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| 23:42 Uhr

Komplex wird im Internet angeboten
Steht das Bahnhofsgebäude vor dem Verkauf?

Der Bahnhof in Zweibrücken (im Hintergrund). Würde er verkauft, hätte das auf jeden Fall Auswirkungen auf Reisende. Denn, so Stadtsprecher Heinz Braun: Der Hauptdurchgang wird von einem neuen Besitzer wohl geschlossen werden, Reisende müssen dann quasi um das Gebäude herumlaufen. Archivfoto: Lutz Fröhlich
Der Bahnhof in Zweibrücken (im Hintergrund). Würde er verkauft, hätte das auf jeden Fall Auswirkungen auf Reisende. Denn, so Stadtsprecher Heinz Braun: Der Hauptdurchgang wird von einem neuen Besitzer wohl geschlossen werden, Reisende müssen dann quasi um das Gebäude herumlaufen. Archivfoto: Lutz Fröhlich FOTO: Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Für 409 000 Euro wird der Zweibrücker Bahnhof im Internet angeboten. Mieter berichten von Interessenten – und ziehen aus. Von Mirko Reuther

Beim Anruf des Merkur im Zweibrücker Bistro „Tender“ kann man Geschäftsführer Andreas Klein nur schwer verstehen. Im Hintergrund hört man klapperndes Geschirr und Gesprächsfetzen. Ganz normaler Restaurantbetrieb. Doch der wird nach dem 30. Juni vorbei sein. Andreas und Ehefrau Beate Klein haben ihren Mietvertrag aufgekündigt. Denn das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude, in dem sich das „Tender“ befindet, wird seit Ende März im Internet zum Verkauf angeboten. Davon, dass dieser bald über die Bühne geht, ist Andreas Klein überzeugt: „Schon Anfang des Jahres waren Leute aus Frankfurt da, die großes Interesse signalisiert haben.“

Beim Immobiliendienstleister der Deutschen Bahn konnte das gestern noch nicht bestätigt werden. Der zuständige Verkäufer sei erst Anfang kommender Woche wieder zu sprechen, hieß es. Sich hinhalten lassen will Klein aber nicht. Er betrieb bis 2005 das „Ratscafé“ in Pirmasens im selben Gebäude wie die VR-Bank. Als diese umgebaut wurde, musste sein Café – entgegen vorangegangener Absprachen – weichen, erzählt Klein. Und ergänzt bitter: „Nach den schlechten Erfahrungen wollten wir den Spieß diesmal umdrehen.“

So weit ist man beim Taxidienst Gabriel, der seine Zentrale ebenfalls im Bahnhofsgebäude hat, nicht. „Ja, wir wissen Bescheid, dass verkauft werden soll. Was das für uns bedeutet? Erstmal gar nichts. Wir warten ab“, heißt es dort. Interessant: Ein Mitarbeiter des Taxidienstes will bemerkt haben, dass das Bahnhofsgebäude schon im letzten November Interessenten vorgeführt worden sei.

Für die Stadt Zweibrücken sind diese Informationen neu. Das Rathaus sei erst „vor vier oder fünf Wochen per Mail darüber informiert worden, dass die Bahn das Gebäude verkaufen will“, sagt Stadtsprecher Heinz Braun. In einem Verkauf sieht er Chancen aber auch Risiken: „Wenn ein Käufer mit einem überzeugenden Konzept auftritt, würde die Stadt das begrüßen. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass der Bahnhof eines der markantesten Gebäude der Stadt ist und das ganze Ortsbild prägt. Das ist eine Geschichte, die wir beobachten müssen.“ Aber erst wenn ein potentieller neuer Besitzer eine Umnutzung beantrage, könne auch die Stadtverwaltung mitreden. Auch der Denkmalschutz würde dann mit am Tisch sitzen.

Das zum Verkauf stehende Empfangsgebäude entstand 1873, die dreigeschossigen Eckbauten wurden nach dem Ersten Weltkrieg hinzugefügt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof stark beschädigt. Der Wiederaufbau zog sich bis Ende der 60er Jahre hin. In den 80er Jahren erfolgte eine Komplettrenovierung. Heute werden am Bahnhof im Schnitt täglich rund 1000 Reisende gezählt, 25 Regionalbahnen machen an Werktagen in der Rosenstadt Halt.

Für 409 000 Euro ist das Objekt im Internet zum Verkauf ausgeschrieben. Ein Käufer muss nach Schätzungen der Bahn aber etwa 150 000 Euro mehr auf den Tisch legen, weil umfangreiche Arbeiten erforderlich seien, um die Immobilie an das öffentliche Stromnetz anzuschließen. Neben dem „Tender“ und der Taxizentrale befinden sich auch die Zweibrücker Filiale der Signal-Iduna-Versicherungen und ein privates Hausverwaltungs-Unternehmen in dem Gebäude. Der Reisendenzugang zum Bahnsteig durch die Wartehalle dürfe bei einem Kauf geschlossen werden, teilt die Bahn mit.

Schon seit Mitte der 90er Jahre verkauft die Deutsche Bahn Liegenschaften, die für den Bahnbetrieb nicht mehr zwingend notwendig sind. Im „Tender“ ist das kein Trost. Andreas Klein: „Wir sind seit fünf Jahren hier, haben aus einer Bahnhofskneipe ein kleines Restaurant gemacht. Da steckt Herzblut drin.“