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Neues Einzelhandelskonzept
Stadt will Handel in Innenstadt stärker schützen

 Der Handel in der Innenstadt soll vor großen Märkten auf der Grünen Wiese stärker geschützt werden.
Der Handel in der Innenstadt soll vor großen Märkten auf der Grünen Wiese stärker geschützt werden. FOTO: dpa / Markus Scholz
Zweibrücken. Das neue Einzelhandelskonzept für die Innenstadt wurde am Dienstagabend vorgestellt. Der Rat muss aber 2020 noch darüber abstimmen. Von Mathias Schneck

Der Handel in der Innenstadt von Zweibrücken soll künftig einen noch stärkeren Schutz erfahren – nämlich durch das neue Einzelhandelskonzept. Dieses liefert eine weiterhin enge Auslegung der Definition, was zur Innenstadt zählt; ferner sieht es eine Ausweitung der sogenannten Zweibrücker Liste vor, die darüber bestimmt, welche Produkte großflächiger Einzelhandel auf der Grünen Wiese anbieten darf. Letztendlich darüber zu entscheiden hat allerdings der Stadtrat – voraussichtlich im zweiten Quartal 2020.

Am Dienstagabend wurde das neue Einzelhandelskonzept im Ratssaal des Rathauses vorgestellt.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) erklärte noch einmal kurz die Hintergründe: Das derzeit gültige Einzelhandelskonzept ist von 2008. Der Stadtrat habe dafür gestimmt, dieses Konzept zu überarbeiten. Beauftragt wurde damit das Planungsbüro Junker und Kruse in Dortmund. Stefan Kruse, Mitinhaber des Unternehmens, stellte die wesentlichen Aspekte des neuen Konzeptes vor.



Er wies daraufhin, dass es ein übliches Vorgehen von Städten sei, das Einzelhandelskonzept zum Schutz des innerstädtischen Handels alle fünf bis zehn Jahre zu überarbeiten.

Es hätten sich seit 2008 einige wichtige wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Zweibrücken verändert. So habe die Stadt nicht mehr 38 400 Einwohner (2008), sondern nur noch 36 400 – ein Rückgang um 2000.

Die Quadratmeterfläche an Einzelhandel, die pro Bürger zur Verfügung stehe, sei in Zweibrücken außergewöhnlich hoch – 3,1. Bundesweit liege dieser Wert bei 1,5 Quadratmetern pro Bürger. Grund sei das großflächige Fashion Outlet, diese hebe den Durchschnittswert stark an. In der Innenstadt habe der Handel 2008 eine Gesamtverkaufsfläche von 15 800 Quadratmetern geboten, jetzt seien es noch 13 600. Die Zahl der Geschäfte sank von rund 120 auf 107.

Die durchaus überraschende Kernaussage Kruses: Der Bereich, der als Innenstadt definiert wird, soll weitgehend unverändert bleiben, die Fruchtmarktstraße werde mit integriert. Es sei sonst keine Ausdehnung geplant. Zweite Kernaussage: Die erwähnte Zweibrücker Liste, die durchaus umstritten ist, wird sogar erweitert. Künftig zählen auch Fahrräder samt technischem Zubehör, Elektrokleingeräte sowie Sportartikel und Sportkleingeräte hierunter.

Überraschend ist dies gerade deswegen, weil eine der treibenden Kräfte für eine Überarbeitung des Einzelhandelskonzeptes, der inzwischen verstorbene frühere Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) dafür geworben hatte, die Definition der Innenstadt etwas großzügiger zu fassen; auch hatte er dafür plädiert, sich Gedanken über den Umfang der Zweibrücker Liste zu machen (wir berichteten).

Nun wird diese Liste also erweitert, statt gekürzt. „Warum das?“, fragte einer der anwesenden Bürger. „Konkurrenz belebt doch das Geschäft!“ Diese Aussage wollte Stefan Kruse so nicht stehen lassen. Sicher könne Konkurrenz in bestimmten Fällen das Geschäft beleben. Allerdings könne sie auch zerstören.

Oberbürgermeister Wosnitza pflichtete bei. Er erinnerte an die Zeiten, als es in der Innenstadt noch einen Eisenwaren-Laden gab. Nach der Öffnung des Baumarktes auf der Grünen Wiese sei dieser in die Knie gegangen. „Alle haben gesagt, es wäre schön, wenn wir wieder einen solchen Eisenwaren-Laden in der Innenstadt hätten – nur, einkaufen wollte dort keiner mehr.“ Wosnitza sagte, er halte die Zweibrücker Liste in diesem Umfang für erforderlich.

Mit Blick auf die Erweiterung der Liste durch den Punkt Fahrräder, sagte der Oberbürgermeister, in der Innenstadt gebe es ein sehr gutes Geschäft mit entsprechendem Angebot, er wolle nicht, dass dieses durch einen Anbieter auf der Grünen Wiese an die Wand gedrückt werde. Hier gelte es, zu einem möglichen Investor, der an die Peripherie wolle, auch einmal nein zu sagen.

Das neue Einzelhandelskonzept ist ab heute auf der Internetseite der Stadt (www.zweibruecken.de) zu sehen, ferner wird es im Rathaus ausgelegt.