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Demografie-Studie vorgestellt
Wosnitza fürchtet Unkenrufe nicht

 Die Bevölkerung im Land wird nicht nur schrumpfen, sondern auch älter werden, so das Statistische Landesamt. Kamen 2017 auf 100 erwerbsfähige Personen zwischen 20 und 65 Jahren in Zweibrücken 23 Bürger, die 65 oder älter waren, so sollen es bis zum Jahr 2040 29,7 sein.
Die Bevölkerung im Land wird nicht nur schrumpfen, sondern auch älter werden, so das Statistische Landesamt. Kamen 2017 auf 100 erwerbsfähige Personen zwischen 20 und 65 Jahren in Zweibrücken 23 Bürger, die 65 oder älter waren, so sollen es bis zum Jahr 2040 29,7 sein. FOTO: picture-alliance/ dpa / Ralf Hirschberger
Zweibrücken. Statistisches Landesamt stellt in Demografie-Studie Stadt schlechte Prognose aus. OB sieht Chancen zum Umlenken. Von Mathias Schneck

Die Bevölkerung der Stadt Zweibrücken könnte bis zum Jahr 2040 auf unter 30 000 Einwohner sinken. So lautet zumindest eine Berechnung des Statistischen Landesamtes in Bad Ems. Die Behörde stellte gestern ihre neue Studie zum Thema „Demografischer Wandel“ in Rheinland-Pfalz vor. Darin versucht sie mit den Mitteln der Statistik zu prognostizieren, wie sich die Bevölkerung in den Kreisfreien Städten sowie den Landkreisen in Rheinland-Pfalz in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird. Die Statistiker haben für ihre Studie drei verschiedene Varianten durchgerechnet: eine „Untere Variante“, die den negativsten möglichen Trend wiederspiegelt; eine „Mittlere Variante“, die eher ausgewogen ist sowie eine „Obere Variante“ als das optimistischste der drei Szenarien.

Ausgehend vom Berechnungsjahr 2017 (hier wurden für Zweibrücken 34 270 Einwohner gezählt) könnte es, wie erwähnt, im Jahr 2040 nur noch 29 911 Zweibrücker geben („Untere Variante“): die „Mittlere Variante“ rechnet für 2040 mit 31 496 Einwohnern, die „Obere Variante“ mit 33 089.

Die Bad Emser haben für ihre Demografie-Studie gar den Versuch unternommen, ganz tief in die Glaskugel zu schauen – es gibt eine erweiterte Bevölkerungsprognose, die bis ins Jahr 2070 reicht. Danach könnte sich die Zahl der Rosenstädter 2070 auf knapp 28 000 Einwohner einpendeln (exakt 27 959) – unter Annahme der „Mittleren“ Berechnungsvariante.



Zwar werden bis zum Jahr 2040 unter den kreisfreien Städten nicht nur Verlierer sein wie Zweibrücken; Ludwigshafen (plus 4,6 Prozent) und Worms (plus 1,7 Prozent) werden laut Studie zu den Demografie-Gewinnern gehören und am stärksten wachsen. Dies sei allerdings ein Effekt, der durch die zuletzt hohe Zuwanderung und eine gestiegene Geburtenrate in Erscheinung trete und bis zirka 2040 fortwirke, doch dann werde der Trend negativ, warnen die Bad Emser: „Im Jahr 2070 werden in allen kreisfreien Städten und Landkreisen weniger Menschen leben als heute“, heißt es weiter.

Marold Wosnitza (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Zweibrücken, fürchtet diese Unkenrufe nicht. „Es gibt für eine Kommune die Möglichkeit, entgegenzuwirken“, sagt er. So habe die Stadt Zweibrücken mit Blick auf die Demografie zwei wichtige Themen frühzeitig in Angriff genommen – „das Thema ,Seniorengerechtes Wohnen’ und das Thema ,Junges Wohnen in der Innenstadt’, das im Bereich des Alten Evangelischen Krankenhauses realisiert werden soll“, sagte Wosnitza.

Solche Maßnahmen zeigten, dass eine Kommune „gegensteuern“ könne und nicht erstarren müsse beim Blick auf Statistiken.

Zuversicht schöpft Wosnitza auch aus der Beobachtung, dass bereits in der Vergangenheit das Statistische Landesamt Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung prognostizierte, die sich inzwischen als zu negativ herauskristallisiert hätten. „Wir bewegen uns erfreulicherweise positiver, als das vor einigen Jahren von Bad Ems prognostiziert wurde“, so der Oberbürgermeister.

Nicht nur Zweibrücken wird in der gestern vorgelegten Studie mit schlechten Zahlen konfrontiert, bei den kreisfreien Städten wird Pirmasens eine noch trübere Zukunft vorhergesagt. Die Schuhstadt werde bis zum Jahr 2040 noch stärker schrumpfen als die Rosenstadt. Während es im Falle Zweibrückens minus 8,1 Prozent Rückgang sein sollen, wurde für Pirmasens, dem Schlusslicht, ein Minus von zwölf Prozent vorhergesagt.

Der Landkreis Südwestpfalz bekommt gleichfalls eine bittere Prognose erteilt: mit einem berechneten Minus von zehn Prozent bis zum Jahr 2040 stehen nur noch Kusel (minus elf Prozent) und Birkenfeld (minus zwölf) schlechter da.