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Stadtrat begräbt Streit über „Schule 4.0“
Große Einigkeit bei drei Schul-Themen

 Wie kann welche Zweibrücker Schule am besten von dem von Bund und Ländern finanzierten Digitalpakt profitieren? Und lassen sich dabei Synergieeffekt nutzen? Mit solchen Fragen wird sich der Arbeitskreis „Digitalisierungsoffensive“ beschäftigen, dem unter anderem Vertreter von Stadtverwaltung, Ratsfraktionen und aller Schulen angehören.
Wie kann welche Zweibrücker Schule am besten von dem von Bund und Ländern finanzierten Digitalpakt profitieren? Und lassen sich dabei Synergieeffekt nutzen? Mit solchen Fragen wird sich der Arbeitskreis „Digitalisierungsoffensive“ beschäftigen, dem unter anderem Vertreter von Stadtverwaltung, Ratsfraktionen und aller Schulen angehören. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Zweibrücken. Die Canadaschule darf ein Ganztagsangebot machen. Zur weiteren Digitalisierung der Zweibrücker Schulen wird ein Arbeitskreis gegründet. Ein eigenes Budget für die Schulen wird geprüft. Von Lutz Fröhlich

Außer dem regional abgestimmten Schulentwicklungsplan (wir berichteten) standen noch drei weitere wichtige Schul-Themen auf der Tagesordnung der jüngsten Zweibrücker Stadtratssitzung: Digitalisierungsoffensive, Ganztagsschule Canadaschule und eigene Material-Budgets für die Schulen.

Die Canadaschule darf ab dem Schuljahr 2020/21 interessierten Schülern ein Ganztagsangebot machen, beschloss der Stadtrat einstimmig. Die Teilnahme für Schüler ist grundsätzlich freiwillig, aber für mindestens ein Schuljahr verpflichtend. Schulleiter Fabian Faß hatte in seinem schriftlichen Antrag von wachsender Nachfrage von Eltern nach einer Ganztagsschule geschrieben. Faß erläuterte darin außerdem, ein Großteil seiner Schüler stamme „aus bildungsfernen, sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten“, nur wenige bezögen keine staatlichen Transferleistungen wie Hartz IV. Ziel seiner Förderschule sei es „seit jeher, den Teufelskreis von mangelhafter Schulbildung, fehlender beruflicher Ausbildung, späterer Arbeitslosigkeit und dem Einrichten in ein Leben in staatlicher Abhängigkeit zu durchbrechen“. Das bisherige Halbtagesangebot gerate aber „zunehmend an seine pädagogischen Grenzen, da individuelle Absprachen und häusliches Üben nachmittags nur in Einzelfällen konsequent umgesetzt wurden“. Zudem gewährleiste eine Ganztagsschule neben einer warmen Mahlzeit auch „Zugang zu kulturellen Angeboten sowie einer sinnvollen Freizeitgestaltung“.

Mit ähnlichen Worten begrüßten die Fraktionschefs von Grünen (Norbert Pohlmann), CDU (Christina Rauch) und SPD (Stéphane Moulin) das neue Ganztagsangebot. Bürgermeister Christian Gauf (CDU) und Schulverwaltungsamtsleiter Thomas Deller erklärten auf Nachfragen von Pohlmann und Gerhard Burkei (Linke), fürs Mittagessen reiche das derzeitige Raumangebot an der Canadaschule aus. Man erwarte zwar eine Stabilisierung oder sogar steigende Schülerzahlen durch das Ganztagsangebot, aber auch dann werde der Platz voraussichtlich reichen.



Den Arbeitskreis „Umsetzen der Digitalisierungsoffensive“ hat der Stadtrat ebenfalls einstimmig beschlossen. Dass es nicht mal Enthaltungen gab, war nach der erregten Debatte darüber in der März-Ratssitzung etwas überraschend – aber einfach zu erklären: Den Hauptkritikpunkten der SPD wurde begegnet. So heißt es nun „Arbeitskreis“ statt „Steuerungsgruppe“ (der Begriff symbolisierte für die SPD einen Eingriff in die Selbständigkeit der Schulen), und der Begriff „Schule 4.0“, für den CDU-Fraktionschefin Christina Rauch sich Markenrechte hatte schützen lassen, wird nicht mehr verwendet. Schon im März hatte die CDU erklärt, dass sie nicht auf diesen Begriffen beharre.

„Der Arbeitskreis ist freiwillig, kostet nichts und dient der Verbesserung“, indem er zu Synergieeffekten führe, sagte jetzt FDP-Fraktionschefin Ingrid Kaiser. Auf Anregung von SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin wird auch noch die Hochschule in den Arbeitskreis eingeladen, um von deren Digital-Kompetenz zu profitieren. Moulin empfahl zudem, künftig auch im Schulträgerausschuss Schulleiter einzubinden, laut Christian Gauf gibt es bereits Überlegungen in dieser Richtung.

Die CDU-Fraktionschef Christiane Rauch und Christoph Gensch bedankten sich beide bei FWG, FDP und Grünen, weil diese im Ausschuss den Digitalisierungs-Antrag so konstruktiv unterstützt hätten. Der Arbeitskreis (zu dem auch Vertreter aller Fraktionen gehören) trifft sich erstmals nach den Osterferien und soll sich darum kümmern, möglichst schnell Geld aus dem neuen „Digitalpakt Schule“ von Bund und Ländern zu bekommen und den konkreten Bedarf der Zweibrücker Schulen zu ermitteln.

Den SPD-Antrag für ein von allen Zweibrücker weiterführenden Schulen und interessierten Grundschulen selbstverwaltetes Budget für Materialanschaffungen hat der Rat zur konkreteren Beratung in den Schulträgerauschuss verwiesen.