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Aufwand zu groß
TOB Events gibt Oktoberfest auf

Bajuwarische Schunkelstimmung im Festzelt auf dem Zweibrücker Schlossplatz wird es dieses Jahr wohl nicht geben.
Bajuwarische Schunkelstimmung im Festzelt auf dem Zweibrücker Schlossplatz wird es dieses Jahr wohl nicht geben. FOTO: Thorsten Wolf
Zweibrücken. Veranstalter nennt wirtschaftliche Gründe. Stadtverwaltung sucht bislang vergeblich nach einem Nachfolger. Von Lutz Fröhlich

Eine der größten Veranstaltungen Zweibrückens ist Geschichte: Das Oktoberfest auf dem Schlossplatz findet dieses Jahr nicht mehr statt. Das bestätigte gestern Thorsten Bruch, Geschäftsführer des Veranstalters TOB Events, auf Merkur-Anfrage.

Die Entscheidung kommt für die Öffentlichkeit überraschend. Denn die bajuwarische Sause war beliebt bei vielen Zweibrückern, auch sehr viele junge Leute waren unter den Besuchern. Beim letzten Oktoberfest 2017 war das Zelt auf dem Schlossplatz am Samstagabend mit 1500 Besuchern ausverkauft, und Bruch gab sich im Merkur-Gespräch damals noch sicher, dass „der Höhepunkt“ der Oktoberfest-Welle „noch nicht erreicht“ sei. Weil Bruch als Standort-Vorteil hervorhob, „dass die Zweibrücker gut und gerne feiern können“, lasen viele seine folgende Aussage nicht als Damoklesschwert für das Zweibrücker Oktoberfest: „Natürlich gibt es eine Vielzahl von Oktoberfesten. Da wird es irgendwann, wie bei Stadtfesten auch, einen Ausleseprozess geben. Aber die großen sind so attraktiv, dass sie überleben werden.“

Jetzt aber ist klar: Die Zweibrücker Sause war zu klein für Bruch. Denn Bruch nennt „wirtschaftliche Gründe“ für den Rückzug: „Der Aufwand für effektiv zwei Abende lohnt sich nicht.“ Anders als freitags und vor allem samstags seien sonntags zu wenig Besucher gekommen. Zwar seien die Besucherzahlen seit der Premiere 2014 nicht zurückgegangen. Ziel sei aber gewesen, „das Zweibrücker Oktoberfest nach vorne zu entwickeln“, sprich den Zuspruch noch deutlich zu steigern und das Fest auf zwei Wochenenden zu verlängern. Denn nur dann rechne sich der Aufwand für den Veranstalter: „Der große Infrastruktur-Aufwand ist von den Kosten her für nur ein Wochenende schwer darstellbar. Die wirklich großen Oktoberfest in der Region, unseres in Homburg (dieses Jahr vom 29. September bis 7. Oktober) sowie die in Blieskastel und Merchweiler gehen deshalb über zwei Wochenenden.“ Wenn es in Zweibrücken nicht mal gelinge, an allen drei Tagen das Zelt zu füllen, sehe er nicht das Potenzial, mehr Besucher für zwei Wochenenden zu mobilisieren.



„So, wie wir das Oktoberfest in Zweibrücken gemacht haben, können wir keinen Ertrag daraus erzielen“, erläutert Bruch. „Man könnte das Fest natürlich weniger hochwertig machen, um die Kosten zu reduzieren. Wir sind aber gewohnt, Qualität zu liefern – und lassen es deshalb lieber sein.“

Der städtische Kulturamtsleiter Thilo Huble bedauert die Entscheidung Bruchs, sein Oktoberfest habe „ein sehr hohes Niveau“ gehabt. Die Gründe seien aber „nachvollziehbar“, Bruch sei ein zuverlässiger Partner, mit dem man in anderen Bereichen wie dem Stadtfest weiter gut zusammenarbeite. Aufgrund der Kostenproblematik sei die Stadtverwaltung schon für das Oktoberfest 2017 Bruch bei der Platzmiete so weit entgegengekommen, wie es der Ermessensspielraum erlaube. Burch habe die Stadt nach dem Oktoberfest 2017 aber informiert, dass die Rentabilität trotz aller Bemühungen nicht gegeben sei. „Wir haben uns daraufhin um einen anderen Betreiber bemüht, in Absprache mit der Brauerei“ (Karlsberg war Bruchs Partner in Zweibrücken), „leider bislang ohne Erfolg“. Man sei aber natürlich auch offen dafür, noch mit anderen Brauereien zu sprechen. Hoffnung, dass das Fest doch noch gerettet werden könnte, will Huble aber nicht machen.

Die Oktoberfest-Tradition auf dem Zweibrücker Schlossplatz hatte 2004 begonnen, der damalige Oberbürgermeister Helmut Reichling eröffnete die Sause mit dem Spruch „Bayern und Zweibrücken-Pfalz – Gott erhalts!“ Der damalige Veranstalter kann das Fest nicht mehr erhalten: Er ist laut Huble nicht mehr im Geschäft, weshalb 2014 TOB Events die Zweibrücker Oktoberfest übernommen habe.