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Terror-Prävention
Stadtfest-Sicherheit wird erneut erhöht

Erstmals werden nun auch beim Stadtfest Betonsperren eingesetzt wie hier im Bild im Mai beim Straßentheater-Spektakel.
Erstmals werden nun auch beim Stadtfest Betonsperren eingesetzt wie hier im Bild im Mai beim Straßentheater-Spektakel. FOTO: Lutz Fröhlich / Lutz Fröhlich
Zweibrücken. Erstmals Betonsperren und Stahlcontainer als Barrikaden sowie mehr Videoüberwachung sollen für ein ungetrübtes Stadtfest-Vergnügen sorgen. Stadt und Polizei bitten, große Taschen zuhause zu lassen.

Seit fast vier Jahrzehnten ist es eines der friedlichsten Massen-Volksfeste der Region. Insofern besteht für die Besucher eigentlich überhaupt kein Grund, beim Zweibrücker Stadtfest um die Sicherheit besorgt zu sein. Doch angesichts der europaweit steigenden Zahl von Terror-Anschlägen haben die Stadtverwaltung als Veranstalter und die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für das Stadtfest 2017 erneut erhöht. Sie sind nun so scharf wie noch nie zuvor – ohne, dass dies die Feiernden nennenswert beeinträchtigen dürfte.

Zwei größere Sicherheits-Änderungen gab es in den vergangenen Jahren bereits. Erstens: Nach der tödlichen Massenpanik bei der Duisburger Love-Parade 2010 wurde die Gutenbergstraße 2011 mit in den Zweibrücker Stadtfest-„Rundlauf“ aufgenommen, um in den anderen Bereichen das Gedränge zu verringen; 2012 wurden erstmals zwei Videokameras eingesetzt, um auf Überfüllung an neuralgischen Punkten reagieren zu können. Zweitens: 2016 wurden – nach eine Welle von Anschlägen in Deutschland und Frankreich unmittelbar vor dem Zweibrücker Stadtfest – dort stichprobenartige Taschenkontrollen eingeführt und das Sicherheitspersonal deutlich aufgestockt.

Beim Stadtfest 2017 (28. bis 30. Juli) ändert sich nun sicherheitstechnisch vor allem zweierlei, ergaben Merkur-Anfragen: Sperren sollen Anschläge mit Fahrzeugen (wie beim Weihnachtsmarkt 2016 in Berlin) verhindern – und die Videoüberwachung wird ausgeweitet.



Erstmals beim Stadtfest werden Betonsperren aufgestellt. Premiere hierfür in Zweibrücken war dieses Jahr beim Fastnachtsumzug und beim Straßentheater-Spektakel, erinnert Ordnungsamtsleiter Klaus Stefaniak: „Beim Stadtfest werden es aber noch mehr.“ Dabei freue sich die Stadt über externe Hilfe: Der Motorsportclub Schiffweiler stelle Betonsperren zur Verfügung, die sonst bei Rennen eingesetzt würden. Solche Barrikaden seien bei Festen in Deutschland „mittlerweile Standard“, sagt Polizeiinspektionsleiter Matthias Mahl.

Die Betonsperren bleiben aber nicht die einzigen Barrikaden, verraten Mahl und Stefaniak. Erstmals bei einer Veranstaltung in Zweibrücken überhaupt werden beim 38. Stadtfest zudem große gefüllte Stahlcontainer aufgestellt. Diese kämen von der Entsorgungs- und Recyclingfirma Firma Becker & Maurer, berichtet Stefaniak.

