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Kommentar zur Zweibrücker Beigeordneten-Wahl
Große Chance und nicht mehr Risiko als üblich

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Christina Rauch ist nicht unumstritten. Aber sie hat das Potenzial, als Beigeordnete der Stadt Zweibrücken neue Impulse zu geben, glaubt Merkur-Lokalreporter Lutz Fröhlich. Von Lutz Fröhlich
Lutz Fröhlich

Redakteur und Lokalreporter Zweibrücken

Bei der Beigeordneten-Wahl am Mittwochabend im Zweibrücker Stadtrat gab es viele gute, aber keine auf den ersten Blick herausragenden Kandidaten. Letzteres ist (neben der politischen Vielfalt des neuen Rates) wesentlicher Grund dafür, dass die Entscheidung so knapp war. Am Ende hat aber mit Christina Rauch wohl die Richtige gewonnen. Nicht nur, weil es längst überfällig war, dass in einem dreiköpfigen (früher lange sogar vierköpfigen) Stadtvorstand irgendwann auch mal eine Frau einziehen darf. Sondern auch, weil Rauch keine Quotenfrau ist. Ihre Vorstellungsrede klang mit Abstand am überzeugendsten – und das sei in Richtung ihrer linken Kritiker gesagt, auch am fortschrittlichsten. Mehr als ihre sechs (allesamt männlichen!) Mitbewerber schaffte Rauch es, Aufbruchstimmung zu vermitteln, (in solchen Reden übliche) Schlagworte zumindest ansatzweise mit dem Versprechen auf konkrete Konzepte zu untermauern und klare politische Schwerpunkte und Ziele zu benennen.

Es gibt aber auch große Skepsis gegenüber Rauch: Es mangele ihr an Kompetenz und Verwaltungserfahrung. Da mag etwas dran sein. Allerdings ist schon auffällig, dass bei keinem der zahlreichen männlichen Beigeordneten und Bürgermeister, deren Wahl ich seit 1997 in Zweibrücken journalistisch verfolgt habe, die Startvoraussetzungen besser waren – die Kritik bei Rauch aber wesentlich lauter ist. Wobei die Lehrerin selbst dazu beigetragen hat, dass ihr Image als politisches Schwergewicht noch ausbaufähig ist: Von ihren 14 Jahren im Stadtrat hat sie die ersten12 in den Sitzungen weitestgehend schweigend verbracht.

Seitdem aber hat sie deutlich an Format gewonnen und gemeinsam mit ihrem derzeitigen Ko-Fraktionschef Christoph Gensch die CDU zur Gestaltungszentrale des Stadtrats gemacht (was man anerkennen sollte, auch wenn man wie ich manche inhaltliche Positionen für falsch hält).



Auch ihr strategisches Geschick hat die erst 38-Jährige schon einige Male unter Beweis gestellt. Zum einen streckt sie anderen Fraktionen immer wieder konstruktiv die Hand zur Zusammenarbeit aus und ist keine CDU-Hardlinerin. So hätte ihre Rede am Mittwoch auch aus der Feder eines sozial orientierten Grünen oder eines ökologischen Sozialdemokraten stammen können. Zum anderen hat Rauch auch robuste (hinter freundlichem Lächeln versteckte) Härte im Repertoire, wenn es darum geht, ihre Ziele durchzusetzen – und ist damit erfolgreich, zum Leidwesen der SPD, die sich an ihr und Gensch vergeblich abarbeitet. Für eine Führungsposition an der Stadtspitze sind manchmal auch solche robusten Qualitäten wichtig, wenn es gilt, Ziele für Zweibrücken durchzusetzen.