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Im Wald bei Niederauerbach
Stein von Westwallarbeiter erinnert an Pionierflug

 Im Wald bei Niederauerbach steht abseits des Weges ein Denkmal. Foto: Lothar Klein
Im Wald bei Niederauerbach steht abseits des Weges ein Denkmal. Foto: Lothar Klein FOTO: Lothar Klein
Niederauerbach. In Niederauerbach befindet sich ein Gedenkstein für die Piloten der ersten Atlantik-Überquerung von Ost nach West

(nob) Ein Gedenkstein sorgt in Zweibrücken derzeit für Diskussionen. Es handelt sich dabei um ein Denkmal an die drei Flieger, die im Frühjahr 1928 von Europa aus über den Atlantik geflogen sind. Es war die erste erfolgreiche Überquerung des Ozeans in Ost-West-Richtung durch ein Motorflugzeug. Merkur-Leser Lothar Klein fragt, was der Stein der sich etwas abseits vom Wanderweg im Heilbach befindet, mit dem Stadtteil oder Zweibrücken zu tun hat.

Charlotte Glück, Leiterin des Stadtarchivs, kann nicht zur Aufklärung beitragen: „Bei uns gibt es darüber keine Hinweise“, sagt sie. Der Niederauerbacher Willi Richter weiß mehr – auch, wenn sich das Geheimnis um das Denkmal wohl nie vollständig klären lässt. So habe ein Arbeiter, der in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den nahegelegenen Bunkeranlagen beim Bau des Westwalls geholfen hat, den Stein gefertigt. „Der Künstler war wohl von dem Flug so beeindruckt, dass er an die Pionierleistung erinnern wollte“, erklärt Richter. Dass ihm dabei ein Fehler unterlaufen ist – schließlich startete das Trio am 12. April 1928 und nicht im März – sei aufgrund fehlender Nutzung von Quellen zurückzuführen.

Der Platz und die Gedenktafel sei vor einigen Jahren von den Senioren der Naturfreunde saniert worden. Der Flug selbst habe keinen Bezug zu Zweibrücken. Initiator war Hauptmann Hermann Köhl, der, nachdem im Jahr zuvor Charles Lindbergh der erste Flug von New York nach Paris gelungen war, den Wunsch hegte, den Atlantik von Europa nach Amerika zu überqueren. Unterstützung hatte er dabei von Gotthart Sachsenberg, dem Direktor der Junkers-Flugzeugwerke, so das Luftfahrtbundesarchiv. Als geeigneten Flugzeugtyp habe man die Junkers W 33 gewählt.



Heimlich flog Köhl nach Baldonnel in Irland, um dort gemeinsam mit Günther Freiherr von Hünefeld und James Fitzmaurice nach New York aufzubrechen. Nach 37 Stunden Flugzeit landete Köhl die Maschine auf der kleinen Insel Greenly Island dicht vor der kanadischen Küste, so die Archivquellen. Das ursprüngliche Ziel New York habe man wegen Kompassabweichungen sehr weit verfehlt. Auf Grund der Witterung zog sich die Weiterreise der Besatzung von der abgeschiedenen Leuchtturminsel über mehrere Tage hin. Nachdem sie New York mit einer anderen Maschine erreichten, wurde die Besatzung dort mit einer großen Konfettiparade gefeiert. Köhl wird Ordensritter, Ehrendoktor der Universität Braunschweig und Ehrenbürger mehrerer Städte. 1934 entgeht er nur knapp der Ermordung durch die Nazis.

 Im Wald bei Niederauerbach steht abseits des Weges ein Denkmal.
Im Wald bei Niederauerbach steht abseits des Weges ein Denkmal. FOTO: Lothar Klein