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Steigendes Badeparadies-Defizit macht Sorgen

Das Zweibrücker Badeparadies ist attraktiv – aber auch noch attraktiv genug angesichts des wachsenden Konkurrenzdrucks? Nach einer Merkur-Anfrage wollen Kommunalpolitiker aktiv werden, um die Besucherzahl zu stabilisieren und das Defizit möglichst wenigstens etwas zu senken. Foto: Marco Wille/pma
Das Zweibrücker Badeparadies ist attraktiv – aber auch noch attraktiv genug angesichts des wachsenden Konkurrenzdrucks? Nach einer Merkur-Anfrage wollen Kommunalpolitiker aktiv werden, um die Besucherzahl zu stabilisieren und das Defizit möglichst wenigstens etwas zu senken. Foto: Marco Wille/pma FOTO: Marco Wille/pma
Zweibrücken. Zweibrücker Fraktionen wollen die Ursachen analysieren. Gegenmaßnahmen seien wichtig, könnten aber nur begrenzt Wirkung zeigen. Lutz Fröhlich

Es gibt einen Ort in der Region, in dem sind die Ratsmitglieder seit Jahren in heller Aufregung: Etwa 800 000 Euro Jahresdefizit jährlich verursacht dort das Hallenbad, das jährlich rund 250 000 Besucher hat. Und die Politiker reden nicht nur, sie handeln - vergaben schon früher Gutachten an eine Unternehmensberatung, um Anregungen zu bekommen, wie man das Defizit senken könnte, drehten an Stellschrauben wie Öffnungszeiten und Eintrittspreisen und haben gerade ein weiteres Büro mit einem konkreten Konzept beauftragt.

In einer anderen Stadt unserer Region gibt es ebenfalls ein Hallenbad mit jährlich rund 250 000 Besuchern. Da aber enden die Gemeinsamkeiten: Das Defizit hier ist mit jährlich 1,5 Millionen fast doppelt so hoch - doch für politische Diskussionen hat das noch nie gesorgt.

Die erste Stadt ist Tholey (Schaumbergbad) - die zweite Zweibrücken (Badeparadies). Seit 2008 sind hier die Besucherzahlen jedes Jahr gesunken. Das Defizit dagegen steigt immer weiter: 1992 lag es noch bei umgerechnet 360 000 Euro, um die Jahrhundertwende wurde die Millionengrenze überschritten, vor zehn Jahren lag es bei 1,2 und 2015 bei 1,5 Millionen Euro, 2016 wohl noch etwas darüber (wir berichteten). Auf Merkur-Anfrage bestätigen die Stadtrats-Fraktionschefs, dass dieses Defizit bislang kaum bis gar nicht Thema war - und vermuten, dies liege daran, dass das Badeparadies nicht von der hoch verschuldeten Stadt, sondern von den sehr profitablen Stadtwerken geführt wird. Die aber gehören mehrheitlich der Stadt - sodass die Badeparadies-Verluste letztlich auch dem Stadthaushalt schaden.



Unisono betonen aber die Befragten zweierlei: Es sei sinnvoll, nach Wegen zu suchen, die Besucherzahlen zu stabilisieren und das Defizit zumindest etwas zu verringern, viele wollen dies auch demnächst thematisieren. Die Existenz des Badeparadieses aber dürfe auf keinen Fall infrage gestellt werden.

"Man sollte grundsätzlich prüfen, ob eine Steigerung der Attraktivität und der Effizienz machbar ist", sagt etwa SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin. Das sei aber ein sehr komplexes Thema. Zum Beispiel "wäre es eine Milchmädchenrechnung, die Eintrittspreise stark zu erhöhen - dann geht ja keiner mehr hin und manche Familien könnten es sich gar nicht mehr leisten". Und bei Investitionen in neue Attraktionen stelle sich die Frage, ob dadurch genug Besucher mehr kommen, um die Investitionskosten wieder hereinzuholen. An eine "große Lösung, um das Defizit auf Null zu bringen" glaubt Moulin deshalb nicht. Aber auch in Details lohne es sich, Optimierungspotenzial zu prüfen, zum Beispiel bei der Zielgruppen-Ansprache. Oder das Badeparadies und das (bislang von der Stadt selbst geführte und ebenfalls defizitäre) Freibad "unter einer Regie zusammenzuführen, um die Effizienz zum Beispiel durch gemeinsame Bewirtschaftung und Personaleinsatz zu erhöhen". Wie Tholey externe Gutachter Konzepte entwickeln zu lassen, schließt Moulin zwar "nicht ganz aus", ist aber skeptisch, "denn das kostet ja auch etwas".

