sind laut UBZ positiv. Anders als in Homburg gibt es auch nicht mehr illegale Müllablagerungen. Von Mirko Reuther

Nein, ein Zwischenfazit zum neuen Zweibrücker Abfallsystem (Biotonnenpflicht und nur noch vier reguläre Restmülltonnen-Leerungen im Jahr), das zum Jahresbeginn in Kraft getreten ist, möchte Werner Boßlet eigentlich noch gar nicht abgeben. Ein wirklich aussagekräftiger Vergleich lasse sich nur von Jahr zu Jahr ziehen, argumentiert der Vorsitzende des Zweibrücker Umwelt- und Servicebetriebs (UBZ) auf Merkur-Nachfrage. Zu groß seien saisonale Unterschiede bei der Müllabgabe, zu viele Fragen ließen sich noch nicht mit letzter Sicherheit beantworten.

Doch Boßlet verbirgt nicht, dass der aktuelle Stand der Dinge ihn durchaus optimistisch stimmt. Er nennt zwar keine konkreten Zahlen, aber: „Die Bürger nehmen das neue Abfallkonzept gut an. Das Trennverhalten hat sich eindeutig verbessert“, lobt der UBZ-Chef. Und genau das war das Kernziel der neuen Regelungen. Denn in der Vergangenheit hatte rund die Hälfte des Abfalls, der in der Restmülltonne landete, gar nichts dort zu suchen. Vierzig Prozent waren organische Abfälle, aber auch Papier, Glas und Verpackungen fanden ihren Weg in den Restmüll. Der eigentlich wiederverwertbare Abfall wurde im Müllheizkraftwerk Pirmasens verbrannt. Kostenpunkt: rund 300 Euro pro Tonne. Mit dieser Ineffizienz ist seit Jahresbeginn Schluss. Denn die Biotonne ist nun Pflicht für alle Zweibrücker. Nur noch in Ausnahmefällen ist das „Selbstkompostieren“ erlaubt. In der Praxis kommt dies aber kaum vor. Auch weil hohe Hürden zu überwinden sind. Ein Bürger habe in dieser Hinsicht einen Antrag gestellt, der demnächst vor dem Verwaltungsgericht Neustadt verhandelt wird.

Ein weiterer Punkt des Abfallkonzepts: zwar fahren die Müllwagen noch immer jede Straße alle 14 Tage an. Die Mindestgebühr deckt aber nur noch vier Leerungen im Jahr ab – erheblich weniger als die 26 Leerungen vor dem Jahr 2018 Für jede weitere Leerung zahlen die Zweibrücker seit dem 1. Januar drauf. „Man überlegt sich da genauer, was man in die Restmülltonne wirft“, sagt Boßlet. Er ergänzt: „Es gibt viele, die mit den vier Leerungen gut auskommen.“



Probleme wie in anderen Städten gibt es in Zweibrücken erfreulicherweise nicht. Nach der Umstellung auf ein ähnliches System musste die Stadt Homburg allein im Jahr 2017 rund 130 000 Euro für die Entsorgung illegal abgelagerten Mülls zahlen. Zwar werde auch in Zweibrücken „vom Hausmüll bis zur Waschmaschine“ illegal Müll entsorgt, räumt Ordnungsamtsleiter Klaus Stefaniak ein, „aber das war schon in der Vergangenheit der Fall. Dass das nach der Einführung des neuen Systems schlimmer geworden ist, kann ich nicht bestätigen.“

Die große Akzeptanz des Abfallkonzepts freut UBZ-Chef Boßlet auch vor dem Hintergrund, dass es „am Anfang noch kleinere Probleme gab“. Die zuständige Firma Sulo aus Herford hatte es nicht geschafft, alle 14 000 alten Restmülltonnen zum Jahreswechsel einzusammeln. Folge: Viele Bürger hatten die alten Gefäße noch über die Feiertage vor dem Haus stehen. Neue Tonnen ließen sich teilweise nicht richtig schließen. Manche Menschen trieb zudem die Sorge um, dass fremder Müll künftig in „ihren“ Tonnen landen könnte, weil dreiste Mitbürger Geld sparen wollten. Auch diese Befürchtung habe sich nicht bewahrheitet, so Stefaniak. Letztendlich konnten sich einige Zweibrücker auch nicht entscheiden, wie viele Liter ihre Tonne fassen sollte, und wollten noch kurz vor Jahresende 2017 plötzlich ein größeres oder kleineres Gefäß. Bei vielen Bürgern herrschte Unsicherheit. „Unsere Abfallberater telefonieren den ganzen Tag“, sagte Boßlet damals. Heute sieht er die Schwierigkeiten als überwunden an. Dass sich die Tonnen nicht hatten verschließen lassen, lag daran, dass die Deckel sich aufgrund der Kälte im Dezember vorübergehend verzogen hatten – das Problem habe sich von selbst erledigt. Bei Bedarf konnten die Tonnen mit Schlössern ausgestattet werden. Zwischen 700 und 800 Zweibrücker hätten dieses Angebot genutzt, so Boßlet. Auch der Computerchip in den Tonnen, der misst, wie oft ein Behälter geleert wurde, funktioniere „einwandfrei“. Der UBZ-Chef hofft indes, dass die Bürger weiter so engagiert sind und die fleißige Mülltrennung nicht einer „gewissen Anfangseuphorie geschuldet war.“

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UBZ-Chef 
Werner Boßlet.
UBZ-Chef Werner Boßlet. FOTO: Jan Althoff