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„Sicherung der ambulanten (haus-)ärztlichen Versorgung in der Südwestpfalz“
Stadt hat mit Ärzten nicht über Ärztemangel-Projekt geredet

Noch gibt es in Zweibrücken keinen Ärztemangel, aber viele Hausärzte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand.
Noch gibt es in Zweibrücken keinen Ärztemangel, aber viele Hausärzte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. FOTO: dpa / Stephan Jansen
Zweibrücken. Bürgermeister Gauf trifft sich erst einen Monat nach Bekanntgabe mit Zweibrücker Ärztenetz. Dessen Vorsitzender ist auch inhaltlich noch skeptisch. Von Lutz Fröhlich und Mirko Reuther

Die Initiative gegen Ärztemangel in der Südwestpfalz (der sich die Stadt Zweibrücken Mitte August angeschlossen hatte), hat gestern Abend für eine intensive Kontroverse im Stadtrat gesorgt.

Bereits in der Ratssitzung vor einem Monat hatte die SPD Bürgermeister Christian Gauf (Oberbürgermeister-Kandidat der CDU) Wahlkampf-Motive unterstellt, weil er bei der gemeinsamen Initiative mit den CDU-regierten Kommunen Pirmasens und Südwestpfalz mitmacht, wo es im Gegensatz zu Zweibrücken schon heute Ärztemangel gibt. Mit den Antworten auf seine Anfrage von damals an Gauf war Walter Rimbrecht (SPD) sehr unzufrieden. So wollte Rimbrecht wissen, wie lange das für jede der drei Kommunen 15 000 Euro teure Projekt läuft. „Das Projekt ist vorerst auf ein halbes Jahr befristet“, antwortete Gauf schriftlich. Rimbrecht kommentierte das sarkastisch: „Glauben Sie ernsthaft, dass in einem halben Jahr ein Mangel an Ärzten in Zweibrücken entsteht und auch behoben werden kann?!“

Rimbrecht berichtete zudem, er sei „von einem führenden Mitglied des Ärztenetzwerkes Zweibrücken in der Fußgängerzone verbal angegriffen“ worden, weil das Ärztenetz „übergangen“ worden sei und die Stadt Zweibrücken Geld dafür bezahle, dass Pirmasenser die Steuerung übernähmen. Gauf bestätigte auf Rimbrechts Anfrage, dass es vor der Projekt-Vereinbarung keinen Kontakt darüber mit dem Zweibrücker Ärztenetz gab – ein Gespräch sei ursprünglich vor zwei Wochen vorgesehen gewesen, wurde aber aber aus terminlichen Gründen auf kommenden Freitag verschoben. Gauf schreibt: „Dieses Gespräch soll auch genutzt werden, um das Ärztenetzwerk zu informieren und gegebenenfalls am Projekt zu beteiligen.“ Ärztenetz-Vorsitzender Dr. Andreas Dawid habe ihn um den Termin gebeten, ergänzte Gauf mündlich. Der Anruf sei aber nicht „wütend und ungehalten gewesen“, wie Rimbrecht in einer Frage vermutet hatte, sagte Gauf. Er wolle sich nun am Freitag „kundig machen, wie sie (die Zweibrücker Ärzte, Anm. d. Red.) reagiert haben“.



Der Merkur hat bereits am Montag mit Ärztenetz-Sprecher Dr. Dawid telefoniert. Er kenne zwar nicht die Position aller Zweibrücker Ärzte – aber die, mit denen er geredet habe, seien „überrascht bis unglücklich“ darüber, dass die Stadt mit niemand über das Projekt gesprochen habe, obwohl dieses seit Januar vorbereitet wurde. Es wäre „das Normalste der Welt, dass die Ärzte vor Ort gefragt werden“, kritisiert Dawid. Inhaltlich ist er auch noch skeptisch: „Im Moment erschließt sich mir der Sinn nicht.“ Nach den Medienberichten über das Projekt habe er den Eindruck, dass die geplanten Maßnahmen „sich mit dem decken, was auch die Kassenärztliche Vereinigung leistet“, die den gesetzlichen Auftrag zur Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Versorgung hat. So gebe es bereits das Projekt „KV initiativ“ der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, das ebenfalls gemeinsam mit Kommunen Bedingungen für junge Ärzte verbessern soll, etwa Hilfe bei Kita-Plätzen oder Praxisräumen.

Ob das von der Beratungsgesellschaft „Medi Südwest GmbH“ aus Kaiserslautern betreute Projekt mehr leisten könne als das Ärztenetz Zweibrücken, zum Beispiel Werbung schalten, könne er mangels Informationen noch nicht beurteilen. Erhalten habe er eine Einladung zu einer Projekt-Einführungsveranstaltung am 22. Oktober in der Messehalle Pirmasens – dort hoffe er auf weitere Antworten und Gespräche über die Frage „Was machen wir zusammen?“ Generell glaubt Dr. Dawid: „Wer in Zweibrücken Arzt wird, der muss von hier sein, oder es muss ihm richtig gut gefallen.“ Generell wüchsen in Deutschland die Probleme mit der Ärzteversorgung in ländlichen Räumen, „dazu zählt auch Zweibrücken“, bestätigt Dawid, dass das Thema an sich sehr wichtig sei.

Ebenso wie Rimbrecht nutzte CDU-Fraktionschef Christoph Gensch (selbst Facharzt für Innere Medizin) gestern eine Anfrage, um seine Position zu dem Thema deutlich zu machen. So fragte er Gauf, ob er seine Auffassung teile, dass „die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung eines der größten Probleme hier in der Region und in Rheinland-Pfalz ist“, zumal „40 Prozent der Kollegen bereits über 60 sind“. Vor diesem Hintergrund prophezeite Dr. Gensch „eine enorme Konkurrenz zwischen den Kommunen, um die ärztliche Versorgung zu erhalten“ – da seien eigene regionale Initiativen wichtig, „die weit über das hinausgehen, was die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesregierung tun können“. So könne „nach Kita-Plätzen, Wohnungen und eventuell Praxisräumen“ für neue Ärzte nur auf regionaler Ebene gesucht werden. Gut sei, dass das Südwestpfalz-Projekt außerdem darauf abziele, ältere Ärzte zu überzeugen, länger zu arbeiten, „um einem katastrophalen Mangel entgegenzusteuern“. Gensch schloss: „Ich glaube, dass es Sinn macht, jede Maßnahme zu ergreifen.“

Bürgermeister Gauf sagte, er werde auf Rimbrechts und Genschs „Fragen“ schriftlich antworten.