CDU-Fraktionschef Christoph Gensch sagte: "Es ist unsere Aufgabe als Lokalpolitiker, uns die Zahlen genau anzuschauen und etwas zu tun, um das Defizit zu reduzieren." Die Kostenstruktur solle man zunächst intern analysieren, aber auch externe Gutachter hält Gensch für vorstellbar. "Erhebliche Potenziale" vermutet Gensch bei den Energiekosten: "Ich kann mich nicht erinnern, dass mal etwas Wesentliches an Dach, Wänden und Isolierung gemacht wurde." Auch die Abwärme der Biogasanlage bei Mörsbach könnte vielleicht fürs Badeparadies genutzt werden. Als einen Grund für den langjährigen Besucherrückgang sieht Gensch, "dass im Umland vor allem in Spaßbäder erheblich investiert wurde".

Sowohl Gensch als auch Moulin fällt kein "Alleinstellungsmerkmal" des Zweibrücker Badeparadieses ein, mit dem man offensiv werben könnte - beide betonen aber, Zweibrücken habe ein sehr schönes Bad, das mit einer Vielzahl von Angeboten punkte, etwa dem Außenbecken, der Rutsche und der Saunalandschaft; Moulin hebt auch das "echte Schwimmbecken" hervor, "in Spaßbädern ist es ja oft schwierig, ein ganzes Stück zu schwimmen".

Grünen-Chef Norbert Pohlmann kann sich mehr Werbung für das Badeparadies vorstellen, insbesondere sei im französischen Grenzgebiet das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Die Stadtwerke investierten regelmäßig, um die Attraktivität zu halten, sieht er diesbezüglich nicht viel Luft nach oben. "Ein kleiner Ansatz" zum Sparen könnten für ihn die schon seit Längerem laufenden Überlegungen der gemeinsamen Betriebsgesellschaft mit dem Freibad (wir berichteten) sein. Tholey sieht Pohlmann nicht als Vorbild: "Öffnungszeiten zu verringern und Preise anzuheben, trägt, glaube ich, nicht zur Attraktivitätssteigerung bei."

Der FWG-Vorsitzende Kurt Dettweiler betont: "Das Badeparadies ist gut geführt, besser als früher. Problem ist aber, dass die Konkurrenz nicht schläft."

Linken-Fraktionsvize Gerhard Burkei bedauert, dass das Hallenbad nach dem Großbrand 1978 nicht direkt am Freibad neu gebaut wurde: "Da hätte man viel kombinieren können bei Personal und Wasserversorgung - diese Chance ist vertan." Heute sehe er kaum Sparpotenzial: "Es gibt einfach Sachen, wo man Geld für ausgeben muss, damit eine Stadt attraktiv ist und Möglichkeiten bietet, wo man einigermaßen erschwinglich seine Freizeit verbringen kann." Burkei schlägt aber vor, den Sozialausweis wiedereinzuführen - dessen Streichung habe zum Besucherrückgang beigetragen, weil viele arme Zweibrücker nun nicht mehr baden gehen könnten. Auch eine energetische Sanierung wolle er im Aufsichtsrat ansprechen.

FDP-Chefin Ingrid Kaiser findet das Badeparadies sehr attraktiv - das Problem sei, dass dafür zu wenig geworben werde. Kaiser: "Der Ausstieg aus der Pfalz-Touristik war ein Fehler! Da sollte Zweibrücken wieder reingehen."

PBZ-Fraktionschef Manfred Weber findet: "1,5 Millionen Euro Defizit ist schon sehr, sehr starker Tobak, das ist wesentlich zu viel." Er schlägt vor, "zu untersuchen woran es liegt, dass weniger Gäste kommen, und dann das Angebot zu überprüfen".