Die Barrikaden sollen Terroristen draußen halten – aber erschweren sie die Evakuierung, wenn im Stadtfest-Bereich (aus womöglich nichtigem Anlass) eine Massenpanik ausbricht? Stefaniak beruhigt: Die Fluchtwege blieben auch dieses Jahr ausreichend groß, und die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge sei problemlos möglich. Auch deshalb, weil die Barrikaden versetzt angeordnet würden. Stefaniak räumt aber ein, dass dadurch eine Evakuierung „natürlich nicht ganz mit der gleichen Geschwindigkeit wie ohne Barrikaden“ erfolgen könne. Die Fluchtwege würden aber wieder sehr sichtbar mit großen Transparenten ausgeschildert, sodass dies unproblematisch sei. Auch Polizeichef Mahl hat keine Bedenken wegen der Barrikaden: „Die Stadt macht einen sehr, sehr guten Job, sie hat ein umfangreiches und ausgeklügeltes Sicherheitskonzept, mit Liebe zum Detail. Die Fluchtwege sind gewährleistet!“

Bei der Videoüberwachung gibt es zwei Änderungen. Früher war hierfür das städtische Ordnungsamt zuständig, diesmal sitzen Beamte der Medienzentrale der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn hinter den Monitoren, berichtet der Zweibrücker Polizeichef Mahl. Außerdem werde es mehr Überwachungskameras als vergangenes Jahr geben, kündigt Mahl an. Wie viele Kameras aufgestellt werden, verraten Mahl und Stefaniak nicht. Laut dem Ordnungsamtsleiter ist aber „das komplette Festgelände im Monitoring“. Ziel sei insbesondere, im Auge zu behalten, „wo es zu eng wird“: Drängen zu viele Stadtfest-Besucher in einen bestimmten Bereich, werde der Zugang dort zeitweilig gestoppt. Stefaniak: „Das haben wir schon mehrfach gemacht, das funktioniert. Vor allem in der Vertiefung hinter der Alexanderskirche war letztes Jahr ab 22 Uhr bei der Disco ein zu großer Ansturm.“ Die Videoüberwachung sei „von der Stadt beantragt und vom rheinland-pfälzischen Datenschutzbeauftragten genehmigt“, verweist Mahl auf das formelle Prozedere.

Stadt und Polizei appellieren an die Besucher, keine größeren Taschen oder Rucksäcke mit zum Stadtfest zu nehmen. „Das macht uns die Arbeit leichter“, erklärt Stefaniak. Denn wie erstmals 2016 sei auf dem gesamten Festgelände mit Taschenkontrollen durch Polizisten und Ordnungsamtsmitarbeiter zu rechnen. „Es vermittelt den Bürgern auch Sicherheit, dass wir offensiv in Taschen schauen“, weiß Mahl aus Rückmeldungen voriges Jahr. Gefährliche Gegenstände seien damals nicht gefunden worden, dafür kleine Mengen Drogen für den Eigenbedarf.

Die Gesamtzahl der Sicherheitskräfte (Polizei, Ordnungsamt und private Security) werde sich wieder auf dem Niveau von 2016 bewegen, „als deutlich aufgestockt wurde“, sagt Mahl. Auch Bereitschaftspolizisten liefen wieder übers Stadtfest. Aus taktischen Gründen nennt auch Stefaniak keine Zahlen, spricht aber von „einer ausreichenden Anzahl von Sicherheitskräften, uniformiert und in zivil“. „Personell mobilisiert solch ein Fest natürlich die letzten Reserven“, so Mahl. Für das Fest mit jährlich rund 100 000 Besuchern bekomme die Zweibrücker Inspektion deshalb natürlich „auch von außerhalb Unterstützung“.

Gegenüber 2016 „rein präventiv aufgestockt“ hat das DRK: Laut dem für den Stadtfest-Einsatz verantwortlichen Hans Prager sind diesmal sowohl mehr Personal als auch drei weitere Fahrzeuge ständig beim Stadtfest vor Ort. Wie seit vielen Jahren stünden auch die Schnellen Einsatzgruppen im Umland für den Fall der Fälle bereit.

Erstmals werden nun auch beim Stadtfest Betonsperren eingesetzt wie hier im Bild im Mai beim Straßentheater-Spektakel.
Erstmals werden nun auch beim Stadtfest Betonsperren eingesetzt wie hier im Bild im Mai beim Straßentheater-Spektakel. FOTO: Lutz Fröhlich