| 22:50 Uhr

Zweibrücker Hochschule
Streit um Finanzmärkte-Regulierung

Zum Abschluss diskutierten Zweibrüker Studierende im Audimax über Pro und Contra der Niedrigzinspolitik.
Zum Abschluss diskutierten Zweibrüker Studierende im Audimax über Pro und Contra der Niedrigzinspolitik. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Kontroverse Positionen gestern Abend beim 20. Finanzdienstleistungs-Symposium der Hochschule in Zweibrücken. Von Sebastian Dingler

Zum 20. Mal fand gestern das Zweibrücker Symposium der Finanzdienstleistungen statt. Im Audimax der Hochschule hörten die Interessierten zunächst einige Vorträge von Finanzfachleuten, ehe die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion zu Ende ging.

Den Anfang dabei machte der Geschäftsführer des Online-Bezahldienstes Paydirekt, Niklas Bartelt. Kurz nach Ende seines Vortrags verkündigte er eine Neuigkeit: In Zukunft werden auch Bahnkunden ihre Fahrkarte mit Paydirekt bezahlen können, der Vertrag sei gerade abgeschlossen worden.

André Hoffmann von der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein stellt anschließend die Hypothese auf, dass eine zu starke Liberalisierung im Finanzwesen zu mehr politischem Populismus und Extremismus führe.



Klaus Möller aus Heidelberg (Geschäftsführer Defino-Institut für Finanznorm) plädierte für mehr DIN-Normen in der Finanzbranche. Daniel Stenger (Heilbronner Professor für Marketing) referierte danach darüber, wie die Finanzdienstleister nach der Finanzkrise von vor zehn Jahren wieder mehr Vertrauen beim Kunden gewinnen können.

Am Nachmittag sprach Frank Breitling, Leiter des Vertriebs private Altersvorsorge und Versicherungen der DWS-Gruppe, einem führenden Vermögensverwalter. Er argumentierte gegen zu viel Regulierung der Finanzmärkte. Auch seien Verbraucherschutzregeln zum Teil handwerklich schlecht gemacht und verwirrten den Kunden.

Die Podiumsdiskussion am Ende bestritten sechs Studierende des Fachs Finanzdienstleistungen zum Thema Pro und Contra der Niedrigzinsphase. Alle studieren dual, das heißt, sie sind auch im Finanzsektor angestellt und erleben täglich die realen Auswirkungen der niedrigen Zinsen. Leider war das öffentliche Interesse zu diesem Zeitpunkt stark abgeflaut, da verloren sich vielleicht noch 20 Zuhörer im Hörsaal. Sie verpassten eine interessante Diskussion. Als Pro-Argument nannte Carina Efremov beispielsweise, dass sich die Niedrigzinspolitik positiv aufs Wirtschaftswachstum aus gewirkt habe, der Dax habe ja kürzlich auf einem Rekordhoch gelegen. Es habe außerdem einen Baumboom gegeben, da günstige Kredite aufgenommen werden konnten. Auch müsse der Staat derzeit keine so hohe Zinslast aufgrund seiner Verschuldung tragen, meinte Alexander Glesius. Daniel Eichten, ebenfalls von der Pro-Niedrigzins-Fraktion, wies darauf hin, dass die Geldanleger aufgrund der niedrigen Zinsen viel in Wertpapiere investiert hätten. Die drei Studierenden der Gegenfraktion, Jasmin Wollbold, Theresa Müller und Fabienne Ballmann, argumentierten mit dem schleichenden Geldverlust der Sparer. Die Banken hätten sehr mit den niedrigen Zinsen zu kämpfen, Sparkassen und Genossenschaftsbanken müssten kleinere Filialen schließen. Alle berichteten von viel Unmut der Bankkunden darüber, dass das Sparbuch keinen Ertrag mehr abwirft.

Der Initiator des Symposiums, Professor Gunter Kürble, zeigte sich zum Schluss hochzufrieden mit den Referenten. Sein Ehrgeiz sei es, das Treffen auszubauen und auch wieder mehr Zuhörer zu bekommen. Wichtig sei es ihm auch, dass sein Nachfolger diese Tradition übernimmt. Durch das Symposium bekämen die Studierenden den Kontakt zu Praktikern des Finanzsektors.