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Strafanzeige hat Vorgeschichte auf Facebook
Hat Stadtrat nach rassistischer Beleidigung einen Kritiker bespuckt?

 Atilla Eren stand zwar nur auf Platz drei der Wählergruppe Schneider, die nur einen Sitz im Stadtrat bekam – schaffte aufgrund vieler Personenstimmen aber, seine beiden Vordermänner klar zu überholen und damit in den neuen Rat einzuziehen.
Atilla Eren stand zwar nur auf Platz drei der Wählergruppe Schneider, die nur einen Sitz im Stadtrat bekam – schaffte aufgrund vieler Personenstimmen aber, seine beiden Vordermänner klar zu überholen und damit in den neuen Rat einzuziehen. FOTO: maw / Martin Wittenmeier
Zweibrücken. Langer Polit-Streit via Facebook gipfelt in Anzeige wegen Körperverletzung gegen Atilla Eren. Der streitet Spucken ins Gesicht ab, räumt aber „feuchte Aussprache“ ein. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Ein monatelang über Facebook ausgetragener Streit um Zweibrücker Politik ist am Samstag im realen Leben eskaliert: Ein Bürger hat gegen den neugewählten Stadtrat und Ex-Oberbürgermeisterkandidat Atilla Eren Strafanzeige erstattet – wegen Körperverletzung durch Bespucken („Ekelgefühl, Brechreiz, Verletzung Ehrgefühl“), Bedrohung und Beleidigung.

Der Merkur hat gestern sowohl mit dem 44-jährigen Anzeigeerstatter als auch mit Eren gesprochen. Unstrittig ist demnach Folgendes: Eren hat am Samstagmittag gesehen, wie der 44-Jährige in ein Geschäft in der Nähe von Erens Gerüstbaufirma ging. Eren folgte, um den 44-Jährigen wegen dessen Kritik zur Rede zu stellen und forderte ihn auf, dafür mit ihm nach draußen vor die Tür zu gehen. Der 44-Jährige antwortete, er wolle sich nicht mit Eren unterhalten, habe ihn deshalb ja schon bei Facebook geblockt. Es kam zu Beleidigungen.

Graduell sehr unterschiedliche Angaben gibt es dagegen über den Einsatz von Körperflüssigkeit. Der 44-Jährige sagt, Eren habe zunächst „zwei Mal auf den Boden gespuckt“, der Geschäftsinhaber habe ihn deshalb „zur Ordnung gerufen“, woraufhin Eren gesagt habe: „Drinnen passiert nichts.“ Dann aber habe Eren ihm „ein Mal mitten ins Gesicht gerotzt, ich habe mich wie vergewaltigt gefühlt“. Der Geschäft-Chef habe Eren dann „rausgedrückt“. Eren dagegen räumt zwar ein: „Es kann sein, dass ich eine feuchte Aussprache gehabt habe.“ Aber: „Wenn ich gespuckt hätte, hätte ich hochziehen müssen.“



Völlig unterschiedlich schildern Eren und der 44-Jährige den verbalen Teil ihrer Auseinandersetzung. Eren erinnert, er sei von dem 44-Jährigen schon seit dem OB-Wahlkampf 2018 (wo Eren als Unanhängiger kandidierte) und zuletzt auch im Wahlkampf für den Stadtrat (Eren trat für die Wählergruppe Schneider an) mehrfach via Facebook provoziert worden. Das sei bis hin zu übler Nachrede gegangen, verweist Eren auf einen Facebook-Kommentar vor 35 Wochen, in dem sein Kritiker andeutete, Erens Stichwahlenmpfehlung für CDU-OB-Kandidat Christian Gauf sei gekauft: „Bekommst du für deine Empfehlung Aufträge, wenn’s klappt?“ Er habe das alles noch ruhig hingenommen, sagt Eren: „Ich bin keiner, de ,mimimi’ zur Polizei rennt.“ Nachdem der 44-Jährige ihn im Rats-Wahlkampf aber immer weiter via Facebook ins Visier genommen habe, auch mit Kritik an seiner Gerüstbaufirma, habe er eine persönliche Aussprache gesucht und sei ihm deshalb in den Laden gefolgt. „Ich habe gesagt, er soll mit mir rausgehen“, erzählt Eren und räumt ein, dass er dabei auch deutliche Worte wählte. So habe er gesagt: „Es ist nicht gesund, mich mit so viel Scheißdreck zu provozieren.“ Wirklich eskaliert habe die Situation allerdings der 44-Jährige: „Er hat mich beleidigt, er hat gesagt: Jetzt hat mich der Kanake angespuckt!“ Erst danach, beteuert Eren, sei es zu seiner „feuchten Aussprache“ gekommen.

Der 44-Jährige dagegen sagt, er habe Eren am Samstag nicht beleidigt. Und er habe Erens Vorschlag, nach draußen zu gehen, nicht als Aufforderung zur Aussprache, sondern zum Duell verstanden: „Er hat gesagt: Komm raus, steh deinen Mann!“ Als er das verweigerte, habe Eren „mich zutiefst beleidigt, ich will die Worte gar nicht wiederholen“. Als bedrohlich habe er zudem empfunden, dass Eren unmittelbar vor ihm „mit den Armen herumgefuchtelt hat“. Zum Zeitpunkt des Vorfalls seien mindestens zehn Leute in dem Geschäft gewesen, „ich kann vier Zeugen benennen, die mir namentlich bekannt sind“.

Da geht es dann wieder los mit den Gemeinsamkeiten zwischen Eren und dem Anzeigeerstatter: Beide berichten, dass in dem Geschäft mehrere Überwachungskameras hängen – und erwarten, dass die Videos ihre Darstellung stützen.

Die Polizei bestätigte gestern auf Merkur-Anfrage, dass am Samstagabend Anzeige erstattet wurde und kündigte Vernehmungen an.